Endlich lässt sich das einzige Problem glücklicher Menschen lösen: Der Tag kann auf mehr als 43 Stunden ausgedehnt werden. Wie? Mit „pervasive Technology and Media“ - Ist das jetzt ein Traum oder Albtraum?
Bei dieser Rechnung ist schon die Summe mehr als der ganze Tag: Durchschnittlich verbringt ein US-amerikanischer Mensch täglich 6,4 Stunden mit Berufsarbeit, 4,5 Stunden mit der Familie, 1,5 Stunden mit Freunden und 1,2 Stunden mit Fahrerei. Das macht… 13,6… dazu kommen 3,6 im Internet verbrachte Stunden, 2,5 vor dem Fernseher gesessen und 1,3 Radio gehört. Für Instant Messaging wird eine Stunde fällig und eMailing dauert noch mal 1,2 Stunden. Insgesamt für Medienaktivitäten also - blitzschnell im Kopf gerechnet - 9,6 Stunden. Sind zusammen nur 23,2 Stunden? Na ja, das waren ja lediglich einige ausgewählte Aktivitäten. Und solch unwichtige Sachen wie Schlafen, Essen und Körperpflege fehlen auch noch.
Aber interessant ist so eine Rechnung schon. Ich jedenfalls vergleiche immer gern - zumindest ganz oberflächlich - mit meinen eigenen Zeitbudgets. Und sehe dann schnell, dass es natürlich viele Überschneidungen gibt. Radiohören und Fahrerei gehört zusammen, eMailing und Berufsarbeit, beim Instant Messaging ist ein größeres Stück Familien- und/ oder Freundeszeit dabei (oder umgekehrt). Vielleicht reichen 2,5 Stunden vor dem Fernseher mit wachsender Übung auch als Schlafminimum aus…
Multitasking ist hier das altbekannte Stichwort, allerdings nicht mit dem ganzen Rattenschwanz von Klischees vom „distanzierten und entfremdeten Leben“ oder den „technologisch vergifteten Lebensbereichen“. So wird diese Diskussion ja häufig viel zu schnell im Gefolge von John Naisbitts „High Tech/High Touch“ auf den falschen Punkt gebracht. Nein, keine Angst, auch nicht so wie hier bei uns. Es geht nicht um die abgrundtief falschen Rezepte, mit denen eine bekannte ehemalige Nachrichtenssprecherin derzeit viel Geld verdient. Wir wissen alle, dass mit diesen einfachst gestrickten Dummheiten im heutzutage komplexen Familienleben nichts anzufangen ist.
Denn ein Blick auf die Interpretationen, die die in der Studie von Yahoo und OMD Befragten selber geben, zeigt ein differenzierteres Bild. Die 4.500 befragten Online-Familien aus 16 Nationen sagen vielmehr, dass Technologie auf der einen Seite unentbehrlich ist, um auf der anderen Seite „Low-Tech-Aktivitäten“ wie gemeinsame Abendessen oder Brettspiele genießen zu können. Es geht ihnen darum, die fast unüberschaubare Vielfalt der täglichen Entscheidungen einigermaßen zu bewältigen und am Ende der Tages eine möglichst positive Bilanz zu ziehen. Technologie ist dabei unverzichtbar, um in Kontakt zu bleiben.
Gönnen wir uns also einmal diesen positiven Blick. Zumal in diesem Zusammenhang auch die durchaus wahrgenommenen dramatischen Änderungen in der familiären Demographie und Dynamik nicht negativ gesehen werden: Gerade die jüngeren Männer kochen, putzen und kümmern sich um ihre Familie, während die Frauen sich (endlich) auch mit den Finanzen beschäftigen, so die Studie - übrigens mit dem Titel „It’s a Family Affair: the Media Evolution of Global Families in a Digital Age“. Hier ist nicht alles schrecklich und schlecht, sondern ganz im Gegenteil: „As a more open, democratic family emerges, roles and levels of influence change.“
Und das Beste daran: NICHT nur, dass NICHT wir Frauen für das Glück der Welt im Allgemeinen und der Familie im Besonderen verantwortlich gemacht werden - mit diesem mittelalterlichen Gebrabbel beschäftigt sich außerhalb Deutschlands offensichtlich niemand. Sondern: Die Wirtschaft ist verantwortlich. Ja, wirklich: „These ‚longer’ days reflect multitasking at all levels of the family, so it’s more important than ever for advertising to engage people and help enrich their lives, not to add to the clutter.“ Die Untersuchung zeige, dass Produkte und Services, die vielbeschäftigte Familien bei ihrem schwierigen Balanceakt unterstützen, am Markt aufgeschlossene Käufer finden. Also bitte, sagen Sie das weiter: Family 2.0 ist das Geschäftsmodell der Zukunft!
