Alle Theorie ist grau: Wie kann ein Unternehmen ohne Blogs, Wikis und Instant Messaging überhaupt noch überleben? Nimmt man noch Tagging, die Desktop-/Intranet-Suche und RSS dazu, dann ist der Paradigmenwechsel für die Unternehmenskommunikation schon fast komplett. Gut, dass jemand mal nachgefragt hat.
In diesem Fall war es das renommierte Pew Internet & American Life Project. Bei etwa 50 Millionen Blogs weltweit war es an der Zeit, einmal genauer zu untersuchen, was die Blogger so antreibt. Was bei der groß angelegten Untersuchung herausgekommen ist, dürfte den Enthusiasmus der Manager für das Bloggen der Mitarbeiter nicht gerade exponentiell wachsen lassen. Aber erst einmal von vorne.
Warum Blogs und Wikis bei den Verfechtern von Unternehmen 2.0 so hoch im Kurs stehen, liegt an der Erwartung, dass mit Blogs Einzelpersonen und mit Wikis ganze Gruppen als Autoren tätig werden können. Entscheidend ist die Hoffnung, dass dies systematisch passiert und es so – ganz wie beim großen Vorbild Wikipedia – zum Wohl der Unternehmen zur Kumulation des Know-hows kommt. Mit der Zeit soll daraus eine Intranet-Plattform entstehen, die viele Nutzer laufend aktualisieren und verlinken und die von allen Mitarbeitern genutzt werden kann. Klar, dass jeder Wissensarbeiter auch ein Blogger sein sollte.
Die Ergebnisse von Pew Internet, die sich allerdings nicht ausschließlich auf das Bloggen im Unternehmen beziehen, weisen in eine etwas andere Richtung. Blogger sind vor allem an ihrer kreativen Selbstdarstellung interessiert. Und zwar waren es exakt 52 Prozent der Befragten. Beweggründe, die im Management eine Rolle spielen könnten, wie das Ziel, Mitarbeiter zu motivieren, in ihrer Arbeits- und Denkweise zu beeinflussen oder aber das Networking zu fördern, lagen unter 30, beziehungsweise unter 20 Prozent.
Würden sich diese Werte ändern, wenn es nur um das Bloggen im Unternehmen geht? Ich glaube nicht! Auch in den Unternehmen wird viel Energie seitens der Mitarbeiter aufgebracht, um sich in Szene zu setzen. Ist ein entsprechendes Verhalten auch noch karriererelevant, dann ist praktisch garantiert, mit welcher Motivation gebloggt wird.
Wenn die Ergebnisse von Pew Internet durchaus zur allgemeinen Ernüchterung beitragen, so ist das noch kein Grund, dass Unternehmen 2.0 nun gleich wieder beerdigen. Wie immer geht es eher darum, den Hype aus der Sache herauszunehmen und nach dem verwertbaren Kern zu fragen. Die erste Schlussfolgerung, die ich aus den Ergebnissen ziehen würde, wäre nicht gleich jeden Mitarbeiter zum Bloggen zu treiben. Was das Management vom Bloggen erwartet, sollte definiert werden und insbesondere diejenigen Mitarbeiter motivieren, die das Bloggen einsetzen wollen, um ihre Arbeit effektiver zu gestalten.
Das ist bereits mit Sicherheit keine triviale Aufgabe und die muss man sich nicht noch extra schwerer machen, indem die Potentiale des Bloggen heillos überschätzt werden. Prinzipiell hat man es dabei mit einem Kommunikationsinstrument und durchaus auch mit etwas Wissenskumulierung zu tun. Es ersetzt aber keineswegs aufwendige Business Intelligence Lösungen. Was Blogs aber in der Mehrheit leisten können, ist, dass sie – und das ist auch ein Ergebnis von Pew Internet – ganz neue Stimmen in die Onlinewelt bringen. Auch im Unternehmen wird es so sein, dass die Blogger überwiegend zum ersten Mal die Möglichkeit haben, ihre Meinungen aufzuschreiben und auch zu verbreiten. Die meisten von ihnen werden vorher ein anonymer Teil der in jedem Unternehmen verbreiteten informellen Kommunikation gewesen sein.
Aber – und das ist natürlich tröstlich – wie in der großen Bloggossphäre, so wird es auch im Unternehmen die Stars unter den Bloggern geben, die ihre Kollegen enorm motivieren oder aber das Unternehmen, seine Ideen und Produkte besser kommunizieren können als jeder Werbespot.

