Unaufhaltsames Gezwitscher
Vögel und Internetnutzer haben zwei Dinge gemeinsam: Landesgrenzen und politische Systeme sind für sie irrelevant – und beide können "zwitschern". Twitter wird mehr und mehr zum globalen Kommunikationsmedium, findet verstärkt Nachahmer und sorgt sogar für Unternehmensgewinne.
Nirgendwo wird die Grenzenlosigkeit des Internets so deutlich wie derzeit in Krisengebieten: Über alle Zensurversuche hinweg gelangen Blognachrichten, Amateurvideos und eben Twitter-Tweets in die ganze Welt. Die ohnehin schon schnelle Kommunikation des 21. Jahrhunderts hat sich noch einmal beschleunigt, Echtzeit ist das Gebot der Stunde. Viele möchten von der riesigen Informationsvielfalt profitieren - wie, weiß man noch nicht so recht.
Zunächst ergibt sich ein Problem: Je mehr Menschen microbloggen, desto unübersichtlicher wird es. Verschiedene Unternehmen haben sich daher bereits aufgemacht, das Informationschaos des zwitschernden Urwaldes zu ordnen. Allen voran möchte Google mitmischen. Ein Tool, das sich an die bereits existierende Blogsuche anlehnt, ist in Vorbereitung - es hapert aber noch am Suchindex. Ebenso hat es sich ein ehemaliger Microsoft-Manager mit seinem neuen Dienst "CrowdEye" zur Aufgabe gemacht, das Microblogging-Universum im Auge zu behalten. Ähnliches versucht das Web 2.0-Portal tinker.com.
Als ziemlich kompliziert zu handhaben, erweist sich derzeit noch die langfristige Notwendigkeit, mit Twitter irgendwann einmal Geld zu verdienen. Verschiedene Vorstöße großer und kleiner Unternehmen ins Twitter-Universum gibt es bereits, eine klare Marketingstrategie der Betreiber lässt sich aber noch kaum erkennen. So hat Dell eigenen Angaben zufolge in den vergangenen zwei Jahren über den Microblogging-Dienst mehr als drei Millionen US-Dollar erwirtschaftet; zusätzliche Einnahmen in gleicher Höhe seien durch gezielt lancierte Tweets entstanden.
Obwohl für den Riesenkonzern Dell drei Millionen US-Dollar eher in den "Peanuts"-Bereich fallen, muss eines festgehalten werden: Twitter hat an dieser Aktion keinen Cent verdient. Verstärkt denkt man daher seitens des Microblogging-Dienstes über ein Gewinnbeteiligungsmodell nach – es wird auch höchste Zeit!
18.06.2009