Trends 2008
Mit dem näher rückenden Jahresschluss können wir wieder eine Welle von Prognosen der wichtigsten IT-Trends für das Jahr 2008 erwarten. Gartner nutzte diesmal die letzte ITexpo in Orlando, um auf die wichtigsten strategischen Technologien für das nächste Jahr aufmerksam zu machen.
Strategische Technologien sind nach Gartner solche, die in den nächsten 36 Monaten klare Einflüsse auf das jeweilige Unternehmen haben. Gartner hält sich relativ bedeckt, wenn es um die Frage geht, ob diese Technologie auch zum Einsatz im jeweiligen Unternehmen kommen soll. Entscheidend ist vielmehr, ob sich die CIOs im nächsten Jahr aktiv mit der Frage auseinander setzen, welchen Nutzen diese Technologie für das eigene Unternehmen hat. Für Gartner kann eine verspätete Anpassung an eine strategische Technologie zu einem Problem für das Unternehmen werden - ebenso kann eine bewusste Nichtbeschäftigung eine durchaus richtige Entscheidung sein. In jedem Fall wird man sich die Frage stellen müssen, ob man einen Wettbewerbsnachteil erleidet, wenn der Konkurrent diese Technologie aufgreift.
An erster Stelle der strategischen Technologien für das nächste Jahr nennt Gartner „Green IT“. Nachdem CO2 sich innerhalb weniger Monate zum Schlagwort für eine ganze Reihe von Energieproblemen weltweit durchgesetzt hat, ist zu erwarten, dass auch der enorme Energieverbrauch von Datenzentren eines Tages auf die politische Agenda gesetzt wird. Hiervon sollte man sich nicht überraschen lassen. Mit jahrelangen Übergangsfristen ist nicht zu rechnen, wenn die Politik sich erst einmal auf den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen beim Thema Datenverarbeitung eingeschossen hat.
Konzepte, die hier Abhilfe versprechen, zielen auf die Verteilung der Workloads, um Verbrauchsspitzen zu kappen. Ebenso auf der Agenda ist die Einschränkung der Nutzung von energieineffizienten Servern. Gartner warnt die Unternehmen vor Überraschungen, die sich nach Unglücken, einflussreichen Filmen oder aber infolge von sich ändernden Wahlergebnissen einstellen können.
Die zweite strategische Technologie ist „Unified Communications“. Nachdem erst 20 Prozent der Unternehmen ihre elektronische Kommunikation auf IP umgestellt habe, wird ab dem nächsten Jahr eine große Welle anlaufen, mit der IP sich auch in diesem Bereich schnell durchsetzen wird. Dabei ist es für Unternehmen nicht das entscheidende Problem, dass nunmehr über IP telefoniert wird oder auf andere Wege Messages ausgetauscht werden. Vielmehr geht es darum, dass sensitive Daten, wie beispielsweise Filme aus Handelsfilialen ihren Weg im Unternehmen über die Kommunikationsnetze nehmen. Dies macht es beispielsweise erforderlich, das Sicherheitsmanagement im vollen Umfang auf die Kommunikationsnetze auszudehnen.
Auf der Liste der zehn wichtigsten IT-Trends für das Jahr 2008 folgen weitere, die zum Teil die Entwicklung im Internet aufgreifen. So sollen nach Gartner Mashups mit etwa 80 Prozent zur wichtigsten Form der Anwendung heranwachsen. Die Nutzung der Mashability wird zu der Entwicklung jeder zukünftigen Anwendung gehören. Die Basis sind Mashup-Tools, die es jedem ermöglichen, aus bestehenden Web-Anwendungen neue zu komponieren. Ein weiteres Thema, das uns seit Jahren bewegt, ist die Webplattform. Was dahinter steckt, wurde vor einigen Tagen durch die gemeinsame Ankündigung von IBM und Google zur Förderung des „Cloud-Computing“ deutlich. IBM und Google wollen Hardware, Software und Dienstleistungen im Wert von jeweils 20 bis 25 Millionen Dollar für die Erforschung des Cloud-Computing an Computerwissenschaftler vergeben. Dadurch können auch Universitäten auf größere Rechenleistung zurückgreifen, ohne das eigene Rechenzentrum erweitern zu müssen. Nach einer Anlaufphase sollen später an sechs Universitäten bis zu 4.000 Rechner installiert werden. Für viele Analysten ist klar, dass es sich hier nicht um uneigennützige Förderung handelt. Letztlich geht es um die Rivalität von Google und IBM mit Microsoft, die als Antrieb hinter diesem Forschungsprojekt steht. Auf diese Weise wollen IBM und Google versuchen, dass Online-Geschehen der Zukunft zu beeinflussen, bevor Microsoft seinen Einfluss ausweitet.
Auch zwei weitere Trends verweisen auf die neuen Möglichkeiten, die das Internet den Unternehmen bietet. Unter dem Stichwort „Real World Web“ wird auf die neuen Möglichkeiten verwiesen, die der ubiquitäre Zugang zu Netzen, kombiniert mit den rasch ansteigenden Bandbreiten bietet. Hierbei geht es um den Zugriff auf Informationen in Echtzeit, was in den Branchen von Reisen und Entertainment sowie Handel und Dienstleistungen unmittelbar von Interesse ist.
Abgerundet werden die Perspektiven für 2008 mit dem Blick auf das Thema „Social Software“. Obwohl nach Gartner für das nächste Jahr eine klare Konsolidierung im Markt ansteht, werden Lösungen aus dem Bereich „Social Software“ wie Podcast, Blogs und Wikis weiter Einzug in die Unternehmen halten. Für mich ist es auch gar keine Frage, warum ausgerechnet soziale Netzwerke im Internet Halt vor den Toren der Unternehmen machen sollten. Was immer man unter sozialen Netzwerken versteht – Unternehmen gehören mit Sicherheit dazu.
16.10.2007 | Prof. Monse