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Endlich lässt sich das einzige Problem glücklicher Menschen lösen: Der Tag kann auf mehr als 43 Stunden ausgedehnt werden. Wie? Mit „pervasive Technology and Media“ - Ist das jetzt ein Traum oder Albtraum?


Bei dieser Rechnung ist schon die Summe mehr als der ganze Tag: Durchschnittlich verbringt ein US-amerikanischer Mensch täglich 6,4 Stunden mit Berufsarbeit, 4,5 Stunden mit der Familie, 1,5 Stunden mit Freunden und 1,2 Stunden mit Fahrerei. Das macht… 13,6… dazu kommen 3,6 im Internet verbrachte Stunden, 2,5 vor dem Fernseher gesessen und 1,3 Radio gehört. Für Instant Messaging wird eine Stunde fällig und eMailing dauert noch mal 1,2 Stunden. Insgesamt für Medienaktivitäten also - blitzschnell im Kopf gerechnet - 9,6 Stunden. Sind zusammen nur 23,2 Stunden? Na ja, das waren ja lediglich einige ausgewählte Aktivitäten. Und solch unwichtige Sachen wie Schlafen, Essen und Körperpflege fehlen auch noch.

Aber interessant ist so eine Rechnung schon. Ich jedenfalls vergleiche immer gern - zumindest ganz oberflächlich - mit meinen eigenen Zeitbudgets. Und sehe dann schnell, dass es natürlich viele Überschneidungen gibt. Radiohören und Fahrerei gehört zusammen, eMailing und Berufsarbeit, beim Instant Messaging ist ein größeres Stück Familien- und/ oder Freundeszeit dabei (oder umgekehrt). Vielleicht reichen 2,5 Stunden vor dem Fernseher mit wachsender Übung auch als Schlafminimum aus…

Multitasking ist hier das altbekannte Stichwort, allerdings nicht mit dem ganzen Rattenschwanz von Klischees vom „distanzierten und entfremdeten Leben“ oder den „technologisch vergifteten Lebensbereichen“. So wird diese Diskussion ja häufig viel zu schnell im Gefolge von John Naisbitts „High Tech/High Touch“ auf den falschen Punkt gebracht. Nein, keine Angst, auch nicht so wie hier bei uns. Es geht nicht um die abgrundtief falschen Rezepte, mit denen eine bekannte ehemalige Nachrichtenssprecherin derzeit viel Geld verdient. Wir wissen alle, dass mit diesen einfachst gestrickten Dummheiten im heutzutage komplexen Familienleben nichts anzufangen ist.

Denn ein Blick auf die Interpretationen, die die in der Studie von Yahoo und OMD Befragten selber geben, zeigt ein differenzierteres Bild. Die 4.500 befragten Online-Familien aus 16 Nationen sagen vielmehr, dass Technologie auf der einen Seite unentbehrlich ist, um auf der anderen Seite „Low-Tech-Aktivitäten“ wie gemeinsame Abendessen oder Brettspiele genießen zu können. Es geht ihnen darum, die fast unüberschaubare Vielfalt der täglichen Entscheidungen einigermaßen zu bewältigen und am Ende der Tages eine möglichst positive Bilanz zu ziehen. Technologie ist dabei unverzichtbar, um in Kontakt zu bleiben.

Gönnen wir uns also einmal diesen positiven Blick. Zumal in diesem Zusammenhang auch die durchaus wahrgenommenen dramatischen Änderungen in der familiären Demographie und Dynamik nicht negativ gesehen werden: Gerade die jüngeren Männer kochen, putzen und kümmern sich um ihre Familie, während die Frauen sich (endlich) auch mit den Finanzen beschäftigen, so die Studie - übrigens mit dem Titel „It’s a Family Affair: the Media Evolution of Global Families in a Digital Age“. Hier ist nicht alles schrecklich und schlecht, sondern ganz im Gegenteil: „As a more open, democratic family emerges, roles and levels of influence change.“

Und das Beste daran: NICHT nur, dass NICHT wir Frauen für das Glück der Welt im Allgemeinen und der Familie im Besonderen verantwortlich gemacht werden - mit diesem mittelalterlichen Gebrabbel beschäftigt sich außerhalb Deutschlands offensichtlich niemand. Sondern: Die Wirtschaft ist verantwortlich. Ja, wirklich: „These ‚longer’ days reflect multitasking at all levels of the family, so it’s more important than ever for advertising to engage people and help enrich their lives, not to add to the clutter.“ Die Untersuchung zeige, dass Produkte und Services, die vielbeschäftigte Familien bei ihrem schwierigen Balanceakt unterstützen, am Markt aufgeschlossene Käufer finden. Also bitte, sagen Sie das weiter: Family 2.0 ist das Geschäftsmodell der Zukunft!

