Nach Presseverlautbarungen wird die Deutsche Telekom ihr VDSL-Netz für schnellen Internetzugang mit bis zu 50 MBit/s ab der CeBIT 2009 für Wettbewerber öffnen und hierzu Preise bekannt geben. In den letzten drei Jahren hat die Telekom den Wettbewerbern kein Vorprodukt anbieten wollen und VDSL als Monopol-Produkt behandelt.
Der Schritt zu einer Öffnung für den Wettbewerb sollte zu einer schnelleren Verbreitung von Breitband in Deutschland beitragen. Einige Wettbewerber haben offensichtlich ein konkretes Interesse in den bereits 50 ausgebauten Regionen mit zu vermarkten. In zwölf weiteren Regionen wird über einen Ausbau in Kooperationen verhandelt. Mit dem Verzicht auf das Monopol könnte auch die Kopplung des schnellen Internets an das Internet-Fernsehen („Entertain“) entfallen. Bislang wurde der schnelle VDSL-Anschluss nur als Triple-Play Lösung (Telefonie, Internet, Fernsehen) angeboten. Die hohe Durchdringung mit Kabelfernsehen-Anschlüssen hat wohl bislang einen schnelleren Erfolg von VDSL verhindert.
VDSL mit 50 MBit/s als Double-Play Lösung für Telefonie und Internet ist ein attraktives Angebot für den steigenden Breitbandbedarf in Deutschland. Es bleibt zu hoffen, dass die Preise für die VDSL-Vorprodukte für die Wettbewerber so gestaltet sind, dass diese das Angebot nutzen und die Bundesnetzagentur als Regulierer nicht aktiv werden muss. Mit dem partnerschaftlichen Ansatz, der in der Telekommunikations-Branche bislang zuwenig genutzt wird, kann dann schnelles Internet in Regionen außerhalb der bislang ausgebauten Ballungsgebiete vordringen. Im Hinblick auf die Gefahren einer digitalen Spaltung zwischen Ballungsgebieten und ländlichem Raum kann eine solche Entwicklung positiv stimmen. Es ist allerdings nicht zu erwarten, dass auch bei einem partnerschaftlichen Ausbau VDSL in Kürze im ländlichen Raum verfügbar sein wird, da zur Erzielung einer schnellen Wirtschaftlichkeit eine Mindest-Bevölkerungsdichte erforderlich ist.
Grundsätzlich dürfte sich die Entscheidung auch positiv auf die Wirtschaftlichkeit der Deutschen Telekom auswirken. In einer Studie des Branchenverbandes VATM wurde festgestellt, dass ca. 50 % des Umsatzes eines Wettbewerbers, der das DSL-Vorprodukt der Deutschen Telekom vermarktet, der Deutschen Telekom zufließen. Dabei bleiben die Kosten für die Kundengewinnung, Kundenbetreuung und das Forderungsausfallrisiko ausschließlich bei dem Wettbewerber. Bei VDSL wird dies vermutlich nicht anders aussehen.
Generell ist der Schritt zur Öffnung des VDSL-Netzes aus Marktsicht positiv zu bewerten. Das Technologie-Angebot für den Breitbandausbau steigt auf diesem Wege weiter neben den bisher verfügbaren Technologien DSL, dem Kabelfernseh-Netz und Funklösungen wie WiMAX und WiFi. Ohne die Initiative der Deutschen Telekom wäre das Monopol vermutlich durch die Brüsseler Wettbewerbshüter oder die Bundesnetzagentur beendet worden. Zudem wird durch diesen Schritt der Kooperationsansatz im TK-Markt gestärkt!

