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GPS macht’s billiger
08.12.2005 | Artikel drucken

Erste interessante Innovationen kommen nun in die Praxis: „Zahlung gemäß Nutzung“. Es gibt sie, die Autoversicherung, deren Prämien entsprechend der tatsächlichen Bewegungen des Fahrzeuges berechnet werden – monatlich unterschiedlich, je nachdem, wie die per GPS verfolgten Fahrten aussahen.

Ich war in dieser Woche überrascht, wie weit zum Beispiel einige Versicherungen damit schon sind. Auf den Geschmack gebracht hat mich die Uniqua, ein österreichisches Versicherungsunternehmen, das nach eigenen Angaben „eine neue Form der Autoversicherung prüft, bei der die Prämie von der echten Nutzung des Autos abhängt.“ Ist ja interessant, dachte ich mir. „Der Tarif sinkt, je weniger und je sicherer man fährt. Die Autonutzung lässt sich durch Satellitennavigation messen… Wer weniger fährt und auf Sicherheit achtet, für den könnte seine Autoversicherung um bis zu 50 Prozent billiger werden.“ Bingo!!!

Weniger fahren geht zwar nicht, aber Sicherheit – ist doch kein Thema für mich. Das geht Ihnen bestimmt genauso: Wer fährt sicherer als wir! Angesichts der Benzinpreise wäre eine niedrigere Versicherungsprämie schon nicht schlecht…

So groß ist der Vorsprung der Österreicher allerdings doch nicht. Zunächst geht es um eine Machbarkeitsstudie. Sie soll prüfen, ob eine solche Autoversicherung möglich wäre und ob sie sich rentieren könnte. Das Business Modell ist also noch nicht wasserdicht.

Zum Hintergrund: Messen lässt sich die Autonutzung, indem man Satellitennavigation, Handy und IT kombiniert. Das Auto wird über Satellit mit GPS lokalisiert, die Positionsdaten werden über das Handynetz an einen zentralen Computer übertragen. Anwendungsanbieter IBM erläutert: „Als GPS- und GSM-Sender dient eine kleine Black-Box, die ins Auto eingebaut wird, ähnlich wie ein Navigationssystem oder ein Carfinder gegen Diebstahl. Der Computer gleicht die Navigationsdaten mit einer Landkarte ab (‚Mapping’), daraus können dann Fahrtkilometer und Strecken abgelesen und der Preis kalkuliert werden“.

Hört sich nun wirklich interessant an. Aber die erste Frage an mich selbst lautet eigentlich immer: Wirklich neu? Oder alter Hut? Nicht ganz einfach zu beantworten. Modelle gibt es schon seit einiger Zeit. Theoretisch wird über die Bezahlung von Autoreifen in Abhängigkeit von der Laufleistung oder von Waschmaschinen je nach Zahl der Waschgänge nicht erst seit heute gesprochen. Aber ganz konkret die Autoversicherung? Gibt es die womöglich anderorts schon?

Ja, in dieser Hinsicht sind sie uns zuvorgekommen, die Briten. Sie haben die Norwich Union, das größte Versicherungsunternehmen in Großbritannien, die als preiswerte Alternative „Pay as you drive“ (PAYD) anbieten. PAYD errechnet nach der Echtzeitkontrolle der tatsächlichen Fahrzeugnutzung die Beitragshöhe, als wirkliche On Demand Lösung. Gemeinsam mit IBM hat die Norwich Union auch schon ein Pilotprogramm durchgeführt und das Fahrverhalten von 5000 Kunden ermittelt und analysiert. Die Beitragshöhe wird dementsprechend von Faktoren wie Streckenlänge, Fahrziel und Tageszeit bestimmt. Die Versicherten seien nicht mehr gezwungen, Fahrer mit hohen Risiken mitzufinanzieren. So könne Norwich Union beispielsweise jungen Fahrern Abzüge gewähren, wenn sie nicht zu Zeiten fahren, die für diese Altergruppe als hochriskant eingestuft werden. Das Motto „Test drive the future of car insurance“ können Sie unter http://www.payasyoudriveinsurance.co.uk/ Ernst nehmen und sich weitere Infos besorgen.

In Deutschland testet die DBV-Winterthur das Motto "Zahlung gemäß Nutzung" für die Zielgruppe der kleinen und mittleren Unternehmen. Bei den im Fahrzeug einzubauenden Zusatzgeräten handelt es sich auch um GPS-Einheiten. Sie zeichnen die Informationen auf und speichern sie auf einem handelsüblichen USB Stick, mit dem die Daten verschlüsselt übertragen werden. Anschließend können sie vom Unternehmen - bequem über ein Webportal - zur Weiterverarbeitung für interne Zwecke herunter geladen werden. Die DBV-Winterthur nutzt die Daten zur Berechnung der individuellen Prämie: Nutzungshäufigkeit, Fahrzeit, Fahrstrecke und Fahrstil. Neben einer risikogerechten Prämie - die auch konjunkturelle Schwankungen auf Basis der Fahrleistung berücksichtigt - beeinflusse diese Technologie über die Messung des Fahrverhaltens die Schadenquote nachweislich positiv, sind die Verantwortlichen bei der DBV-Winterthur überzeugt. Doch damit nicht genug: Der Gewerbekunde könne die vom Gerät ermittelten Informationen wie ein Fahrtenbuch nutzen und habe damit den Nachweis, wann seine Fahrzeuge wo genutzt wurden.

Zum guten (?) Schluss will ich nicht verschweigen, was ich während meiner Recherchen in dieser Woche zu diesem Thema auch gefunden habe: Im Jahr 2002 hat die Norwich Union in Großbritannien für das damals startende "Pay as you Drive ™ satellite vehicle tracking project“ den Preis als “Most Invasive Organisation“ im Rahmen der Verleihung der vierten UK Big Brother Awards bekommen. Ich kann mir auch nicht erklären, warum (fast) alles, was ich richtig gut finde, entweder dick macht oder datenschutzrechtlich bedenklich ist…

 

 

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