28.09.2006 | Monika Gatzke

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 28. Dezember 2011 19:54

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Fortschritte bei der WiMAX-Lizenzvergabe - Nachdem die Bundesnetzagentur bei dem Lizenzvergabe-Verfahren für WiMAX-Frequenzen bislang keine glückliche Rolle gespielt hat, so gibt es jetzt nach offiziell noch unbestätigten Berichten aufgrund der Ergebnisse des Kommentierungsverfahrens Bewegungen in die richtige Richtung.


 

Anfang Oktober wird vermutlich bekannt gegeben, dass anstatt der im Juli vorgeschlagenen 16 Regionen für die Lizenzen eine Aufteilung des Bundesgebietes in 28 Regionen erfolgt. Außerdem werden in jeder Region nun wohl 4 Frequenzbänder zu je 21 MHz versteigert anstatt der ursprünglich vorgesehenen drei! Dabei sollen die Schutzbänder jetzt in die zu vergebenden Frequenzbänder integriert werden.

Damit stehen anstelle der ursprünglich vorgesehenen 48 WiMAX-Lizenzen nun 112 zur Verfügung, d.h. mehr als doppelt so viel! Die Mindestgebote für die Versteigerung werden ebenfalls reduziert und beginnen vermutlich bei € 0,5 Mio. anstatt bislang bei knapp unter € 1 Mio.. Die Erhöhung der Anzahl der verfügbaren Lizenzen und die Absenkung der Mindestgebote dürfte es den eher räumlich begrenzt tätigen Anbietern (z.B. Citycarriern, aber auch Unternehmen) erleichtern, sich an der Versteigerung zu beteiligen und die grundsätzlich interessante WiMAX-Technologie zu nutzen.

Ob dies aber reicht, um die Unternehmen zurück zu gewinnen, die sich in den letzten Wochen und Monaten frustriert von der Bewerbung um eine Lizenz abgewandt haben, kann zumindestens bezweifelt werden! Für die verbleibenden Bieter ergibt sich allerdings die Chance, dass eine „Bieterschlacht“ mit stark steigenden Geboten ausbleibt und die Lizenzen nicht zu überhöhten Kosten erworben werden müssen. Für die Ballungsgebiete, wie z.B. den Großraum Berlin sieht dies aber vermutlich anders aus.

Nach Einschätzung von Marktexperten werden neben der Deutschen Telekom einige überregional interessierte Anbieter wie Inquam Broadband, Deutsche Breitbanddienste und ViMax an der Auktion teilnehmen, sowie einige der größeren Regionalcarrier.

Der gesamte Vorgang der Lizenzerteilung dauert in Deutschland zu lange und ist zu bürokratisch! Warum muss ein Dokument, dass zur Kommentierung des vorgeschlagenen Auktionsverfahrens auffordert, 80 Seiten umfassen. Die zusammen gefassten Kommentare ergeben dann noch mal über 220 Seiten! Wenn man sich dann noch die Regeln für die Versteigerung ansieht, fragt man sich, warum eBay eigentlich überhaupt funktionieren kann! Immerhin ist eine eigene Schulung der Interessenten an der Teilnahme der WiMAX-Auktion vorgesehen. In Österreich konnte man die WiMAX-Lizenzen bereits im Jahr 2004 in 6 Regionen an je zwei bis drei Betreiber versteigern,die zwischenzeitlich schon Kunden bedienen. Hoffentlich werden die bürokratischen Hürden auch in Deutschland in absehbarer Zukunft gesenkt, damit neue Marktchancen schneller genutzt werden können!

Mehr zum Thema finden Sie in meinem Beitrag "WiMAX - Regulierung auf dem Holzweg?"
(http://www.ecin.de/mobilebusinesscenter/wimax-regulierung/)

29.09.2006 | Dr. J. Kaack - ...

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 28. Dezember 2011 19:54

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Nicht alles ist für die Ewigkeit: Auch viele eMails haben, soweit es ihren Nachrichtenwert angeht, eine kurze Verfallszeit. Und sowieso ist es nicht schön, wenn man sich, anders als Adenauer, um sein dummes Geschwätz von gestern morgen doch wieder kümmern muss.


