Jede Woche gut informiert - jetzt den kostenlosen Newsletter ECIN Weekly abonnieren:

Erhalten Nutzungsbedingungen

Zur Quellenlage

Aus nach 82 Jahren. Der Niedergang von Quelle, jahrelang Inbegriff des Versandhandels, wirft auch Schatten in die Onlinewelt. Managementfehler sind die eine, verpasste Chancen im eCommerce die andere Seite der Pleite. Probleme gibt es aber auch dort.


 

Wuchtig wie das Wirtschaftswunder, gestützt durch Finanzhilfen von Bund und Land kam der Quelle-Katalog 2009 mit einer Auflage von 1,2 Millionen in die deutschen Haushalte - das es der Letzte sein würde, haben viele geahnt, aber niemand gehofft. Im Portfolio des Mutterkonzerns Primondo stellte Quelle bereits seit langem die am wenigsten profitable Sparte dar; eine eCommerce-Verflechtung des Traditionshauses wurde erst zu spät, dann überhastet und mit unpassenden Konzepten begonnen. Die traditionelle Quelle-Klientel bestellte halt am Telefon und nahm nicht an „Events“ wie Live-Shopping-Aktionen teil, mit denen das Versandhaus seine eCommerce-Sparte aufpeppen wollte (ECIN berichtete).

Weltmarktführer Amazon wies den Weg, Otto war bereit zu folgen, bei Quelle passierte – nichts. Während Otto nun weltweit auf Platz zwei der Versandhändler steht, ist Quelle pleite. Häme ist nicht angebracht, eher Zorn: Zu vielfältig waren die Verflechtungen des KarstadtQuelle-Konzerns, zu sehr drückte die Karstadt-Warenhaus-Sparte mit ihren großen Problemen auf die Investitions– und Risikobereitschaft des Managements - insbesondere hinsichtlich neuer Vertriebsmöglichkeiten. eCommerce wurde schlicht verschlafen und wenn, dann sollte es nichts kosten. Dass der Versandhandel anno 2009 online und nicht mehr via Katalog stattfindet, wurde von den in traditionellen Einzelhandelsbahnen denkenden Konzernlenkern nicht oder zu spät erkannt. Diese kommen nun mit heiler Haut und Abfindungen davon – die Belegschaft von Quelle nicht. Nachdem die eine Hälfte des Kunstobjektes „Arcandor“ implodiert ist, bleibt abzuwarten, was nun mit Karstadt geschieht.

Die Pleite des Primondo-Konzerns rettet allerdings auch einige Marken: Durchaus begehrt ist die Spezialversendersparte, in der sich gutverdienende und eCommerce-verflochtene Marken wie „Baby Walz“ und der Ökomode-Hersteller „Hess Natur“ finden. Bisher gefangen im insolventen Mutterkonzern können sich die beiden Spezialshops und 14 andere, kleinere Unternehmen nun auf Investorensuche begeben – diese dürfte erfolgreich sein. Kleine und spezialisierte Versandhändler mit klarer eCommerce-Ausrichtung verdienen seit Jahren weltweit gutes Geld.

Doch bevor nun die Online-Korken in die Deckenlampe knallen: Auch im eCommerce kommen einige Geschäftskonzepte mittlerweile in die Jahre – beispielsweise eBay. Die Prognose für das wichtige US-Weihnachtsgeschäft sieht düster aus. Obwohl die Umsätze wieder steigen, sinken die Gewinne. Im dritten Quartal fiel der Überschuss um 29 Prozent. Das klassische Customer-to-Customer (C2C)-Modell des Online-Auktionshauses zieht nicht mehr richtig – daher wird eBay derzeit mit vielen Festpreisangeboten und starker Händlerintegration schleichend „amazonisiert“. Ob dies den traditionellen eBay-Kunden, die das Prinzip „Online-Flohmarkt“ schätzen gelernt haben, wirklich gefällt, ist zweifelhaft. Nachmachen reicht nicht.

22.10.2009