Trotz bürgerlicher Koalition in Berlin sind soziale Themen gefragt wie nie – allerdings eher wenn es ums Online-Marketing geht. Der Siegeszug der sozialen Netzwerke und Mitmach-Anwendungen übt bereits auf nahezu alle Bereiche des Internets Einfluss aus.
eCommerce, Werbevermarktung, Verlage, IT-Konzerne: Der Web 2.0-Zug rollt und ist nicht aufzuhalten. Microsoft und LinkedIn, Xing und Burda, fast alle mit Facebook: In immer mehr Unternehmen denkt man über „soziale Elemente“ und Web 2.0-Integration nach. Mitmachen ist Pflicht, wenn man beim Thema „social“ nicht als von gestern erscheinen möchte. Speziell der eCommerce wird sich wandeln: Weniger von oben herab, sondern mehr von der Basis her werden Produkte bewertet und Dienstleistungen empfohlen – Mundpropaganda wirkt vertrauenswürdiger als Hochglanzwerbeversprechen.
Ähnlich wie auf den berühmt-berüchtigten Tupperpartys soll sich der eCommerce-Artikel der Zukunft „viral“ verbreiten – per Empfehlung von Kunde zu Kunde, als Selbstläufer. Der Endkunde übernimmt das Marketing fortan selbst und kostenfrei, die Vorzüge des Produkts verbreiten sich epidemieartig im Internet, der Kundenstrom wird zur Absatzlawine. Wer auch immer dies perfekt hinkriegt, kann sich eigentlich direkt für den Wirtschaftsnobelpreis anmelden, denn: Die Haupteigenschaft einer Lawine ist deren Unkontrollierbarkeit. Negative Bewertungen verbreiten sich schneller als positive. Gerade der als Konsumpessimist bekannte deutsche Kunde reagiert auf Kritikpunkte erheblich stärker als auf Lobhudeleien. Wenn diese obendrein noch recht durchsichtig vom Anbieter beeinflusst oder gar verfasst sind, führt sich die Mundpropaganda ad absurdum und zu Vertrauensverlust – welcher seit jeher die Ursünde des eCommerce ist.
Für den Kunden brechen allerdings nun bessere Zeiten an: Richtig schlechte Produkte dürften sich nämlich kaum noch im Netz verkaufen lassen. Wer seinen eShop konsequent sozial integriert um Nepp und Nippes anzubieten, dürfte schnell an negativen Bewertungen ersticken. Seriöse Anbieter können sich dafür täglich die Bestätigung ihrer Geschäftspolitik in guten Bewertungen ansehen und gegebenenfalls nachbessern. Das Abstimmungspotenzial der Kunden hat sich über das Öffnen der Brieftasche hinaus erweitert – mehr Demokratie im eCommerce wird gewagt!