 

Jeden Morgen das Gleiche: Nur langweilige eMails in der Mailbox – wieder keine Abenteuer, die auf mich und meine Spezialeinheit warten. Dabei wäre es jetzt doch möglich, dass sich ein alter Kindertraum erfüllt: „Guten Morgen, Frau Gatzke (na ja, im Original war es Jim Phelps, der den Auftrag erhielt)… Wir wissen, dass Ihre Chance gleich null ist. Sollten Sie, oder einer Ihrer Mitarbeiter während des Auftrags gefasst oder getötet werden, müssen wir leugnen, Sie zu kennen. Dieses Band wird sich in wenigen Sekunden selbsttätig vernichten! Kobra, übernehmen Sie!“

Nein, natürlich ist im FTK mit solchen Aufträgen wirklich nicht zu rechnen. Aber wenigstens könnten sich einige der vielen eMails, die sinnloser Weise in meiner Mailbox herumliegen, selbst vernichten: Einladungen zu Veranstaltungen, die bereits seit langem vorbei sind, oder auch Werbung für Sonderangebote, die es nicht mehr gibt. Dazu noch der Soundtrack von Lalo Schifrin (45 Sekunden gibt es unter http://www.tv-nostalgie.de/Sound/Kobra.htm) und einige Probleme sind gelöst. Und von Zeit zu Zeit habe ich selbst auch das Bedürfnis, eine eMail zu senden, von der ich vorher schon weiß, dass ich es besser nicht tue. Aber wenn es möglich wäre, dem Empfänger nur kurz und einmalig die Botschaft quasi unter die Nase zu halten und dann verschwinden zu lassen - das wäre schön.

Tatsächlich gibt es schon Services, die - wenn auch ohne Musik -, dafür sorgen, dass eine eMail sich nach Ablauf einer vorher bestimmten Frist „selbst zerstört“, der Empfänger sie nicht weiterleiten oder ausdrucken kann. Auf ein solches Angebot spezialisiert ist Kablooey Mail (http://www.kablooeymail.com). Seit Juli dieses Jahres kann hier, nachdem man sich eingeloggt hat, eine Mail schreiben und versenden, die man dann mit integriertem „Verfallsdatum“ versendet. Nach Ablauf einer Frist, wahlweise von zehn Sekunden bis zwei Wochen nach dem Lesen der Mail, soll sie gelöscht werden.

Der Haken bei der Sache: Die Mail wird zwar von Kablooey mit der richtigen Absenderadresse an den Empfänger geschickt. Aber der enthaltene Text ist nicht die eigentliche Nachricht, sondern lediglich ein Link zurück auf die Website. Dort soll der Empfänger sich die Nachricht in der vorherbestimmten Frist ansehen können. Dabei führe, so die Angaben des Anbieters, jeder falsche Tastendruck zur sofortigen Löschung, erlaubt seien nur die Pfeiltasten oder das Scrollen. Also kann eine solche Nachricht gar nicht richtig in unseren Mailboxen ankommen…

Vielleicht wird das im nächsten Jahr anders. Wie das Wall Street Journal Online berichtet, plant Microsoft für das kommende Outlook 2007 einige Neuerungen in diese Richtung. Neben dem Versand von eMails mit „expiration date“ soll es dann auch eine Variante geben, die mit so genannten „electronic postmarks“ wie ein Einschreiben funktioniert. Und der Sender erhalte auch die Macht, darüber zu entscheiden, ob eine Weiterleitung oder das Ausdrucken erlaubt ist. Ob wir uns dann wirklich nicht mehr um unser Geschwätz von gestern kümmern wollen, werden wir dann neuerdings entscheiden müssen.

03.10.2006 | Monika Gatzke

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 28. Dezember 2011 19:54

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Der Hilferuf ist nicht ganz so ernst gemeint wie einst bei der Serengeti – die Veteranen werden sich erinnern. Doch wenn es nach einem Antrag der FDP Fraktion im Bundestag ginge, dann würde kein RFID Chip den Supermarkt lebend verlassen.


