Googles Android in jede Tasche?
Auch Google werden manchmal Fragen gestellt, die nicht einfach zu beantworten sind. Diesmal ging es um den Widerspruch, dass Google Android als offene Plattform behandelt und gleichzeitig T-Mobile erlaubt wird, den Verkauf des ersten Android-Gerätes „G1“ zu kontrollieren. Laut Google handelt es sich hier um ein Vorgehen, an das die Mobilfunkkunden gewöhnt sind.
Die Carrier geben einen Preisnachlass, um das Gerät für die Konsumenten billiger zu machen. Umgekehrt existiert ein Vertrag, der die Kosten des Carriers ausgleicht. Rich Miner, Googles General Manager der mobilen Plattform, stieg bei der Beantwortung noch etwas tiefer ein. Er stellte klar, dass Google vor allem im Informationsgeschäft ist und nicht ein Telefonhersteller. Googles Aufgabe sei es, alle Informationen der Welt zu organisieren und sie universell zugänglich und nützlich zu machen. Unter dieser Zielsetzung komme es darauf an, Android-Geräte in so viele Konsumentenhände zu bringen wie möglich. Damit werden Millionen zusätzliche Nutzer mit den Google-Anwendungen bekannt gemacht. Für mich ist ganz klar, dass Google so seine führende Rolle bei der Internetsuche ausbauen und die Nutzung der cloud-basierten Anwendung vorantreiben will. Google hat hier mächtigen Rückenwind, da immer mehr Internetnutzer ihr Mobilfunkgerät als primären Zugang zum Internet sehen.
Eine Einschränkung muss man allerdings machen. Google ist nicht allein auf der Welt. Die Leistungsfähigkeit zum Beispiel von Apples iPhone 3G oder des BlackBerry Bold ist beachtlich. Die genannten Geräte werden immer smarter und die Arbeit, die sie im Web oder „in the cloud“ verrichten können, wächst sehr schnell. Das Ergebnis einer Umfrage von IBM überrascht nicht: Die Hälfte der Befragten waren willig ihren PC gegen ein Smart Phone für den Zugang zum Internet einzutauschen.
Bei den genannten Smart Phones haben wir es einschließlich mit G1 von Google mit „Handheld Internet Devices“ zu tun. Der Begriff, der für diese Art von Geräten im Umlauf ist, ist Netbook. Dieser Begriff macht Sinn und verbreitet sich im Augenblick sehr schnell. Es ist allerdings klar, dass bestimmte Nutzergruppen mit der geringen „Processing Power“, die diese Geräte zur Verfügung stellen, nicht auskommen. Auch das Alter der Nutzer kann eine wichtige Barriere sein. Alle diese Geräte sind relativ klein und die Begeisterung der älteren Bevölkerung hält sich naturgemäß in Grenzen.
Es gibt aber nicht nur Barrieren, sondern auch ungenutzte Potentiale. Das ist in den USA genauso wie in Europa und wird mit dem Begriff „digitale Dividende“ gekennzeichnet. Gemeint ist das Übertragungsspektrum, das für den Rundfunk geblockt ist und dort aber zu einem großen Teil nicht mehr benötigt wird. Wenn dieses Spektrum für das nationale mobile Breitbandinternet freigegeben wird, dann ist das Web wirklich überall und jedes Gerät, mit dem man das Internet nutzen kann, würde noch wesentlich smarter werden.
29.10.2008 | Prof. Monse