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Generation gesucht

Generation X kennt jeder, Generation Y ist zumindest Marketern noch ein Begriff aber dann wird es langsam schwierig: Wie kann man die Generation der von 1975 bis 1985 geborenen „digital natives“ und ihre Eigenschaften treffend charakterisieren?


 

Der Kunde von morgen wird langsam reif: Die erste Hälfte der von 1975 bis 1985 Geborenen wird in diesem Jahr 30, erreicht so die statistisch konsumstärkste Phase ihres Lebens und hat noch keinen Generationsnamen – höchste Zeit dies zu ändern. Einen neuerlichen Vorstoß in diese Richtung unternimmt Devin Coldewey vom US-IT-Blog Techchrunch mit der Schöpfung „Generation i“. Nach „X“ und „Y“ nun „i“? Klingt nach Apple, muss aber nicht Apple sein.

Denn die Generation von morgen sucht man nicht erst seit gestern, wie ein Blick an den Anfang des Jahrtausends lehrt: Kein geringerer als Bill Gates persönlich rief 2000 die „Generation i“ aus; die Internet-Generation für die das weltweite Netz eine naturgegebene Selbstverständlichkeit sei. Nun, 2010, ist dieses Ziel wohl erreicht und mit dem Web 2.0 wahrscheinlich sogar über Bill Gates’ Visionen von einst herausgewachsen – mit der Namensfindung ist man jedoch immer noch nicht weiter.

Zu schwer fällt es Marktforschern und Werbestrategen mittlerweile den in zahllose individuelle Interessen zerfaserten Markt zu charakterisieren, die Zahl der Konstanten hat sich drastisch verringert. Während man zwar noch davon ausgehen kann, dass sich ein Produkt mit einem „i“ vor dem Namen und einem Apfel hinten drauf vermutlich wie 'geschnitten’ Brot verkaufen wird, ist dies bei anderen Produkten längst nicht mehr der Fall. „Neu“ sein allein reicht nicht mehr und wer keine Möglichkeiten zur Individualisierung des eigenen Produkts bietet, beispielsweise durch Apps, wird auf einem individualisierten Markt nicht viel verkaufen können. Hinzu kommt, dass durch die maßgeblich von Google befeuerte „Kostenlos-Kultur“ des Internets vieles gar nicht mehr gegen Geld verkäuflich sein wird.

Hard- und Software-Produkte werden zunehmend Plattformen der eigenen Selbstverwirklichung – und diese dreht sich um das eigene Ego. In diese Kerbe schlägt wohl auch die scherzhafte Definition der „Generation i“ des Urban Dictionary von 2007: Mitglieder dieser Generation seien seit 2001 antisoziale Individuen, denen iPod-Kopfhörer aus dem Halsausschnitt hingen und mit denen man nicht mehr normal sprechen könne – in gewisser Weise schließt sich so der Kreis zu Devin Coldeweys Definition von 2010: Wohl noch nie sei das Paradoxon zwischen ständiger Vernetzung und ständiger Isolation so fühlbar gewesen wie heute. Bleibt nur zu sagen: Für die Generation von morgen sind noch 23 Buchstaben übrig – Definitionen sind heiß begehrt!

18.03.2010