Wachstum in Zeiten der Krise
Ein Ausblick auf das kommende Weihnachtsgeschäft ist nicht einfach. Wenn wir die USA in den Fokus nehmen, dann würden sich alle freuen, wenigstens eine schwarze Null als Ergebnis zu sehen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sich häufig rote Zahlen zeigen werden. Ganz anders die Prognosen für eCommerce.
Hier stehen die Zeichen ganz klar auf Wachstum. Die Voraussage ist, dass das Weihnachtsgeschäft in den USA circa 32 Milliarden US-Dollar ausmachen wird. Gegenüber 2007 ist das ein Wachstum von leicht über zehn Prozent. Allerdings will keiner so richtig froh darüber werden, da die Wachstumsrate sich gegenüber den letzten Jahren glatt halbiert hat.
Eigentlich könnte man sich an den Kopf fassen. Zehn Prozent Wachstum in diesen Zeiten ist ein Ergebnis, über das man sich noch freuen kann. Beim eCommerce ist das allerdings etwas anders. Gemessen am Einzelhandelsumsatz bewegen wir uns auch in den USA noch im einstelligen Bereich. Daran ändert sich auch nichts, wenn in diesem Jahr erstmal der größte Anteil der Internetnutzer seine Weihnachtseinkäufe auch tatsächlich im Internet macht und es ist damit das erste Jahr, in dem die Anzahl der Online-Käufer im Weihnachtsgeschäft diejenigen überrundet hat, die vor allem im normalen Geschäft einkaufen. Diesen großen Umschwung kann man ohne Rückgriff auf die wirtschaftliche Krise gar nicht erklären. Es sieht so aus, dass in diesem Jahr der Anstieg des eCommerce so groß ist, weil die Kunden nicht nur Benzinkosten sparen wollen, sondern auch die Vorteile von Angeboten ohne Versandkostengebühren in Anspruch nehmen wollen. Dies gilt auch für die besser Betuchten. Sie sind inzwischen genauso auf der Jagd nach Schnäppchen wie andere Konsumenten.
Soweit die Argumentation auf der Basis der Durchschnittswerte. Wie immer ist es jedoch so, dass diese Werte zustande kommen, indem die geschäftlichen Ergebnisse von Gewinnern und Verlierern in einen Topf geworfen werden. Es gibt noch eine ganze Reihe von Erfolgsfaktoren, deren Realisierung dazu führt, dass sich die entsprechenden Unternehmen durchaus vom allgemeinen, eher moderaten Trend lösen können. Entscheidend ist hierbei, dass die Anbieter die Erwartungen der Konsumenten auch wirklich treffen. Diese haben sich im Laufe der letzten Jahre sehr geändert. Inzwischen erwarten fast 70 Prozent der Konsumenten, dass die Anbieter auch wirklich Gebrauch von der ständig sich verbessernden Technologie machen. 46 Prozent der Konsumenten sehen genau wie viel Werbung die Anbieter für ihre eigene Seite machen. Im Gegenzug erwarten sie, dass gerade von diesen Unternehmen mehr Investitionen vorgenommen werden. Hierzu zählt für 41 Prozent der Konsumenten, dass die Möglichkeiten des Breitbandes besser genutzt werden und knapp 30 Prozent wünschen sich Online-Geschäfte, die genauso innovativ wie Google oder Facebook sind.
Allerdings sollten wir uns keine großen Sorgen machen, dass die überwältigende Zahl der eCommerce Anbieter nicht weiß, was die Konsumenten wünschen. Insbesondere die positive Reaktion auf Erwartungen, die mit der Entwicklung von Social Networks und Blogs zu tun haben, steht ganz im Mittelpunkt. Insgesamt ist die Lücke zwischen den Konsumentenerwartungen und dem, was die Anbieter planen, nicht zu groß. Es ist also genug Spielraum vorhanden, sich von den eher moderaten Prognosen für das Weihnachtsgeschäft nach oben abzusetzen.
03.11.2008 | Prof. Monse