Das Problem kennen wir schon lange: Unter den vielen Ergebnissen, die Suchmaschinen uns als Treffer unseren Anfragen präsentieren, sind die wirklich relevanten nur schwer zu finden - wenn überhaupt. Nur zu gern wollen wir in diesen Momenten der Verzweiflung glauben, was uns seit langem versprochen wird: Semantische Suchmaschinen könnten bessere Ergebnisse liefern.
Bislang allerdings konnten wir davon in der Praxis noch nicht (viel) sehen. Experten von Ovum zeigen sich nun aber überzeugt, dass nun die Zeit für semantische Suchmaschinen gekommen ist. Die Übernahme von Powerset durch Microsoft ist für sie ein wichtiger Beleg - zweifellos hat diese Aktion die öffentliche Aufmerksamkeit für das sogenannte „Web 3.0“ gesteigert.
Es geht um hochgesteckte Ziele. Im semantischen Web 3.0 sollen Suchmaschinen beide Seiten besser verstehen können: Was die Suchenden mit ihren Fragen wirklich meinen und was in den unzähligen Internet-Dokumenten wirklich Thema ist. Unter der Voraussetzung, dass das funktioniert, ist das exakte Matching von Anfrage und passenden Ergebnissen wahrscheinlich nur noch eine Kleinigkeit.
Aber vor den Erfolg haben die Götter auch hier den Schweiß gesetzt. Verständnis ist eine schwierige Sache, semantische Suchen setzen auf den Kontext. Sie müssen die Logik der einzelnen Sätze „begreifen“ und die Beziehungen zwischen den einzelnen Worten erkennen. Nehmen wir das schöne Beispiel „Bank“: Semantische Suchmaschinen erschließen die unterschiedliche Bedeutung in den Sätzen „Ich sitze auf einer hölzernen Bank im Grünen“ und „Ich gehe zur Bank, um mich mit Bargeld zu versorgen“.
Sie erinnern sich daran, dass Sie schon vor vielen Jahren von ähnlichen Beispielen gehört haben? Ich auch. Und das könnte ein großes Problem für die unbenommen interessanten Unternehmen sein, die mit frischem Wind das Web 3.0 voranbringen wollen. Expert System, Powerset, Yedda, Trovix und Hakia werden von den Ovum Analysten erwähnt. Stehen sie möglicherweise nicht nur vor den großen Verständnisproblemen? Sie müssen auch Menschen von ihren Vorzügen überzeugen, die sich seit Jahren mehr oder weniger mit den Unzulänglichkeiten von Google u.a. arrangiert haben.
Ständige wiederkehrende Routinen und alte Gewohnheiten lassen sich bekanntlich nicht von heute auf morgen ändern. Und wie mir, wird es sicher auch vielen von Ihnen gehen: Ich denke gar nicht daran, in das Suchfeld von Google einen vollständigen Satz einzugeben. Ich bin konditioniert darauf, mich mit den wichtigsten Schlüsselbegriffen an die besten Treffer heranzutasten. Natürlich benutze ich keine Adjektive, Pronomen oder anderes überflüssiges Beiwerk. Ich gebe ein „Preis UMTS iPhone“ und nicht „Was kostet ein IPhone, mit dem ich auch UMTS-Netze zur Datenübertragung nutzen kann?“
Klar, das habe ich jetzt ein wenig übertrieben. Aber nur für einen guten Zweck: Ich bin fest davon überzeugt, dass die vielen luziden und engagierten Menschen, die versuchen, uns demnächst mit bessern Suchergebnissen das Leben zu erleichtern, immer wieder daran denken sollten, dass sie das Rad nicht zurückdrehen können. Wir haben in den vergangenen Jahren einiges gelernt, wenn es darum geht, mit unzulänglichen Werkzeugen dennoch immer schneller ans Ziel zu kommen. Ein bisschen Bescheidenheit würde meiner Meinung nach denen gut tun, die semantische Applikationen entwickeln: Wir Nutzer wollen gar nicht, dass Sie uns die ganze Welt erklären. Bescheidenheit ist aber sicher auch angesagt, wenn es um die Erwartungen geht. Wirklich DAS EINZIGE UNÜBERTREFFLICHE Ergebnis zu erwarten, wäre zuviel verlangt.
Ich schlage vor: Machen wir kleine Fortschritte. Ein bisschen mehr Verständnis hier oder da, ein wenig relevantere Ergebnislisten, damit wäre mir schon viel geholfen. Der große Durchbruch hat dann Zeit bis … 2009.