 

Die FDP wünscht sich eine Selbstverpflichtung der Wirtschaft: „… die RFID Chips sind nach der Übergabe an den Verbraucher, spätestens mit dem Verlassen des Geschäfts des Unternehmens automatisch dauerhaft und unwiderruflich zu deaktivieren, es sei denn, der Verbraucher wünscht ausdrücklich die weitere Aktivierung des RFID-Chips;..“

Diese Forderung ist nicht ohne Logik, solange man mit den Chips zu Hause nichts Vernünftiges anfangen kann. Alle etwaigen Datenschutzprobleme löst man hier nun einmal am einfachsten, wenn diese Technologie erst gar nicht in den Alltag kommt und an der Supermarkttür gestoppt wird. Allenfalls gibt es für den Handel ein Kostenproblem, wenn für die wenigen Artikel, die zur Zeit mit RFID getaggt sind, jede Kasse mit einem Deaktivator ausgestattet werden muss. Vermutlich würde das den Einsatz von RFID auf der Artikelebene für die nähere Zukunft erst einmal ausbremsen.

Ich bin überzeugt davon, dass man über diesen so genannten Kill-Befehl noch einmal nachdenken muss. Weltweit gehen hierzu die Meinungen ziemlich auseinander. Um eine ähnlich gelagerte Gesetzesinitiative in Kalifornien ist es jedenfalls wieder still geworden. In UK hält das Office des Information Commissioner es wie bei der FDP für den einfachsten Weg, an der Ladentheke den Stecker zu ziehen. Ganz andere Töne kommen da aus Kanada. Ann Cavoukian, die Datenschutzbeauftragte von Ontario sieht gut Gründe dafür, dass der Verbraucher bei automatisch deaktivierten Tags die Möglichkeit haben sollte, sie später wieder zu aktivieren.

Ich glaube, dass hier der springende Punkt ist. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass RFID-Chips zukünftig auch für den Verbraucher viel zu wertvoll ist, um sie einfach zu entsorgen. Seit Dezember letzten Jahres hat Pfizer über zwei Millionen seiner kleinen Viagra Fläschchen getaggt, um sich und seine Kunden gegen Fälschungen zu schützen. Ich kann mir vorstellen, dass es gute Gründe für den Verbraucher gibt, sich auch nach dem Erwerb von der Echtheit des Präparates zu überzeugen.

Vergleichbar nützlich dürfte es sein, sich mit Hilfe von RFID über die möglicherweise noch vorhandene Garantie zu informieren - anstatt das Haus auf den Kopf zu stellen, um die alten Rechnungen zu finden. Ähnlich dankbar wird die Umwelt sein, wenn das Produkt ausgedient hat und auf den richtigen Recyclingpfad geschickt werden kann, weil der Chip der Schlüssel für Informationen über die Inhaltsstoffe ist.

Alles noch Zukunftsmusik. Womit sollen die Chips zu Hause ausgelesen werden und woher bekomme ich die Informationen, die irgendwo in Datenbanken liegen? Der auf dem Chip gespeicherte Code ist erst einmal nur eine Nummer, mit der man wenig anfangen kann. Acht Stunden weiter östlich ist man da weiter. In Korea wird in diesem Herbst geübt und ab 2007 gibt es die Handies, die die gängigen RFID-Chips lesen und sich die dahinter liegenden Informationen aus dem Internet holen können. Wie es dabei um den Datenschutz und Privacy steht, das schaue ich mir nächste Woche vor Ort einmal an.

03.10.2006 | Prof. Monse

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 28. Dezember 2011 19:54

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„Ubi-Center“ soll ein neues Erfolgsprodukt von Samsung werden. Nein, das ist kein Geheimnis, sondern wird in Korea derzeit mit riesigem Interesse diskutiert. Auch andere große Unternehmen setzen auf „U“: LG hat die „ubiquitous Era“ schon ausgerufen. Die Details sind spannend.


 

Erfolg soll in Zukunft in der Integration liegen. In Korea reicht den Schwergewichten, die ihre Geschäfte im Electronics-Bereich machen, die Herrschaft im Wohnzimmer nicht mehr aus. Sie setzen jetzt deswegen auf die „Mega Trends of Ubiquitous Era“: Im von ihnen ausgerufenen U-Zeitalter sollen die letzten Grenzen zwischen realer und digitaler Welt fallen. Jede Schule hat ihre U-Version, jede Bank eine U-Filiale. Auch Krankenhäuser, Kaufhäuser und öffentliche Verwaltungen sind selbstverständlich genauso wie in der realen Welt im Cyberspace für ihre Kunden da. U-Government, U-Commerce und U-Hospital heißt das dann natürlich.

