Wiki oder nicht Wiki?

Von: Monika Gatzke
Erstellt: 21 Sep 2006 - 13:27

Ist das eine Frage? In Zeiten des Web 2.0 doch nicht. Allerdings: Während es unzählige Blogs, (zu)viele Podcasts und schreckliche Online Videos gibt, sind Wikis nicht so zahlreich. Trotz des Geredes um „User Generated Content“. Neben Wikipedia existiert wenig. Ich glaube, wir verschenken Chancen.

Auch wenn viel darüber gesprochen wird: Außer bei eher technisch fokussierten Internettern scheint das Thema „Wiki“ kaum ein Thema zu sein. Die Zahl „200 Wikis“ geistert durchs Internet - Ich kenne keine verlässliche Quelle dazu. Vielleicht gibt es in der Praxis gar keinen wirklichen Bedarf für noch mehr Möglichkeiten, Informationen zu veröffentlichen: Wikipedia, Wikitravel, Wikibooks, Wikinews… Da bleibt schließlich kaum etwas ungeschrieben.

Aber Wikis sind ja nicht nur dazu da, Wissen aus möglichst vielen Quellen verfügbar zu machen („Knowledge Management“). Sie soll(t)en auch eine Plattform sein, auf der schnell zusammengearbeitet („Collaboration“) werden kann - daher der Name „wikiwiki“ angeblich aus dem Hawainanischen für „schnell“. Betonen wir doch einfach mal „arbeiten“ und nehmen NICHT die vielen Millionen Internetnutzer, die zu Hobby und Freizeit publizieren, in den Blick: Haben Sie ein Wiki in Ihrem Unternehmen?

Wer schon jemals mit anderen zusammen in einem Projekt gearbeitet hat, weiß wie furchtbar das sein kann. Nicht wegen der netten Kollegen - jedenfalls nicht nur. Schlimmer ist das Dokumentenmanagement: Welche Version des Arbeitsplans war denn nun die aktuellste? Wo sind die Kooperationsvereinbarungen abgelegt? Und wer hat das Protokoll vom letzten Freitag gesehen?

Das sind Fragen, die durch Wikis überflüssig werden (sollen) - Informationen lassen sich innerhalb des Teams oder zwischen unterschiedlichen Arbeitsgruppen ohne großen Aufwand austauschen. Oder besser gesagt: Zur Verfügung stellen. Denn die Irrwege von eMails, die über den jeweiligen Projektstand informieren sollen, kennen Sie sicher auch zu Genüge. Im Wiki lassen sich die Informationen einfach, ohne Hilfe eines Administrators, ablegen und updaten.

Wie immer, ist auch bei den Wikis die Sache letztendlich natürlich nicht so einfach. Zum Beispiel nutzen wir hier für die ECIN-Redaktion auch ein Wiki. Es scheint zumindest bei uns zwei Bedingungen zu geben, die den Erfolg dieses Wikis fördern: Diejenigen, für die„Arbeiten“ hauptsächlich ein anderes Wort für „Schreiben“ ist, freuen sich eher über ein Wiki. Und wenn die Mitglieder der Wiki-Gruppe auch noch räumlich an verschiedenen Orten arbeiten, ist das Wiki schnell als unersetzliches Hilfsmittel etabliert.

Auf der anderen Seite wiegen für die Wiki-Skeptiker zwei Gegenargumente schwer: Schreiben macht für viele mehr Arbeit. Und die Veröffentlichung im Wiki produziert Transparenz.

Das heißt in der Konsequenz: Es geht nicht immer von heute auf morgen. Selbst wenn Sie, wie ich, das bedauern. Wie viele neue Arbeitsmittel sind auch Wikis theoretisch klasse. Praktisch muss man sich erst an sie gewöhnen. Ich bleibe allerdings dabei: Zumindest einen ernsthaften Versuch sollte man wagen, sonst verschenkt man wirklich Chancen.


Quelle:
http://www.ecin.de/blog/node/228