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Krise und Telekommunikation (I)

Journalisten, Analysten und Blogger leisten sich bei der Beantwortung der Frage, welche Sektoren der Telekommunikation besonders von der Krise betroffen werden, zurzeit einen enormen Wettlauf. Darüber, dass die Telkos unter ziemlichen Druck stehen, besteht eigentlich Einigkeit.


 

Die Schuldenberge, die diese Unternehmen auf sich geladen haben, wiegen einfach zu schwer, um auf schwieriger werdenden Wegen nicht zu einer enormen Last zu werden. Es sind aber nicht nur die großen Unternehmen, sondern auch die kleinen, die sich jetzt ganz enorm zurückhalten, wenn es um Investitionen in moderne Zugangsnetze geht. Die Unternehmen werden insgesamt viel mehr Disziplin an den Tag legen, wenn es um Investitionen in innovative Technologien geht.

Die Entwicklung auf dem Telekommunikationsmarkt ist seit vielen Jahren außerordentlich schwer zu prognostizieren. Es sind im Wesentlichen zwei Gründe, die hierfür ausschlaggebend sind. Die hohen Schuldenlasten haben die Freude gesenkt, mit der Investitionen in Innovationen, insbesondere innovative Infrastrukturen getätigt werden. Trotz vieler Innovationen kommt es immer wieder zu Saturierungseffekten auf Teilmärkten, die nicht schnell genug durch neue Produkte und Dienste beseitigt werden können. Beide Gründe sprechen dafür, dass die Technology Roadmaps der Telkos außerordentlich empfindlich gegenüber Änderungen in der ökonomischen Großwetterlage sind.

Das Broadband World Forum Europe 2008 im Oktober in Brüssel zeigte einen klaren Trendwechsel, der so nicht erwartet worden war. Dieser Trendwechsel lässt sich so auf den Punkt bringen. VDSL2 ist plötzlich wieder populärer als FTTH (Fiber to the Home). Es besteht überhaupt kein Zweifel darüber, dass die Investitionen in FTTH und GPON (Gigabit Passive Optical Network) zurzeit nicht mehr so wachsen, wie das vor kurzem noch der Fall war. Auch diejenigen, die weiterhin in NGA (Next Generation Access) investieren, haben es jetzt sehr schwer, Kredite für diese Rollouts zu finden. Was sich abzeichnet ist, dass VDSL eine Backup-Strategie für weniger profitable Regionen ist. Sie wird in Anspruch genommen werden, wenn die Budgets nicht mehr ausreichen, um mit FTTH soviel Nutzer zu erreichen, wie dies ursprünglich beabsichtigt war.

Einen Kopf machen sich die Technikanbieter, aber auch die Telkos, hinsichtlich der weiteren Interpretation nicht. Während es im letzten Jahr noch weitgehend unwidersprochen blieb, dass in nicht allzu ferner Zukunft ein Haushalt Probleme mit seinem Breitbandzugang bekommt, falls der unter 100 Megabit pro Sekunde liegt, so wurde jetzt festgehalten, dass 20 bis 50 Megabit genug für einen Durchschnittshaushalt seien. Gegenüber dem, was deutsche Haushalte im Augenblick an Breitband zur Verfügung haben, kann man das natürlich nicht als Kehrtwende oder Rückschritt bezeichnen. Erstaunlich auf der Konferenz war jedoch, dass Kenneth Ducatel, immerhin Kabinettsmitglied von Frau Reding, öffentlich feststellen musste, dass auch in Japan viele mit ein bis drei Megabit pro Sekunde äußerst glücklich sind.

Immerhin war man sich in Brüssel einig, dass die Investitionspläne in FTTH sicher in vielen Fällen zurückgestellt werden müssen. Die Alternative dazu kann aber nur VDSL oder VDSL2 sein. Für die meisten war es ganz klar, dass ADSL2+ nicht ausreicht, um den Nutzern mehr als die Basics für HDTV zur Verfügung zu stellen. Was allerdings beruhigend ist, dass diese technologische Vollbremsung nicht den Verkehr auf der Innovationsstrecke zum Erliegen bringen wird. Es sind noch immer genug Unternehmen da, die trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation, mit Blick auf spätere und bessere Aussichten an ihren Investitionen in innovative Technologie festhalten wollen.

12.11.2008 | Prof. Monse