Auf den ersten Blick ist uns das nicht neu. Nur dass ein „U“ da steht, wo wir an ein „E“ gewöhnt sind. Aber mit dem „U“ ist tatsächlich einiges mehr gemeint. Ins Spiel kommen hier nämlich intelligente Objekte und Plätze. Und natürlich die überall und jederzeit bestehende Konnektivität. In der Praxis kann ich im U-Zeitalter gleichzeitig unterwegs sein und mit meinem intelligenten Kühlschrank zu Hause Informationen austauschen und die nötigen Einkäufe in Auftrag geben. Aber auch die anschließenden Aktionen, die im gegenwärtigen E-Leben immer noch schwierig bis unmöglich sind, stellen sich in der U-Ära ganz einfach dar - Den Menschen vom Lieferservice sehe ich auf meinem Bildschirm, wenn er klingelt und sich mit seiner Smartcard (selbstverständlich mit RFID-Chip) identifiziert. Dann kann ich ihm aus der Ferne öffnen und mit Hilfe der verschiedenen Kameras in meiner Wohnung beobachten und natürlich die Tür wieder schließen, sobald er das Haus wieder verlassen hat.

Ja, ich gebe zu: Ganz taufrisch ist auch dieses Szenario nicht mehr. Allerdings heißt heute nur: Ich muss das Faszinierende am U-Konzept, so wie es in Korea augenblicklich wirklich bemerkenswert offensiv vertreten wird, besser beschreiben. Was ich hier während meines Korea-Aufenthaltes nämlich mit selbstkritischer Verwunderung feststelle, ist, dass sich meine Erwartungen nicht erfüllen. Selbstkritisch, weil die Erwartung hier ganz überraschend, ganz neue, ungeahnte E-Services zu entdecken, tatsächlich bestenfalls naiv ist. Verwunderung allerdings, weil sich etwas anderes, zumindest ähnlich Spannendes findet.

Und das ist der Schulterschluss der Akteure: Wenn in Korea von „ubiquitous Technologies“ die Rede ist, dann sind in der Regel nicht nur Spezialisten im Gespräch, die tatsächlich keinen großen Einfluss über ihren engeren Wirkungskreis hinaus haben. Hier ist das Thema wirklich Chefsache, und zwar quer durch die Bank. Samsung, LG, Korean Telecom und andere bekannte Namen haben ihre Arbeitsgruppen und nicht gerade mit wenig Mitteln ausgestatteten speziellen Abteilungen, in denen sie sich mit dem Thema befassen. So eben zum Beispiel das Ubicenter bei Samsung, das als Schaltzentrale das Herzstück des U-Life bilden und alle Infrastrukturen vereinen soll. Oder die Diskussion der Megatrends der "ubiquitous Era" bei LG, die sich in ihrem LG Electronics Institute of Technology auf das Thema konzentrieren. Und Korean Telekom bearbeitet in ihrer U-City Group die verschiedenen, nicht gerade kleinen Projekte im Land – die schließlich nach ihren eigenen Berechnungen bis 2010 zwischen 15 und 22 Mrd. US-Dollar wert sein sollen.

Der Schulterschluss reicht aber weit über die Wirtschaft hinaus und bis tief in die politische Sphäre hinein. Oder besser gesagt: hoch in die Politik. Denn auch hier ist ubiquitous Chefsache, und zwar gemeinsam mit den wirtschaftlichen Akteuren. Nicht nur dass der Minister für Information und Kommunikation, Jun-Hyong Rho für die „Ubiquitous Dream Hall“ verantwortlich zeichnet, in der das digitale Leben der Zukunft für jedermann anschaulich gemacht werden soll (ich gehe am Freitag hin, wahrscheinlich gibt’s dann im nächsten Blog die ersten Eindrücke dazu ;-). Auch die Bürgermeister von Seoul und Busan (und eine ganze Reihe anderer Offizieller) wollen die Chancen, die ubiquitous Technologies zur Lösung ihrer Probleme ebenso wie zur Entwicklung neuer Potentiale bietet, mit Nachdruck nutzen.

