Krise und Telekommunikation (II): auch Mobile betroffen
Man muss sich nicht nur auf Reuters verlassen, um für das nächste Jahr einen Rückgang im Mobilfunkgeschäft zu erwarten. Auch die Expertenschar tendiert in die Richtung von Reuters. Antworten von 22 Analysten ergaben ein weltweites Wachstum bei Mobile für das vierte Quartal, aber auch für 2009 insgesamt, von drei Prozent.
Verglichen mit den Wachstumszahlen der letzten Jahre, die immer deutlich über zehn Prozent lagen, ist das nicht mehr besonders viel. Inzwischen sind es immerhin schon acht Analysten, die für den gleichen Zeitraum einen Rückgang des Marktes erwarten. Vor vier Wochen war es erst einer, der sich mit einer solchen Aussage nach vorne wagte.
Ohne zu übertreiben, wird man jetzt sagen können, dass die Krise einen der wichtigsten Wachstumsmärkte bei den Informations- und Kommunikationstechnologien getroffen hat. Der Markt für Mobilfunkgeräte lag zuletzt bei 190 Milliarden US-Dollar. Mit der bekannten Ausnahme von 2001 gab es bis hierhin nur einen ständigen Anstieg. Die Unternehmen wurden von der ganzen Entwicklung allerdings nicht völlig unvorbereitet getroffen. Beispielsweise haben die Hersteller schon seit Monaten hart darauf geachtet, dass sich keine übergroßen Lager aufbauen. Vergleichbares gilt für die Händler, die allein schon durch die Kreditklemme daran gehindert wurden.
Der Ausblick auf das nächste Jahr ist absolut verhalten. Qualcomm, die die Chips für die mobilen Geräte herstellen, waren nicht in der Lage für das laufende Quartal und das nächste Jahr einen enthusiastischen Ausblick zu liefern. Paul Jacobs, der CEO von Qualcomm, ist davon überzeugt, dass die Kreditkrise und die wirtschaftliche Unsicherheit dazu führen werden, dass sich der Mobilfunkmarkt in 2009 wesentlich langsamer entwickelt als früher erwartet. Für die ersten beiden Quartale des nächsten Jahres erwartet er eine klare Kaufzurückhaltung der Konsumenten.
Die spannende Frage ist jetzt, ob wir es mit einem schärferen Einbruch zu tun haben, als dies in 2001 der Fall war. Hier muss man ganz klar sehen, dass die enorme Penetration mit Mobilfunkgeräten und die damit im Zusammenhang stehende Marktsättigung eine neue Lage am Markt geschaffen haben. Damit entfällt die Nachfrage derjenigen, die bisher überhaupt noch kein Mobilfunkgerät gehabt haben. Voraussichtlich bedeutet das auch, dass der negative Trend das volle nächste Jahr andauern wird. Mich wundert es überhaupt nicht, wenn erwartet wird, dass die aktuelle Marktschwäche die von 2001 bei weitem übersteigen wird.
20.11.2008 | Prof. Monse