WiMAX war zum Zeitpunkt der Lizenzvergabe Ende 2006 eine wichtige Rolle beim Breitband-Ausbau im ländlichen Raum zugedacht worden. Als Alternative zu Leitungs-gebundenen Breitbandanschlüssen verspricht WiMAX als standardisierte Funklösung immerhin eine schnelle und kostengünstige Erschließung von unversorgten Regionen. Bislang bleibt es aber eher bei einer Nischenrolle.
Die anderen Technologien entwickeln sich weiter, über das Fernseh-Kabelnetz werden bis zu 32 MBit/s für einen schnellen Breitbandanschluss angeboten, DSL ist in vielen Regionen mittlerweile mit 16 MBit/s verfügbar. Das schnelle VDSL-Netz mit bis zu 50 MBit/s ist zwar derzeit nur in Ballungsgebieten und nur für Privatkunden verfügbar, aber das Angebot zeigt die Richtung für den weiteren Netzausbau. Selbst im Mobilfunk sind mittlerweile mit HSDPA auch bereits bis zu 7,2 MBit/s zu erreichen – allerdings aufgrund der erforderlichen höheren Dichte an Sendestationen auch nur in Ballungsgebieten.
Mit durchschnittlich 2 und maximalen 4 MBit/s liegt WiMAX eher im unteren Bandbreiten-Bereich. Allerdings ist dies immer noch deutlich mehr als heute in manchen Kleinstädten verfügbar ist. Für „normale“ Webanwendungen wie eMail, Homebanking und Recherchen reicht dies bei weitem aus. Erst bei professionellen Anforderungen, z.B. bei Werbeagenturen, Ingenieurbüros, Architekten etc. oder bei intensivem Video-Download ist diese Bandbreite zu niedrig und vor allem die Netzkapazität schnell ausgeschöpft. Inwieweit sich die Mobilität des WiMAX-Anschlusses nutzen lässt, um Bedürfnisse einzelner Zielgruppen zu bedienen, bleibt nach wie vor ab zu warten.
Die Existenzberechtigung von WiMAX ist damit nach wie vor gegeben. Allerdings ist es recht ruhig um die Anbieter geworden. Die lange fehlende Infrastruktur nach dem mobilen WiMAX-Standard trägt sicher einen Teil hierzu bei. Vermutlich hat auch die schwierige Finanzierung von Telekommunikations-Vorhaben die Entwicklung gebremst.
In Verbindung mit anderen Zugangs-Technologien kann WiMAX auch weiterhin eine Rolle bei der Erschließung ländlicher Regionen haben (z.B. zur Versorgung von dünn besiedelten und mit Glasfaser schwer ausbaubaren Regionen. Hierbei kann WiMAX eine Position zwischen der Versorgung per Satellit (für Einzelgehöfte) und dem Ausbau mit Glasfaser in dichter besiedelten Regionen einnehmen. Da die Funk-Netze in der Regel schneller aufgebaut werden können als leitungsgebundene Netze (insbesondere in überbauten Flächen), bietet sich WiMAX als Übergangslösung an, wenn Glasfaser-basierte Netze erst geplant sind und über einen Zeitraum von mehreren Jahren hinweg aufgebaut werden.
Obwohl bereits eine Reihe von Kommunen erfolgreich mit WiMAX-Netzen ausgebaut wurde, wird WiMAX wohl mittelfristig eher ein Nischenprodukt bleiben. Mit großzügig geschätzten 100.000 – 200.000 WiMAX-Anschlüssen beträgt der derzeitige Marktanteil gerade mal 0,5 bis 1 Prozent der Breitbandanschlüsse und er wird vermutlich auch beim weiteren Wachstum des Breitbandmarktes kaum mehr als 5 Prozent Marktanteil an allen Breitbandanschlüssen erreichen. Dagegen liegt die DSL-Technologie mit ca. 96 Prozent deutlich in Führung. In anderen Markt-Regionen außerhalb Deutschlands kann dies nach wie vor anders aussehen. Länder mit schlechter Netzinfrastruktur und schwacher DSL-Durchdringung bieten grundsätzlich gute Voraussetzungen für den Betrieb von WiMAX-Netzen. Trotzdem sollte jede bislang nur schmalbandig angebundene Kommune prüfen, ob WiMAX eine geeignete und wirtschaftliche Alternative für die kurz- oder längerfristige Breitbandversorgung ist.
Dr. rer. nat. Jürgen Kaack
Managing Director
Steinbeis Transferzentrum Integrierte Unternehmensführung
eMail: kaack@stz-consulting.de
http://www.stz-consulting.de