Aber jetzt erstmal genug für heute, ich muss schließlich noch das richtige Seoul durchstreifen. Natürlich immer auf der Suche nach (nein, nicht den gefakten Lois Vuitton Taschen!!!) den Schittstellen des ubiquitären Lebens. (Fortsetzung folgt)

11.10.2006 | Monika Gatzke

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 28. Dezember 2011 19:54

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Die Aufregung um die bombigen Brüder und Schwestern im Norden bleibt in Südkorea auf die Medien beschränkt – Buddha sei Dank oder wirtschaftlichem Pragmatismus? Wahrscheinlich wirkt mindestens beides. Und genauso entspannt geschäftstüchtig geht man hier auch die Sache mit dem "U" an.


 

Erinnern Sie sich noch an Raumschiff Orion? Das war die berühmte Science Fiktion Serie, in der Dietmar Schönherr mit einem Bügeleisen telefonierte. In Korea könnte diese Vision jetzt Realität werden.

Nein, der Vergleich hinkt überhaupt nicht. In der Ubiquitous Dream Hall, die ich wie versprochen besichtigt habe, finden sich viele solcher Beispiele für Entwicklungen – die technologisch sicherlich anspruchsvoll, aber für meinen europäischen Geschmack ein bisschen zu verspielt sind.

Zum Beispiel der Roboter. Dass er mir Getränke bringt, oder als Informationsterminal zu nutzen ist, daran könnte ich mich schnell und gerne gewöhnen. Aber sobald er einen Dialog mit mir führen will oder mich auch nur begrüßt "Das war aber ein langer Tag heute, Du wirst müde sein", muss ich beim ersten Mal heftig lachen. Und ein zweites Mal wird es nicht geben.

Aber wahrscheinlich könnte ich nach einiger Zeit den ganzen Dingen, die ich "Voice-Controlled" beherrsche, besser beibringen, sich auf meine Vorlieben einzustellen als meinen warmblütigen Mitbewohnern. Und eigentlich kann ich es mir auch sehr entlastend vorstellen: Dieser dämliche Kühlschrank, der mir morgens vorschlägt, den heute ablaufenden Speck zum Frühstück zu braten, reagiert nämlich nicht eingeschnappt, wenn ich ihm ein erfrischendes "Halt’s Maul" zurufe.

Aber nun zu den Anwendungen, die mir – wenn auch nicht umwerfend – ganz interessant erscheinen: Nach der elektronischen Eingangskontrolle (per RFID ist das eine attraktive Sache für alle, die ständig Schlüssel verlegen) betritt man ein Haus, das in der Abwesenheit vom Cleaning Robot in Ordnung gebracht wurde. Video-Botschaften von Freunden, Bekannten und anderen (?) kann man sich bequem auf dem Fernsehschirm ansehen. Und das elektronische Notizbrett liest die Informationen aus den Flyern (auch wieder mit RFID Chip) aus, die sich in der Zwischenzeit in der Tasche angesammelt haben. Ja, dieser "high-tech intelligent picture frame" könnte mir wirklich gefallen. Und sicher auch meinen Familienangehörigen, denn die Pizzabestellung kann natürlich auch direkt aus dem aktuellen Prospekt heraus erfolgen…

Wechseln wir die Zeitperspektive: Morgens wird mehr als der nervige Kühlschrank geboten. Was mir gefällt, ist der Spiegel. Der "Magic Mirror" präsentiert auf Zuruf die Termine für den Tag, die Wettervorhersage, den Verkehrsbericht – und Tipps zur Kleidung. Es wäre doch fantastisch, nicht immer ausgerechnet nach der Hose zu suchen, die nicht gebügelt ist, oder die Bluse anzuziehen, an der schon seit zwei Wochen der Knopf fehlt…

In der Ubiquitous Dream Hall geht es noch weiter: Nach dem U-Home geht’s in die U-City, um dort im U-Büro zu arbeiten und anschließend im U-Shop einzukaufen. Im Einzelnen habe ich viele recht gute Anwendungen gesehen, aber eigentlich nichts revolutionäres. Mein Fazit bleibt wie in der vergangenen Woche: Das richtig Erstaunliche ist, mit welchem Verve hier in Korea die Ubiquitous-Strategie vorangetrieben wird. Oder können Sie sich vorstellen, dass ein bundesdeutsches Ministerium (Wir haben gar kein Informations- und Kommunikationsministerium!) eine "Dream Hall" einrichtet? Um den Bürgern "die Wunder der ubiquitous Welt näher zubringen"? Unglaublich…

18.10.2006 | Monika Gatzke

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 28. Dezember 2011 19:54

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