Diskutiert wird darüber seit Jahren und Umfragen prophezeien dem Geschäftsmodell keine Zukunft. Trotzdem ließen das Hamburger Abendblatt und die Berliner Morgenpost, beide dem Axel Springer Verlag zugehörig, Anfang der Woche die Bezahlschranke für ihre Online-Inhalte herunter. Regionale und lokale Nachrichten gibt es künftig für die Internetnutzer nur noch gegen Gebühr. Qualitätsjournalismus soll nach Meinung der Macher ruhig etwas kosten dürfen.
Ein gewagter Schritt, der nicht nur Applaus erntet. Die Netzgemeinde ist stark und nicht auf Bezahlinhalte getrimmt. So wären einer aktuellen Studie (GfK) zufolge nur 13 Prozent der weltweiten Internutzer bereit für Informationen oder aktuelle Nachrichten aus dem Netz ihr Portemonnaie zu öffnen. Während knapp die Hälfte für einen kostenfreien Zugang zu Online-Inhalten, sogar Werbung in Kauf nehmen würde, will ein Drittel der befragten Internetnutzer nicht einmal dies. Die Expedition "Paid Content" des Axel Springer Verlages trifft somit nicht auf gute, aber für den Erfolg entscheidende, Voraussetzungen.
Beim Nutzer und somit beim Kunden hat sich flächendeckend die "Gratis-Mentalität" durchgesetzt - gleichzeitig mit der populären Ausbreitung der Internetdienste. Auch wenn Abendblatt und Morgenpost über ihre Webseiten nur die lokalen Inhalte beschränken (die aber derzeit noch über die Hintertür Google-News erreichbar sind), haben die Nutzer die freie Wahl, indem sie die Inhalte der regionalen Konkurrenz frequentieren. Damit liegt es auf der Hand: Erst wenn alle Kommunikatoren auf den Paid-Content-Zug aufgesprungen sind, werden die Onliner verstehen, dass nicht alle Netzkultur-Bereich kostenlos sind. Aber die Zugabteile sind noch so gut wie leer und werden auch in naher Zukunft wahrscheinlich nicht gebucht; schreiben doch Reichweiten-Schlachtschiffe wie Spiegel Online (bundesweit) oder RP-Online (regional) längst schwarze Zahlen. Dass das Paid-Content-Konzept aber auch funktionieren kann, beweist seit einiger Zeit beispielsweise die Stiftung Warentest. Dort können Nutzer spezielle Artikel gegen eine Gebühr herunterladen.
Eine erfolgreiche Expedition Paid Content, ist damit sowohl von der Art des Inhalts, als auch dem zahlungswilligen Nutzer abhängig. So lassen sich reine Online-Nachrichten noch nicht monetarisieren, es sei denn der Kommunikator hat in seiner Region ein Monopol inne. Dagegen können Special Interest Inhalte, die dem Nutzer einen nachhaltigen Mehrwert ermöglichen, auch den Herausgeber per Micropayment entlohnen.

