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Drei, zwei, eins, … und raus

Manches läuft im Internet, manches nicht. Autos gehören offenbar in die zweite Kategorie: Die Zusammenarbeit zwischen GM und eBay ist jedenfalls beendet.


 

Offiziell habe ein im Verhältnis zum Aufwand zu geringer Nutzen und ein falscher Einstiegszeitpunkt ein an sich vielversprechendes Geschäftsmodell beerdigt: 225 der 250 kalifornischen GM-Händler hatten sich an einem Pilotprojekt des Automobilkonzerns und des Online-Auktionshauses eBay beteiligt; Neuwagen kaufen im Internet sollte so einfach werden wie das Ersteigern von USB-Sticks oder Herrensocken. GM wollte als moderne, zukunftsgewandte Marke vorpreschen – Imageprobleme hat man in Detroit derzeit genug. Der ambitionierte Vorstoß dürfte nun allerdings ein weiteres hinzugefügt haben: Nur rund eineinhalb Monate warteten die GM-Fahrzeuge im virtuellen eBay-Showroom auf ihre Käufer – geguckt haben viele, gekauft fast niemand.

Die offensichtlichen Gründe für das vorzeitige Scheitern des Projektes sind vielfältig: Vor allem dürfte entscheidend sein, dass sich US-Fahrzeuge mit hohem Benzinverbrauch und nicht immer perfekter Verarbeitung derzeit auch offline nicht wie warme Semmeln verkaufen. Hinzu addiert sich die Krise im Allgemeinen, die Krise von GM im Speziellen und die ganz private Finanzkrise der potentiellen US-Autokäufer, die für ein schnelles Autoschnäppchen im Internet derzeit kein Geld übrig haben.

Die weniger offensichtlichen Gründe liegen wohl aber in einem Grundproblem des eShoppings: Ein Auto ist ein unglaublich komplexes Produkt, dass den Kunden auf fast allen Wahrnehmungsebenen anspricht. Diese lassen sich nur unzureichend über Fotos, Videodarstellungen oder eine 3D-Animationen vermitteln; nackte technische Daten überzeugen die meisten Kunden ebenso wenig. In erster Linie geht es um das Gefühl wie man in einem Auto sitzt, wie es sich fährt, sich anhört, sich anfühlt, riecht. Diese Eindrücke lassen sich leider nur im realen Showroom und bei einer Offline-Probefahrt im echten Straßenverkehr vermitteln.

Was für Automobile gilt, gilt leider auch für viele Luxusgüter, Nahrungsmittelprodukte und andere Dinge, die nicht primär visuell oder akustisch wahrgenommen werden können: Virtuelles Riechen, Fühlen und Schmecken ist derzeit noch nicht erfunden und wird auch zukünftig wohl kaum die Komplexität der menschlichen Sinnesorgane exakt nachbilden können; für den Verkauf im Internet eignen sich also Produkte wie Musik, Filme und Bücher am besten. Vielleicht ist es aber ganz gut, dass man USB-Sticks und Herrensocken derzeit noch nicht schmecken oder riechen muss – anschauen reicht.

01.10.2009