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Freilandversuch mit RFID
23.01.2007 | Artikel drucken

Die Verbraucherorganisationen sind momentan schwer mit Apples iTunes beschäftigt. Das wäre doch der richtige Moment, um unbemerkt einige RFID-Chips freizulassen, damit man sieht, was man mit ihnen sonst noch so anfangen kann. Im Unterschied zu den genmanipulierten Pflanzen wäre ein solcher Freilandversuch absolut kontrollierbar. Das ist schließlich Sinn und Zweck der RFID-Technologie.

Es ist der Bereich der Textilien, in dem zurzeit eine große Vermehrung der RFID-Chips festzustellen ist. Marks & Spencer wird in diesem Frühjahr in 120 Geschäften den größten Teil der Textilartikel mit RFID ausgestattet haben. Um sich gegen einen Ansturm erzürnter Verbraucherschützer zu wappnen, wurden die Aktivisten von CASPIAN (Consumers Against Supermarket Privacy Invasion and Numbering) vorher konsultiert. Herausgekommen ist dabei, dass die RFID-Tags für jeden sichtbar als „Intelligent Labels“ markiert sind (übrigens nicht als Gefahrgut, wie hierzulande vorgeschlagen). Zusätzlich liegen Broschüren in allen Verkaufsstellen bereit, die mit RFID in Berührung kommen.

Zunächst einmal geht es bei der ganzen Sache natürlich darum, dass ausreichend Ware zum richtigen Zeitpunkt im richtigen Regal liegt. Doch bei einigen ist jetzt die Phantasie angesprungen, was man, wenn die Chips schon einmal da sind, noch damit anfangen kann. Ein Unternehmer aus Süddeutschland hat bereits eine Technologie vorgestellt, mit der der Konsument die Echtheit der Ware überprüfen kann. Diese Lösung ist für die von Markenpiraterie besonders betroffene Textil-, Sport- und Freizeitindustrie von besonderem Interesse. Im Prinzip können die Labels durch den Konsumenten selbst mit einem NFC-fähigen Handy, das Nokia jetzt auf den Markt gebracht hat, ausgelesen werden und von einer angeschlossenen Datenbank werden die entsprechenden Informationen zum Produkt angefordert.

Das ist aber noch nicht das Ende der Fahnenstange. Handfeste Lebenshilfe wird es jetzt für eine Situation geben, in der jeder von uns schon einmal gesteckt hat. Das ist Endstation Umkleidekabine, wenn optimistische Fehleinschätzungen der eigenen Körpermaße uns verleitet haben, zur falschen Hose zu greifen. Da hilft nur eins: Kommando zurück, wieder umziehen und sich auf die Suche nach einer besseren Passform machen. Im günstigsten Fall hat man sich Verstärkung mitgebracht und bittet den netten Partner, die Arbeit des Verkäufers zu übernehmen.

Abhilfe soll jetzt der schon seit längerem bekannte Magicmirror bieten. Das Wunderding war bisher vor allem dazu da, zusätzliche Informationen zum anprobierten Kleidungsstück zu geben, das mittels RFID erkannt wurde.. Jetzt bietet Magicmirror zwei berührungsempfindliche Buttons mit der Bezeichnung „Larger Size“ oder „Smaller Size“. Geschäfte, die sich noch Personal leisten können, müssten dann einen Service bieten können, der einen auch vor peinlichen Kommentaren seines Partners: „Ich hab Dir doch gleich gesagt, dass Du da niemals rein kommst“ schützt.
Magicmirror kann aber auch noch mehr. Es geht um das so genannte „Social-Retailing“. Das funktioniert so. Magic Mirror erstellt ein Foto von meiner Anprobe, das ich per eMail auf ein Handy oder PDA eines Bekannten schicken kann. Die offensichtlich erwünschten Kommentare werden sofort auf dem Spiegel dargestellt. Nebenbei kann der entfernte Befragte das Kleidungsstück auch gleich für sich online erwerben. Mir ist allerdings nicht klar, was passiert, wenn es sich dabei um das letzte vorhandene Stück gehandelt hat.

 

von Jochen Schneider am 24 Januar, 2007 - 10:51

RFID-Tags als Gefahrgut kennzeichnen zu wollen, zeugt in der Tat von hoher Kreativität. Und der neue Magic Mirror verspricht eine ganze Flut von peinlichen Bildern in Internetforen und Fernsehsendungen, so dass die Zukunft derartiger Formate als gesichert gelten kann.

Der angesprochene Freilandversuch hat nach aktuellen Meldungen aber wohl schon stattgefunden: In den USA wurden kanadische Geldmünzen mit integriertem RFID-Chip entdeckt (Quelle: http://futurezone.orf.at/it/stories/163911/). "Experten" verdächtigen gleich mal China, Russland oder Frankreich, diese Münzen hergestellt und in Verkehr gebracht zu haben und rätseln nun, was wohl der Sinn des Ganzen ist, wo sich die Münzen doch so überhaupt nicht zu Spionagezwecken einsetzen lassen. Die naheliegende Vermutung, dass Kanada lediglich Geldfälschern das Handwerk legen will, wird jedoch außer Acht gelassen.

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