Nachdem der Paid-Content-Ball durch die großen Medienhäuser rollt, angestoßen vom Stürmer-Altstar Rupert Murdoch, keimt das zarte Pflänzchen Umsatzhoffnung wieder in den Online-Redaktion. Vielleicht ist das allerdings etwas voreilig.
Gute Nachrichten kosten Geld – unbenommen. Doch was wird eigentlich mit dem Geld der Leser bezahlt? Die erhoffte journalistische Qualität der Beiträge ist nur ein Posten von vielen. Auch die Distribution, die Aufmachung und die Auffindbarkeit der Nachrichten wollen bezahlt werden. In der guten alten Papierzeit wurde dies von Verlagen und großen Redaktionen quasi-monopolartig sichergestellt – was nicht in der Zeitung stand, konnte auch nicht gefunden oder gelesen werden.
Diese Zeiten sind definitiv vorbei: Das Distributionsmonopol der Verlage und Medienhäuser bei Nachrichteninhalten wurde online gekippt. Heutzutage ist jeder in der Lage, über das Netz selbst Neuigkeiten zu schreiben und zu verbreiten – kostenlos und mit einigem Geschick auch durchaus erfolgreich. Auch die Deutungshoheit der Medien TV und Zeitung über das Weltgeschehen ist auf diesem Weg verloren gegangen; die Netzgemeinde macht sich in Blogs und Foren ihr eigenes Bild.
Also bleibt die journalistische Qualität als Alleinstellungsmerkmal der Internet-Angebote großer Zeitungen übrig - und wird systematisch durch Einflüsse aus Marketing- und Werbevertrieb untergraben. In der Printform nach wie vor seriös erscheinend, stoßen sogenannte Qualitätsmedien, beispielsweise der Online-Auftritt des ehemaligen „Sturmgeschützes der Demokratie“, voll ins Boulevard-Horn: Wehwehchen von Stars und Sternchen, dritttklassige Kolumnen, schlecht recherchierte Beiträge – für so etwas zahlt niemand, denn es kommt per Privatfernsehen kostenlos ins Haus.
Mit Paid Content könnte sich dies vielleicht ändern, dennoch steht zu befürchten, dass die zusätzlichen Abo-Einnahmen lediglich zur Aufbesserung der Umsätze verwendet werden – Gewinnorientierung vor Qualitätsoptimierung. Nach den langen Jahren am Hungertuch soll nun wieder verdient werden – und dies geht auch im Paid-Content-Universum nur über Klicks. UN-Resolutionen haben da neben Hollywood-Gerüchten einfach einen schlechten Stand.
Die Distribution audiovisueller Nachrichten im Netz, ohnehin eher stiefmütterlich behandelt, wird derzeit relativ unbemerkt vom Kopf auf die Füße gestellt: YouTube möchte Video-Nachrichtenagentur werden. Nachrichtenbilder- und töne sollen sich so rasend schnell und obendrein kostenlos im Netz verbreiten können. Noch schmunzeln die Nachrichtenagenturen über diesen Vorstoß – sie haben allerdings einst auch Google News belächelt oder den Dienst ignoriert. Diesen Fehler sollte man vielleicht nicht noch einmal machen.

