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Telekommunikation in Deutschland - ein Beispiel für gesunden Wettbewerb?
01.03.2007 | Artikel drucken

Seit fast zehn Jahren ist der Telekommunikationsmarkt in Deutschland liberalisiert (im Mobilfunk sogar schon 17 Jahren). Nach diesem Zeitraum kann man sich die Frage stellen, ob die Liberalisierung und die Regulierung einen Erfolg darstellen. Immerhin lag das Marktvolumen 2006 mit € 69,1 Mrd. um 2 % über dem Vorjahresniveau.

Der Markt ist auf jeden Fall "bunter" geworden und über 100 Wettbewerber bieten im Wettbewerb zum ehemaligen Monopolisten Deutsche Telekom Telefonie- und Datenkommunikationsdienste an. Erstmals seit der Liberalisierung haben alle Wettbewerber zusammen mit 50,9 % einen höheren Marktanteil als die Deutsche Telekom erzielt! Alle Marktteilnehmer haben 2006 ca. € 6,4 Mrd. in Sachanlagen investiert, etwas mehr als im Vorjahr. Etwa 53 % der Investitionen wurden von der Deutschen Telekom getätigt, also sogar mehr als ihrem Marktanteil entspricht! Ihren Mitarbeiterstamm haben die Wettbewerber der Deutschen Telekom im letzten Jahr um 4 % auf insgesamt 52.500 Personen ausgebaut.

Für den Verbraucher von Vorteil ist die Preisentwicklung, die im letzten Jahr im Durchschnitt um 2,2 % gefallen ist. Wenn man sich die Preisentwicklung in den einzelnen Marktsegmenten anschaut, werden allerdings deutliche Unterschiede offensichtlich. Während die Preise im Mobilfunk um 8,8 % gesunken sind und der Mobilfunk mehr und mehr das Image der teueren Telefonie ablegt, sind die Festnetzpreise nur um 0,1 % gesunken. Zwar sind die Preise im Festnetzbereich in Deutschland schon seit Längerem recht niedrig, aber hier macht sich die nach wie vor dominante Stellung der Deutschen Telekom bemerkbar.

In den jetzt bald zehn Jahren nach der Liberalisierung haben die etwa 100 Wettbewerber gerade mal knapp 14 % der insgesamt 38,5 Mio. Festnetzanschlüsse (Komplettanschlüsse) gewonnen. Für den größten Wettbewerber Arcor sind dies gerade mal 5 % der Teilnehmeranschlüsse! Die Bundesnetzagentur kommuniziert dagegen einen Marktanteil von über 17 % für die Wettbewerber, bezieht sich aber auf die durch Großkunden höhere Anzahl von 45,2 Mio. Telefon-Kanälen. Selbst bei der Komplettübernahme des Anschlusses verbleiben nach Angaben des Wettbewerbsverbandes VATM ca. 50 % der Wertschöpfung aufgrund der Vorprodukte bei der Deutschen Telekom. Beim DSL-Resale liegt dieser Wert sogar bei 84 %! Vor diesem Hintergrund relativieren sich die teilweise hohen Zuwachsraten bei der Gewinnung von Komplettanschlüssen wieder, die nach Angaben der Bundesnetzagentur im letzten Jahr bei fast 88 % lag. Somit hatten die alternativen Wettbewerber 2006 6,2 Mio. Komplettanschlüsse bei 28,3 Mio. Gesamtkunden (nach 3,3 Mio. Komplettanschlüssen von 25,9 Mio. Kunden im Jahr 2005). Es wird daher auch verständlich, warum die Wettbewerber der Deutschen Telekom hartnäckig um eine Senkung des Preises für die Anmietung der Teilnehmeranschlussleitung kämpfen und die Deutsche Telekom genau dies zu verhindern sucht. Angestrebt wird eine Preisreduktion von heute € 10,65 auf einen Wert von unter € 9,00 pro Monat.

Die Preise für Internetdienste sind im letzten Jahr um erfreuliche 4,2 % gesunken und im DSL-Bereich konnten die Wettbewerber der Deutschen Telekom die Anzahl ihrer Anschlüsse (ohne Reseller der Deutschen Telekom) um 83 % auf 4,4 Mio. steigern. Allerdings hat die Deutsche Telekom (zusammen mit ihren Resellern) im gleichen Zeitraum 2,6 Mio. neue DSL-Anschlüsse gewonnen! Auf die alternativen Anschlussnetzbetreiber entfallen 2,0 Mio. Anschlüsse und auf Kabelnetzbetreiber, Powerline- und Satellitenanbieter zusammen gerade 0,7 Mio. DSL-Anschlüsse. So ist das mittlerweile auch im europäischen Vergleich starke Wachstum im DSL-Segment erfreulich, die Wettbewerbsaufteilung aber noch nicht!

Vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung das VDSL-Netz von der Regulierung aus zu nehmen geradezu unverständlich und wirkt letztlich nur schädigend auf den Markt. Während in Deutschland um die Regulierung des VDSL-Netzes gestritten wird, das letztlich auch nur in wenigen "Inseln" verfügbar sein wird, werden nicht nur in Südkorea, sondern auch in Moskau, Amsterdam und anderen Regionen großflächig die Versorgung der Haushalte mit Glasfaseranschlüssen (fiber-to-the-home) vorbereitet bzw. umgesetzt. Hier droht die Gefahr, dass Deutschland im internationalen Bereich abgehängt wird! Um Triple-Play und weitere innovative Breitbanddienste umzusetzen, führt letztlich kein Weg an einer Umsetzung einer fiber-to-the-home Strategie vorbei! Hierbei können auch die derzeit alternativen Breitbandzugänge via UMTS oder WiMAX etwas ändern, die es vielleicht in Zukunft mal auf bis zu 4 MBit/s bringen werden.

Vielleicht wäre es doch sinnvoll, ein zukünftiges Glasfaser-Anschlussnetz mit bis zu 100 MBit/s per Lizenz separat auszuschreiben, sodass die Verbindungsnetzbetreiber und Diensteanbieter frei auf eine moderne Infrastruktur zugreifen können. Leider wird dieser Weg bislang noch nicht konkret verfolgt. Aber sowohl die Politik als auch die Regulierung ist vielleicht doch noch lernfähig! Natürlich bleibt immer noch der Interessenskonflikt der Bundesregierung, der sich durch die gleichzeitige Rolle als wesentlicher Gesellschafter der Deutschen Telekom und als Hüter von Regulierung und Wettbewerb ergibt!

 

 

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