Jede Woche gut informiert - jetzt den kostenlosen Newsletter ECIN Weekly abonnieren:

Erhalten Nutzungsbedingungen

Safer Social

Soziale Netzwerke und der Datenschutz: Privatpersonen und insbesondere Unternehmen sehen neben den vielen Chancen des Web 2.0 mittlerweile auch die Schattenseiten. Was einmal im Netz steht, wird dort bleiben – ob Urlaubsbilder oder Firmen-Interna.


 

„Was für ein blödes Foto von mir, und wer hat mich darauf verlinkt?“ Nicht nur diese Frage kann Karrieren entscheiden. Auch wenn der eigentlich für morgen zur Veröffentlichung geplante Geschäftsabschluss bereits abends bei Twitter oder über den Facebook-Account die Runde macht, ist Ärger programmiert: Die totale Kommunikation des eigenen Selbst in sozialen Netzwerken stellt sicherheitssensible Unternehmen und ihre Mitarbeiter vor große Probleme. Doch selbst wer vorsichtig ist und seine Selbstdarstellung auf das Nötigste beschränkt, kann Schwierigkeiten bekommen.

So saugt das soziale Netzwerk Facebook auch Daten von Nicht-Mitgliedern in seinen Datenbeutel auf. Dies geschieht aber nicht nur über die Implementierungsmöglichkeiten von mobilen Adressbüchern sondern auch über die Freigabe der eigenen E-Mail Adresse. So erfährt Facebook auf einfachste Weise welche Mitglieder mit welchen Nicht-Mitgliedern in Kontakt stehen. Wenn nun ein Geschäftsfreund eine eMail-Einladung zu Facebook bekommt und er seinen gesamten firmeninternen eMail-Verteiler, inklusive nicht-öffentlicher Adressen, als „Kennst du vielleicht auch?“-Personen vorfindet, gibt es ein Problem – insbesondere, wenn in diesem Unternehmen strikte Sicherheitsrichtlinien im Web 2.0-Umgang herrschen.

Schlimm genug, dass diese Vorgehensweise laut Medienberichten gegen das transatlantische „Safe-Harbor“-Datenschutzabkommen verstößt, welches europäischen Kunden von amerikanischen Unternehmen europäische Datenschutzstandards garantieren soll. Die Datensammlung erodiert aber vor allem die insbesondere bei deutschen Mittelständlern ohnehin nicht besonders ausgeprägte Innovationsbereitschaft bei modernen Kommunikationsformen (ECIN berichtete). Ohne die Nutzung der Möglichkeiten des Web 2.0 werden aber gerade Unternehmen aus der Kreativ- und Wissensbranche schnell abgehängt, auf der anderen Seite hortet gerade dieser Sektor die sensibelsten digitalen Informationen - die Schere zwischen Sicherheits- und Kommunikationsbedürfnis klafft so immer weiter auseinander. Angesichts dieses Dilemmas sollten datensammelnde Web 2.0-Akteure überlegen, ob ein Vertrauensverlust der Nutzer zugunsten des eigenen Datenspeichers zur angestrebten Seriosität des eigenen, oft beschworenen Business-Potentials passt.

04.02.2010