Der bestechliche Kunde
Datensicherheit ist ein kontrovers diskutiertes Thema, das die Gemüter erregt – bis zu dem Zeitpunkt wo man dem Nutzer mit Belohnungen anfüttert.
Derzeit halten viele Online-Händler und Portale uns Anwendern eine, an einer Angel befestigte, Möhre vor das Gesicht um uns zur Freigabe von Daten zu locken. Und die schlechte Nachricht ist: es funktioniert! Es mehren sich die Anzeichen, dass es mit der Überzeugung, private Daten seien schützenswert, nicht allzu weit her ist, sobald man uns eine Belohnung als Gegenleistung verspricht. Kunden von Kaufhäusern geben bei jedem Einkauf private Informationen her, denn es wartet ein prozentualer Abschlag auf Produktpreise beim nächsten Einkauf. Das harmlos anmutende Wort hierfür lautet oft „Kundenkarte“, oder noch beliebter, da marketingtechnisch schöner formuliert, „Bonuskärtchen“. Das kleine Kärtchen, das alles billiger macht. Ganze drei Prozent Preisnachlass – kaufen sie sich davon lieber ein Eis und sparen sie sich den Sprit um zum Einkaufen zu fahren. Besonders bedeutsam ist das Thema Datenschutz naturgemäß im Internet. Auch hier zeigen aktuelle Studien, dass wir an und für sich ja sehr bewusst mit Angaben zu unserer Person umgehen. Zumindest mögen wir es gar nicht, dass jemand uns ausspioniert: 90 Prozent der dazu Befragten gaben jüngst an, den Schutz der Privatsphäre als sehr wichtig einzuschätzen.
Nur leider wissen Händler und Hersteller nur allzu gut, wie schwach das Fleisch selbst des stärksten Geistes sein kann. An und für sich ist das erst Mal kein Grund, sich schuldig zu fühlen, denn auch erfahrene Internetnutzer lassen sich für minimale Gratifikationen digital komplett durchleuchten. Mehr als die Hälfte der Empfänger von Werbe-Mails ist bereit für einen Gutschein beim Laden um die Ecke seine eMail-Adresse preis zu geben. Ohne Zwang aber mit viel Geschick, Menschenkenntnis und Kalkül beziehen Unternehmen wertvolle und teils erschreckend detaillierte Informationen über ihre potenziellen Zielgruppen. Die hunderten von Firmen, die an diese Daten gelangen, erzielen über Werbung Millionenumsätze damit, während die Nachfragerseite mit Prämien in Form billigen Tands aus China und kaum nennenswerten Preisvorteilen bei Laune gehalten werden. Falsch wäre es jedoch den schwarzen Peter allein der Industrie zuzuschieben. Wir Nutzer müssen unsere edlen Vorsätze bezüglich des Datenschutzes endlich ernst nehmen. Die generelle Einstellung zum hemmungslosen Datenausverkauf ist generell negativ, die Menschen wollen nicht, dass Unternehmen wissen wo sie gerade sind und wie schnell sie sich, wohin bewegen. Noch ist es uns also nicht genug, nur mit unseren Gedanken allein sein zu können. Die Gedächtnisse von Datenservern sind nicht so barmherzig wie das menschliche Gehirn, denn sie vergessen nichts. Wurde man auf einer Party einmal betrunken und bizarr geschmückt abgelichtet, so sollte man in naher Zukunft eventuell über den Umzug auf den Mars nachdenken, denn auf der Erde wird das Bild lange Zeit im Web auffindbar bleiben. Namen und Adresse des betreffenden Unglücksraben heraus zu finden wird, gerade für professionelle Datensammler, immer leichter, da wir Nutzer überall Datenlecks verursachen. Experten fragen sich wohl nicht mehr ganz zu Unrecht, ob die Entwicklung überhaupt noch aufzuhalten ist – ob das Leck gestopft werden kann, oder ein kompletter Kontrollverlust bevorsteht. Zum Teil haben wir es selbst in der Hand.
01.07.2010