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Mundpropaganda gegen Reizüberflutung

Mund-zu-Mund-Propaganda oder englisch Word-of-Mouth-Marketing ist zweifelsohne einer der großen Marketing-Trends 2009. Kostengünstig und mit hoher Akzeptanz seitens der Nutzer feiert die altehrwürdige „Empfehlung an die Bekannten“ derzeit im Internet einen Siegeszug.


 

Wer auch immer die erste rudimentäre Werbekampagne der Welt gestartet hat – sie wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Mund-zu-Mund-Propaganda basiert haben. Eine Empfehlung von Bekannten oder Verwandten gilt als unbestechlich und objektiv – wer möchte seinem Bruder schon einen inkompetenten Fliesenleger andrehen? Längst wurde dieses Potential auch im Internet erkannt, jedoch kennen sich die Leute hier oft nicht einmal. Als gemeinsame Vertrauensbasis reicht oft, dass man bei einem Produktbewertungsportal angemeldet ist und das Produkt gekauft hat.

Dieser kleine Vertrauensvorschuss erklärt den Erfolg der Mundpropaganda: So unterscheiden sich die Produktrezensionen vollkommen von anderen Werbeformen. Sie sind oft schlecht geschrieben und in aller Regel schlichte Fließtexte mit ein paar Sternchen oder Bewertungskategorien. Nichts Buntes, nichts Lautes, kein Video und nicht im Mittelpunkt des Nutzerblickfeldes. Sie funktionieren aber trotzdem, gerade aufgrund ihrer schlichten Herkunft.

Denn die Möglichkeiten, Werbung zu platzieren, sind grenzenlos geworden und dementsprechend prasseln die Werbebotschaften auf die Konsumenten ein. Bunter, lauter, größer, multimedialer. Die Märkte sind zunehmend gesättigt, Konsumenten werden durch die Reizüberflutung werbemüde und haben ein verstärktes Misstrauen gegenüber manipulativen Werbeformen entwickelt. Mundpropaganda wirkt demgegenüber ehrlich.

Unternehmen können sich dies zunutze machen, sollten aber den Vertrauensvorschuss nicht verspielen. So wächst die Zahl falscher Produktbewertungen im Internet täglich an: Ob man ganz platt dem eigenen Produkt die volle Punktzahl und Attribute wie „Top!“, „Super!“ oder „Hammerpreis!“ anhängt oder subtil in geschliffenem Werberdeutsch sein eigenes Produkt anpreisen will: Beides wird in der Regel von aufmerksamen Nutzern erkannt und missbilligt - genauso wie unflätige Beschimpfungen oder mutwillig schlechte Bewertungen von Konkurrenzprodukten.

19.08.2009