Obwohl es noch viele Unsicherheiten gibt, steht eines fest: LTE, die lang erwartete vierte Mobilfunkgeneration, kommt – allein schon wegen der zu erwartenden, immer höheren Datenraten im mobilen Internet. Für Netzbetreiber und Kunden brechen mit der Technologie vielleicht völlig neue Zeiten an.
LTE oder „Long Term Evolution“: Was sich hinter dieser banalen Phrase verbirgt, könnte die Telekommunikationsstruktur weltweit revolutionieren. Theoretisch kann der neue Standard Geschwindigkeiten bis zu 300 Mbps im Downlink und bis zu 75 Mbps im Uplink erzeugen – dreimal schneller als VDSL.
Schon vor der prognostizierten offiziellen Markteinführung in 2010 werden allerorten Gerüchte über die ersten LTE-Geräte und die künftigen Anwendungsmöglichkeiten laut: So hat angeblich LG in den USA die Betriebserlaubnis für das erste LTE-fähige Handy bekommen; dort pushen Verizon und AT&T in Zusammenarbeit mit anderen Mobilfunkprovidern seit einiger Zeit massiv den neuen Standard. WiMAX, dem Konkurrenzprodukt zu LTE, werden in letzter Zeit deutlich geringere Marktchancen eingeräumt. Das Verfahren aus der Familie der 802-Standards, zu der mit 802.11 auch WLan gehört, leidet vor allem durch die mangelnde Unterstützung der Mobilfunkbetreiber.
Diese wittern durch LTE ein noch größeres Geschäft als bisher landläufig angenommen: So sehen manche Pläne eine umfassende Revolution der bisherigen Mobilfunk- und Festnetzinfrastruktur vor. LTE wird vorrausichtlich Mobile-TV Standards wie DVB-H oder den Qualcomm-Standard MediaFlo überflüssig machen. Weitergehende Pläne rechnen mit einer Ablösung von WLAN-Routern, DSL-Modems und DECT-Telefonen durch LTE-fähige „Universalgeräte“; die Kommunikation des ganzen Haushalts könnte so über ein Gerät betrieben werden. Möglicherweise könnten diese „Universalgeräte“ ihrerseits auch als LTE-Signalverstärker zur Verbesserung der Netzqualität funktionieren; das Einsparpotential bei der Mobilfunk-Infrastruktur wäre enorm.
In Deutschland wurde durch Ericsson und Vodafone bereits auf der diesjährigen CeBIT eine LTE-Präsentation vorgeführt; es wurde gezeigt wie mit bis zu 500 Megabyte äußerst datenintensive Computertomografie-Aufnahmen in sekundenschnelle übertragen wurden. Die verwendeten Geräte sind allerdings nicht für den Markt bestimmt; die ersten LTE-Telefone sollen vor Anfang 2010 nicht auf den Markt kommen.

