RFID: Ist doch kein Thema
Es wird ruhiger. Nicht wegen Weihnachten. Wahrscheinlicher ist, dass mittlerweile viele Menschen schon mehr über RFID gehört haben als Negativschlagzeilen. Es wäre ja auch schön, wenn eine sachlichere Diskussion beginnen könnte.
In den USA zeigt sich eine dramatische Veränderung in der Öffentlichkeit: Im September 2004 hatten erst gut 28 Prozent der Befragten in einer Studie von Bigresearch schon einmal etwas von RFID oder Radiofrequenztechnologie gehört. Jetzt sind es 42,4 Prozent. Einige haben allerdings in den vergangenen drei Monaten das Thema schon wieder vergessen, denn der bisherige Awareness-Höchststand betrug 43,6 Prozent im Juni 2005.
Das mag damit zusammenhängen, dass in den Medien anscheinend der RFID-Berichtszenit ebenfalls überschritten ist. Eine Auswertung der Lexis Nexis Datenbank durch Bigresearch kommt jedenfalls zu eindeutig unterschiedlichen Zahlen. Im dritten Quartal 2004 lässt sich der Begriff „RFID“ immerhin elfmal im Text einer generellen Nachricht der so genannten Top Five Zeitungen nachweisen. Der Höhepunkt der Nennungen ergibt sich in dieser Zählung im ersten Quartal 2005 mit 22 Treffern. Und im dritten Quartal 2005 sind es eben nur noch sechs.
Ganz ähnlich sieht es aus, wenn alle größeren Zeitungen einbezogen werden: Von 131 über 164 bis hinunter auf 59. Eine kleine Verschiebung gibt es nur in den Transkripten der Fernsehsendungen. Hier wird der Höchststand mit 190 RFID-Fundstellen schon im vierten Quartal 2004 erreicht. In den Monaten Juli bis September 2005 gibt es dann nur noch 45 Treffer.
Das Bild könne sich aber schnell ändern, warnen die Experten von Bigresearch dennoch. Ein „kontroverses Ereignis“ werde das Thema wieder in den Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit rücken, zeigen sie sich überzeugt. Allerdings sieht es hier bei uns im Augenblick eher ruhig aus.
So wird zum Beispiel auf der Medica (weltgrößte Medizinmesse, die im Moment in Düsseldorf stattfindet) RFID als Sicherheitselement vorgestellt. Arcor integriert RFID-Chips in konvergente Netze, um Patienten eindeutig zu identifizieren. Der Patient erhalte bei der Aufnahme in das Krankenhaus ein Armband, auf dem per RFID-Chip der Verweis auf die Patientendaten im Krankenhaus-Informations-System gespeichert ist. Der behandelnde Arzt könne nun bei der digitalen Visite mit einem mobilen Endgerät diesen Tag auslesen und erhalte die zum Patienten gehörigen Informationen. Für RFID-Interessierte ist das im Prinzip nichts Neues. Neu scheint mir aber: Es beschwert sich niemand - wird keine Verletzung der Privatsphäre befürchtet?Vielleicht hört man noch ein wenig länger zu und lässt sich über die erwarteten Nutzenpotentiale aufklären?
So sollen über diese Lösung Verwechslungen zu einem hohen Prozentsatz ausgeschlossen werden. Die Eindeutigkeit der Identifizierung könne z.B. dann lebenswichtig sein, wenn Unverträglichkeiten vorliegen oder bestimmte Dosierungen nicht über- oder unterschritten werden dürften. Ebenfalls bei der Erkennung des richtigen Patienten vor einer OP bzw. bei der Zuordnung von Pflege- und Betreuungsleistungen kann RFID hilfreich sein. Zudem könne der Patient aktiv Nutzen daraus ziehen, indem er an Infoterminals individuelle Information abrufen kann, z.B. darüber, wann die nächsten Behandlungen anstehen. Weitere Anwendungen seien die Erfassung des Speiseplans sowie hausinterne Informationen. Die so gespeicherten Daten müssen nicht mehr manuell erfasst und weitergegeben werden, sondern liegen unmittelbar an zentraler Stelle vor. Damit soll eine zeitgerechte Bearbeitung und vor allem Planung gewährleistet werden.
Das sind natürlich eine ganze Reihe von positiven Dingen, die wahrscheinlich jedem, der jemals einen Krankenhausaufenthalt genießen musste, recht angenehm erscheinen. Was die RFID-Proteste angeht, also zu harmlos?
Nun, ein zweiter Versuch: Bei T-Systems zeigt man sich mit der Wortwahl etwas drastischer. Die angebotene RFID-Lösung mit Weglaufkontrolle für verwirrte demente Patienten in Pflegeheimen kommt für mich persönlich gegenwärtig noch nicht in Frage. Aber wirklich entrüstete Meldungen konnte ich auch dazu nicht finden. Anscheinend ist es nun möglich wirklich die Chancen und Risiken der RFID-Technologie auch auf lange Sicht in den Blick zu nehmen. Es muss ja nicht in jedem Fall auf die einfache Alternative „Einsperren oder Taggen“ hinauslaufen.
17.11.2005 | Monika Gatzke