Auf die Plätze, fertig...abgewürgt!
Was wurde nicht schon alles über den durchschlagenden Erfolg des mobilen Internets prognostiziert, herausposaunt und gemutmaßt. Überall verfügbar, unentbehrlich, ein Milliardenmarkt. Nur eine Variable in der Rechnung wurde immer ignoriert: Der „Otto-Normal“-Nutzer.
Eines vorweg: Das mobile Internet funktioniert wirklich gut – solange man ein Smartphone hat, was die Seiten hübsch darstellen kann, dem Nutzer Freiheiten lässt und die Navigation erheblich erleichtert. Nur: Längst nicht alle Nutzer haben ein Smartphone. Viele plagen sich mit viel zu kleinen Bildschirmen und Textdarstellungen ab, Grafiken werden unzureichend dargestellt, im Internet selbstverständlichen Anwendungen wie Flash funktionieren nicht oder nur teilweise. UMTS, HSDPA und zukünftig LTE erhöhen momentan leider lediglich die Geschwindigkeit, in der fehlerhafte Seiten zu klein dargestellt werden.
Die Probleme bei der Expansion sind zweifelsohne hausgemacht. Insbesondere die großen Mobilfunkanbieter betrachten das mobile Internet als ihren persönlichen Besitz: Wenn der Kunde surfen will, dann bitte über das Provider-Portal und wenn der Kunde eMails senden und empfangen möchte, dann über die provider-eigene eMail-Adresse. Sekundärprofite wie Werbeeinnahmen durch mobile Anzeigen oder eMail-Marketing sollen so im eigenen Haus bleiben. Im Festnetz-Internet zeichnet sich bereits seit langem ein Scheitern solcher Konzepte ab; einstige Marktmächte wie AOL oder das schon fast vergessene CompuServe konnten den Nutzer langfristig nicht am Ausgang aus seiner fremdverschuldeten Unmündigkeit hindern.
Ein zusätzliches Ärgernis ist, gerade bei preisgünstigen Mobilfunkgeräten, das exzessive Software-Branding der Provider. So wird die Handy-Software explizit auf den Anbieter zugeschnitten, ein falscher Tastendruck reicht dann oft um eine mobile Internet- oder Datenverbindung herstellen und so oft hohe Kosten zu verursachen. Beim Nutzer lässt sich durch solche Praktiken der schale Eindruck der Abzocke kaum vermeiden. Ein weiteres Ärgernis sind die vorbestimmten mobilen Internet-Browser: Diese sind oft langsam und umständlich zu bedienen, nerven durch Werbeeinblendungen und stellen zusätzliche Kostenfallen. Alternative Browser lassen sich hingegen nur mühsam installieren und müssen zur Benutzung, dank des Brandings, umständlich im Menü geöffnet werden.
Alles in allem so nur wenig Freude auf – besonders bei den Preisen. Diese sind nämlich das eigentliche Problem: Einfache Datenflatrates, die sich als Verlustgeschäft für de Mobilfunkbetreiber erwiesen, werden sukzessive von komplizierten Minuten- oder Volumentarifmodellen abgelöst. Doch wer kann seinen Daten- oder Zeitbedarf im mobile Internet schon wirklich einschätzen? Und welcher Verbraucher möchte sich wirklich durch die mit Fußnoten, Sternchen und anderem Kleingedruckten verzierten Tarifbestimmungen wursteln? Ganz normale und technisch weniger beschlagene Besitzer eines internetfähigen Handys werden so allein schon von der Preispolitik vom mobilen Internet ferngehalten – alle anderen Ärgernisse erwarten sie erst später.
13.08.2009