Jede Woche gut informiert - jetzt den kostenlosen Newsletter ECIN Weekly abonnieren:

Erhalten Nutzungsbedingungen

Zwischenwelten entdecken

Wie werden wir die Welt morgen wahrnehmen? Benötigen wir einen sechsten Sinn? Erweitern wir die Realität? Nein, dies ist keine Sektenwerbung. Die konsequente Integration des Internets und der Informationsverarbeitung in unser tägliches Leben werden unsere Wahrnehmung verändern – wenn alles funktioniert.


 

Was sich seit Jahrzehnten in Kampfjets bestens bewährt, soll nun auch unseren Alltag bereichern: Wie in einem Cockpit mittels des Head-Up-Displays die Maschine des Feindes mit einigen Informationen angereichert visualisiert wird, sollen wir künftig unsere Handykamera auf die Bushaltestelle richten können und Informationen zum Fahrplan bekommen – schnelle Information ist in beiden Fällen wichtig. Augmented Reality (AR), zu deutsch “Erweiterte Realität”, wird unser Wahrnehmungsspektrum virtuell ausdehnen; die ersten visionären Erfindungen sind bereits gemacht. Zugegeben: Manches wirkt noch eher klobig und unhandlich, es ruckelt, es erzeugt Fehlermeldungen, es ist wenig bedienerfreundlich - aber: Was wäre, wenn man das Internet nach der Entwicklung des 56k-Modems aufgegeben hätte?

Von virtuellen Reiseführern mit realweltlichem Bezug zu Geländespielen mit Web-Unterstützung – AR-Anwendungen sind bereits jetzt für Smartphones mit Lagesensor und GPS-Modul verfügbar. (ECIN berichtete) Diese sind bislang nicht allzu zahlreich und werden es wohl auch in Zukunft nicht werden, der Kreis der Anwender bleibt also eher exklusiv. Dennoch wächst ein neuer Markt heran. Inzwischen denkt man allerdings schon über die Bedienungsoberfläche eines Telefons hinaus – weg von der Tastatur, hin zu intuitiven, sinnesähnlichen Nutzungsoberflächen.

Aus den Labors des MIT (Massachusetts Institute of Technology) kündigt sich der „Sechste Sinn“ an: Was definitiv nach Science-Fiction oder sogar Esoterik klingt, soll unsere bisherigen fünf Sinne um einen erweitern: Den Sinn für Information. Mit einer gestengesteuerten, mobilen Apparatur mit Projektionsfähigkeit sollen wir uns wie selbstverständlich in einer virtuell erweiterten, realen Umwelt bewegen können. Weil dürre Worte nur schwer vermitteln können, was dieses System ausmacht, sei an dieser Stelle das Präsentationsvideo verwiesen. Trotz des Prototypenstatus des „Sixth Sense“ dürfte eines als gesichert gelten: Sollte sich dieses System dereinst durchsetzen, wird die vielbeschworene Verschmelzung von realer und virtueller Welt wohl von ihrer Phrasenhaftigkeit befreit sein.

Wer bisher also behauptet hat, das Internet sei schon in alle unsere Lebensbereiche vorgedrungen, sollte seinen Vorstellungsbereich noch ein wenig erweitern: Die reale Welt wird mehr und mehr virtuell erfasst und beschrieben, verarbeitet, gespeichert und – konsumierbar gemacht. Ein Blick durch die Handykamera auf den MP3-Player des Nebenmannes im Bus reicht dann, um mittels Bilderkennungssoftware und mobilem Internet nicht nur den kompletten Preisvergleich zum fraglichen Gerät zu erhalten, sondern auch gleich den Einkauf tätigen zu können. Virtuell/reale Stadtführungen, Bildungsangebote, Shopping-Finder – eine Wahrnehmungserweiterung könnte sich für innovative Entwickler lohnen.

26.11.2009