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Mobil mit Stil

Das Internet war lange den Stubenhockern und Bürostuhlakrobaten vorbehalten. Zunehmende mobile Nutzungsmöglichkeiten verändern sie jedoch längst, die Welt des Webs.


 

Studien über den Wandel der Internetnutzung gibt es momentan täglich von allen nur erdenklichen Marktforschern. Industrie und Handel reiben sich bereits gierig die Hände, da nicht nur immer mehr Kunden ihre Hemmungen, im Internet zu kaufen verlieren, sondern vor allem auch weil dies künftig völlig unabhängig vom Aufenthaltsort geschehen wird. Die Nutzung drahtloser Zugänge per Mobiltelefon, Laptop oder – der aktuelle Toptrend schlechthin – per Tablett-PC befindet sich im Aufschwung. Selbst wenn man den sicherlich teilweise künstlich herbeigeführten Hype um iPad&Co. einmal außer Acht lässt, muss man feststellen, dass der eCommerce und das Konsumverhalten insgesamt vor dramatischen Umbrüchen stehen.

Versetzen wir uns einmal in die Lage eines Händlers. Die wohlige Gänsehaut kann gar nicht lang genug anhalten, wenn er darüber nachdenkt, dass Kunden künftig weder Geschäftsstellen noch stationäre PC brauchen, um ihr Geld bei ihm zu lassen. Denn egal wo wir Konsumenten uns künftig befinden werden, wir werden zu jeder Sekunde die Option haben mal eben das fehlende Stück Butter zu erwerben. Und wir werden wahrscheinlich auch im Minutentakt mit Werbung konfrontiert sein, denn noch eine Branche versucht derzeit den elektronischen Goldesel vor ihren Karren zu spannen – die Werbeindustrie. Und das ist ja für uns Verbraucher immer so eine Sache: Werbung nervt. Allerdings haben die findigen Marketer einige Asse im Ärmel, die den störenden Charakter eines Clips, der mitten im Filmgenuss plötzlich zum Konsum anstiften will, zu verändern. Durch soziale Netzwerke werden wir im mobilen Web durch Konsumempfehlungen geradezu bombardiert werden. Und die Macher werden mehr über uns wissen, als den meisten Anwendern lieb sein kann. Individualisierte Werbung geht darauf ein, wo wir wohnen, was wir gern essen, welche Kleidung wir tragen und wie oft wir bei wem einkaufen. Man wird sich darauf einstellen müssen, dass Großkonzerne bald mehr über uns wissen als wir selbst. Hoher Blutdruck? Wetten sie darauf, dass sie künftig von ihrer Apotheke oder Krankenkasse entsprechende Arzneimittelangebote per mobile Web erhalten.

Freilich kann man versuchen möglichst wenige Informationen im Internet zu hinterlegen – indem man es nicht nutzt. Denn wenn wir ehrlich sind, haben wir es, einmal online, kaum noch in der Hand, wer wieviel über uns weiß. Schon jetzt hat man das Gefühl, dass unsere Technologien von uns mehr Veränderungen der Denkweise abverlangen, als wir in so kurzer Zeit bereit sind zu vorzunehmen. Der gläserne Mensch wird eines Tages kein Thema mehr sein, denn er wird den Schrecken verloren haben, allerdings muss sich die Technologie dabei immer den Grenzen der Kompromissbereitschaft des Menschen beugen. Die mobile Nutzung des Internets wird in wenigen Jahren so selbstverständlich sein wie heute bereits mobiles Telefonieren. Augmented Reality wird unsere Wahrnehmung verändern, die Realität gewinnt eine Dimension hinzu. Freunde und Bekannte werden uns stets über den letzten Klatsch und Tratsch informieren können; der Satz „ich war nicht zu Hause“ wird als Ausrede für mangelnde Informiertheit nicht mehr gelten. Unsere Kleidung wird per Pervasive Computing über das mobile Internet Alarm schlagen, wenn wir stürzen oder einen Herzinfarkt erleiden – würden sie dann meckern, dass ihr derzeitiger Aufenthaltsort im Netz einsehbar ist?