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RFID gerät in Vergessenheit
14.11.2006 | Artikel drucken

Das ist nicht mein letztes Blog zum Thema RFID, aber das Ende ist abzusehen. Die intelligenten Chips werden in unser Alltagsleben derart Einzug halten, dass es am Ende müßig ist, sich jedes Mal vor Augen zu führen, mit welcher Technik wir es zu tun haben.

Auf das Stichwort „vergessen“ bin ich indirekt gekommen. Die RFID-Technologie soll jetzt helfen, Gefährdungspotentiale für Demenzkranke zu senken und gleichzeitig das Pflegepersonal zu entlasten. Pflegeheimbewohner in Sinzig erhalten ein RFID-Armband. Sobald sich ein Bewohner außerhalb des mit vier RFID-Antennen abgesicherten Heimgeländes aufhält, wird das Pflegepersonal über die Telefonanlage alarmiert. Etwaige Bedenken wurden von vornherein durch eine Rechtsauskunft ausgeräumt. Das Armbändchen ist keine elektronische Fessel, der Tatbestand der Freiheitsberaubung liegt somit nicht vor.

Wie gesagt, hier sorgt das nachlassende Erinnerungsvermögen als unerbittlicher Begleiter der alternden Gesellschaft dafür, dass die Verwendung der RFID-Technologie nicht immer präsent ist. Wenn man einem wunderbaren Artikel von Dr. Peter Harrop von IDTechEx folgt, dann gibt es auch noch andere Gründe für das Vergessen. Der Artikel soll eigentlich Werbung sein für die (kostenpflichtige) Sammlung von IDTechEx über 2.300 RFID-Anwendungsfälle in 85 Ländern. Wer diesen Artikel liest, dem schwirrt anschließend der Kopf und die Überzeugung wächst, dass wir in naher Zukunft jeden Tag mit mindestens 20 RFID-Anwendungen in Berührung kommen werden. Niemand kann sich vorstellen, dass wir dann alle 30 Minuten darüber ins Grübeln geraten, ob wir diese Technik wollen oder nicht.

Sicher ist, dass RFID uns von der Wiege bis zur Bare begleitet. Die Sperma-Bank nutzt RFID und am Ende kommt die richtige Urne an den richtigen Platz. In Algerien und Bosnien-Herzegowina passt RFID auf die Post auf und in der Slowakei werden die Autofahrer für die Straßenbenutzung damit zur Kasse gebeten. Rentiere in Lappland sind ein großes Thema und in Japan sorgt RFID für einen möglichst kurzen und kühlen Weg von Sushi. Die Tierkennzeichnung in Thailand trifft natürlich die Hühner, aber es geht nicht nur um die Vogelgrippe, sondern auch um Hahnenkämpfe.

Aus Italien wird über intelligente Bojen berichtet, die den Privilegierten bei der Ankunft in der Marina die geeignete Werbung verpassen. In Australien ist das Tagging von Rennpferden Pflicht, während die Kanadier sich auf Fische konzentrieren.

Ein anderer Kreis der Anwendungen reicht von den Chips beim Roulette in den USA über Waffenscheine in Honduras bis zur Sicherung von Laptops gegen Diebstahl in Brasilien. Eine wirklich schöne Sache ist die Octopus-Card in Hongkong, die nicht nur für freie Fahrt in Bus und Bahn sorgt, sondern inzwischen auch fürs Shopping genutzt werden kann.

Wer Zugang zur Fallsammlung von IDTechEx hat, der kann sich mühelos noch ein paar Mal um den Erdball bloggen. Was am Ende rauskommt, ist, dass es immer schwerer werden wird, einen RFID-freien Flecken zu finden. Es sind aber nicht nur die Pässe, die jetzt für die massenweise Verbreitung sorgen. Der „TREAD Act“ in den USA verordnet jedem neuen Autoreifen eine entsprechende Ausstattung. Ich frage mich nur, wie lange IDTechEx noch die Nerven hat, alles schön säuberlich nachzuhalten.

 

 

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