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Tablettfieber
28.01.2010 | Artikel drucken

Wer ab sofort beim Begriff “Tablett” noch an ein Transportvehikel für Bier oder Kaffee denkt, ist definitiv von gestern: In einer großen Zeremonie führte Apple jetzt das iPad ein – das i-Tablett der Zukunft. Die Fachwelt streitet allerdings noch, ob die Schöpfung eine völlig neue Gerätekategorie oder ein sperriges Riesen-iPhone ist.

Was haben die Papstweihe und die Inauguration des US-Präsidenten gemeinsam? Mittlerweile deutlich weniger Medienaufmerksamkeit als die Präsentation eines neuen Apple-Produkts – wenn es nach Blog- und IT-Beiträgen geht, selbstverständlich. Was nun von Großwesir Steve Jobs, wie immer in priesterlich-schwarzem Rollkragenpullover, präsentiert wurde ist für viele eine neue, umwälzende Gerätekategorie – für andere allerdings nur das größte iPhone der Welt.

So stellt der US-IT-Blog Techchrunch eine wichtige Frage: Welche Marktlücke soll das iPad füllen? Während das iPhone unzweifelhaft die Multimediafähigkeiten und die Handhabung mobiler Endgeräte in neue Sphären geführt hat, bietet das iPad hier wenig Neues: Intuitive Bedienung per Finger oder Stift ist den meisten anvisierten Kunden heute vertraut; über die Flash-Fähigkeiten des Apple-Tablets wird noch gerätselt. Ob die mitgelieferte Apple-Coolness allein reicht, wird sich wohl noch zeigen, denn Tablet-PCs sind eigentlich ein alter Hut:

Das Konzept stammt bereits aus dem 60er/70er Jahren, die Älteren unter uns werden sich vielleicht noch an Apples Newton erinnern: 1993 stellte er den ersten Computer mit Stifteingabe dar – heute bei jedem PDA zu finden. Viele Hersteller nahmen daraufhin stiftbedienbare Kleincomputer in ihr Programm - 1994/95 verschwanden die meisten Geräte mangels Erfolg aber wieder vom Markt. Lediglich in industriellen Anwendungen hielten sich die druckempfindlichen Geräte, meist in Form von „elektronischen Klemmbrettern“, bis in die heutige Zeit. Nur ein Konzern glaubte Anfang des Jahrtausends noch an handliche und intelligente "Tafeln" für den Privatkunden: Microsoft, nicht unbedingt bei Innovationen aber bei der Setzung von Standards erfolgreich, legte 2002 mit einer XP-Erweiterung den Standard für nun erstmals so bezeichnete Tablet-PCs fest – viele Hersteller zogen mit, der Riesenerfolg kam aber auch diesmal nicht.

Apple, im Jahr 17 nach Newton, will es nun noch einmal wissen: Wie üblich wunderschön verpackt, intuitiv zu bedienen und qualitativ hochwertig soll das iPad Tablet-PCs selbstverständlich werden lassen. Die Zeit scheint reif: Mit Notebook auf dem Schoß im Cafe sieht man irgendwie überarbeitet aus, das Tablet hingegen wirkt deutlich lässiger. Nur einen Zentimeter dick, etwa 680 Gramm schwer und 24 mal 19 Zentimeter lang und breit stellt es zwar gewisse Anforderungen an die urbane Umhängetaschenkultur, ist aber dennoch deutlich leichter als bisherige Lösungen. Mit Gewicht und Abmessungen zielt Apple zudem klar auf den eBook-Markt: Der Kindle DX ist etwa gleich groß und etwas leichter, der Kindle 2 soll nur 300 Gramm wiegen – allerdings ohne die Multimedia- und Office-Anwendungsmöglichkeiten des iPads. Beide Geräte sind allerdings für eine Anwendung völlig ungeeignet: Zum Bier- oder Kaffeetransport empfiehlt sich weiterhin Offline-Tabletts aus Holz oder Kunststoff, ohne Apple-Logo – oder sogar bald mit?

 

 

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