NGN – Geht’s auch einfacher?
NGN, Next Generation Networks, ist das Stichwort, über das sich die Experten-Gemüter seit Jahren auf den einschlägigen Konferenzen erhitzen, wenn es um die Zukunft der Telekommunikation geht. Allerdings ist die Anzahl der Experten nicht unerheblich, die daran zweifeln, ob bei den Privatkunden und Unternehmen die Themen und die damit verbundenen technischen und rechtlichen Unsicherheiten überhaupt schon angekommen sind.
Vorherrschend ist die Meinung, dass das Thema für viele Unternehmen noch gar nicht greifbar und zu weit weg ist. Diese Einstellung kann allerdings gefährlich sein, da sowohl die Deutsche Telekom als auch ihre Wettbewerber bis 2010, spätestens aber 2012, vollständig auf die neue IP-Technik umgestellt haben wollen. Planung, Bau und Wartung der IP-Netze ist um so vieles preiswerter, dass sich dieser Trend ohnehin nicht aufhalten lässt.
Das Bedrohungspotential für den Endnutzer besteht im Wesentlichen darin, dass alle Dienste mit ihrer Performance und Verfügbarkeit an dem einen IP-Netz hängen. Die Gefahr, dass Telefon, Internet und TV-Angebot an einem Triple-Play-Anschluss schlagartig ausfallen, ist beträchtlich gestiegen. Hier wird man nur durch die Separierung der Netze für bestimmte Zwecke beziehungsweise Dienste gegensteuern können. Die grundsätzliche Trennung von Netz und Diensten bei NGN hat für die Kunden Vor- und Nachteile. Zu den Vorteilen zählt, dass sich die Kunden ihre Dienste künftig nach Bedarf selbst frei wählen können.
Wer die Wahl hat, hat natürlich auch die Qual. Die Qual äußert sich in diesem Fall darin, dass sich die Frage, ob die Leistung des Providers letztlich auch dem Unternehmensbedarf entspricht, vom Dienstleistungsbetrag abhängig ist, der die Zurverfügungstellung der Dienste und alles weitere regelt. Hier wird es in Zukunft darauf ankommen, sich intensiver mit dem Kleingedruckten zu beschäftigen. Die Liste der Fragen, die hier zu klären sind, ist nicht besonders kurz. Ich muss wissen, welche Bandbreite ich benötige und was mir der Provider effektiv zur Verfügung stellt. Welche Protokolle, welche Dienste und welche Rufnummer werden am Anschluss unterstützt. Und ganz zentral geht es um die Frage, ob mein Firmen-LAN an dem Anschluss weiter vor externen Zugriffen geschützt ist? Und insbesondere der, der sich gegen spätere Auseinandersetzungen wappnen will, wird frühzeitig klären, wie es in der Fragen der Servicequalität und der Service Level Agreements bestellt ist.
Insgesamt sieht es wohl so aus, dass Provider und Carrier beim Thema NGN Tempo machen. Für die zukünftigen Anwender dürfte es allerdings wichtiger sein, dass einige ihrer zentralen Fragen rechtzeitig und zufriedenstellend beantwortet werden.
25.11.2008 | Prof. Monse