Rettungsboot Internet
Nahezu alle Industriezweige, Werbemedien und Dienstleister stemmen sich derzeit gegen den Krisensturm und versuchen, die letzten funktionierenden Geschäftsbereiche festzuzurren. Nur im Internet weht ein eher laues Lüftchen: Speziell die Online-Werbung hat derzeit wenig Wachstumssorgen.
Während Print und Fernsehen straucheln, sieht es für die Online-Werbung nach wie vor ziemlich gut aus: Zahlen der European Interactive Advertising Association zufolge planen 70 Prozent aller Online-Marketer Etaterhöhungen im Online-Bereich, immer mehr Werbefachleute nehmen das Internet als essentiellen Werbekanal wahr. Vieles von dem, was Werbung sonst so teuer macht, fällt hier weg: Eine Adwords-Kampagne kann von einer Person erstellt werden, komplizierte Verträge mit Außenwerbern, Verlagen oder Fernsehsendern fallen weg. Die hohe Berechenbarkeit der Online-Werbung lässt zudem bessere Effektivitätsmessungen zu – jede Anzeige kann theoretisch auf ihren Wirkungsgrad überprüft werden.
Auch im ansonsten so gebeutelten Finanzsektor findet eine Online-Verschiebung statt: Der Kunde wird mündiger und informiert sich selbst – wohl auch, weil das Vertrauen in die Bankberater gesunken ist. Online-Verträge zu Geldanlagen, Aktien, Wertpapieren, Krediten oder Fonds werden immer häufiger geschlossen; oft entfallen hier die Provisionen. Die Zielgruppe im Online-Finanzsektor ist 30 bis 49 Jahre alt, überwiegend männlich und vor allem gutverdienend.
Die Wirtschaftswelt ist in einem Migrationsprozess: In einer durch das Marktforschungsunternehmen Millward Brown publizierten Liste der 100 teuersten Marken der Welt führt klar und mit deutlichem Abstand ein Online-Konzern: Google hat derzeit einen Markenwert von etwa 100 Milliarden US-Dollar. Microsoft folgt auf Platz zwei. Nahezu alle Automarken mussten zweistellige Einbußen hinnehmen, Chevrolet verlor 60 Prozent seines Markenwertes, Ford 46 Prozent, BMW 15 und Volkswagen 18 Prozent. Die Deutsche Bank, 2008 noch auf Platz 42, schaffte es nicht mehr unter die Top-100.
Natürlich: Einstecken muss auch die Online-Werbung. Das durch Zenith Optimedia prognostizierte weltweites Wachstum von 8,6 Prozent für 2009 ist unzweifelhaft geringer als die 20,9 Prozent von 2008: Dennoch sind 8,6 Prozent ein Wachstum, von dem andere Branchen nur träumen können.
30.04.2009