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*Pad der Weisen?*

Seit Moses mit den zehn Geboten auf einer Steintafel den Berg Sinai herabstieg dürfte nicht mehr Brimborium um ein quaderförmiges, flaches Stück Datenträger gemacht worden sein. Retter der Printwirtschaft, Erneuerer des eCommerce, Medium des nächsten Jahrhunderts – was kann das iPad eigentlich nicht?


 

Die Antwort lautet: Eine ganze Menge – zumindest wenn es um eigentlich selbstverständlich-kostenlose Dienste und Anwendungen geht. Apple, seit heute offiziell auf dem US-Aktienmarkt an Erzfeind Microsoft vorbeigerauscht, verfolgt mit seiner Wundertafel eine konsequent geschlossene Marketingstrategie: Das iPad kann nur, was Apple ihm erlaubt – und dies ist oft kostenpflichtig. Kein Flash, kein Multitasking und keine Webcam sind öffentlich diskutierte Kritikpunkte, auch das man digitale Fotos zwar ins iPad hinein, aber nicht wieder hinaus bekommt fand im Netz Beachtung.

Die gebeutelte Printbranche hingegen setzt alle Hoffnungen auf ein Tablett, dazu Matthias Döpfner, Springer-Chef bei Heise: "Jeder Verleger der Welt sollte sich einmal am Tag hinsetzen, um zu beten und Steve Jobs dafür zu danken, dass er die Verlagsbranche rettet.“ – Mahlzeit. Andere Printmedien sind vorsichtiger, so äußerte beispielsweise Marcus Brauchli, Chefredakteur der Washington Post im Spiegel, das er nicht glaube, dass Handy oder Laptop durch das iPad ersetzt würden, die Zeitung im übrigen auch nicht. Spaß am Rande: Wie sollte man auch eine Fliege mit dem iPad erschlagen?

Was das iPad für den eCommerce bedeutet, ist derzeit noch schwer abzusehen – eine Möglichkeit ist aber die Rückkehr des Kataloghandels durch die Hintertür. Bisherige Apps für die tablettgestützte Modeshoppingtour sehen verdächtig nach Quellekatalog aus; nur das man die Bilder vergrößern, die Farbe ändern und mit einem Fingerdruck bestellen kann. Der Gedanke dahinter ist die „Sofa-Benutzung“ des iPads; ähnlich wie in einem Katalog „blättert“ man entspannt bei einer Tasse Kaffee herum und nicht in Habacht-Stellung vor dem PC oder Notebook. Doch ob dieser Convenience-Gedanke allein für den Erfolg ausreicht, bleibt abzuwarten.

Nüchtern betrachtet ist das iPad vor allem nämlich eines: Ziemlich teuer. Dafür kann es dann deutlich weniger als ein vergleichbares Netbook, füllt über Apps und zahllose, preisintensive Adapter Steve Jobs Brieftasche und füttert so einen Mythos der Unbesiegbarkeit den es gar nicht gibt. Sich allein auf das iPad zu verlassen könnte fahrlässig und leichtgläubig sein – auch andere Hersteller drängen auf den Markt, Apple gerät mit seiner Marktpolitk zudem langsam in die Kritik. Einer besonnenen, nachhaltigen iPad-eCommerce-Strategie steht dennoch nichts im Wege – immer unter dem Vorzeichen: Glauben ist nicht wissen.

27.05.2010