Der frühe Zwitscherer fängt den Wurm
Die Idee, die an sich oft kostenlosen soziale Netzwerke monetär zu erschließen, gärt schon länger bei den Anbietern. Lediglich die Art der Umsetzung, wie sie bei Twitter nun angegangen wird, ist neu.
Gerade der extreme Boom von Twitter, so glaubt man, muss die Erfinder ordentlich reich gemacht haben. Doch dort fiel es bisher unerwartet schwer, wirklich Geld zu verdienen. Wie können die Betreiber von sozialen Netzwerken denn nun die richtig dicke Kohle machen? Verschiedene Modelle kämpfen derzeit um die Vorherrschaft: Einige setzen auf bloße Werbeeinnahmen, die bei den sparsamen Kunden beliebteste Taktik. Die meisten großen Portale, wie beispielsweise myspace verlegen sich in letzter Zeit aber auch vermehrt auf Cross-Selling, also das Anfüttern des Kunden durch Querverweise zu verschiedenen Distributionskanälen. Bei Xing gibt es per Bezahlung eine Funktionserweiterung der Nutzungsmöglichkeiten – im Geschäftsbereich sicher auch nicht die schlechteste Idee. Doch auch das Micro-Blogging-Portal Twitter hat findige Marketer in den eigenen Reihen sowie unter seinen Partner und geht die ganze Sache ein wenig anders an. Werbung, so dachte man dort wohl, ist ja schön und gut. Aber warum nicht einfach die Beliebtheit des Netzwerks als direkten Hebel für Kaufangebote nutzen?
Vonstatten gehen soll diese, als "early bird" bezeichnete Maßnahme folgender Maßen: der Twitter-Nutzer macht sich zum Verfolger ("Follower") des "early bird"-Profils. Klingt kurz und harmlos, oder? Genau das haben die Väter dieser Idee wohl auch gedacht, denn der Account "early bird" ist nichts anderes als eine Plattform für Werbung verschiedener Twitter-Partner. Der Zwitscherer sieht hier zeitnah - wie der Name schon vermuten lässt – und noch vor den "normalen" Anwendern, Ankündigungen für Sonderaktionen von Händlern und Herstellern, sowie Veranstaltungshinweise und Produkvorschauen. Natürlich wird alles in Form von Tweets präsentiert. Die Medien streiten nun hitzig darüber, was denn eigentlich Twitter selbst davon hat. Es kursieren Gerüchte, dass Twitter an den Einnahmen der Partner beteiligt wird; interessant wäre es freilich gewesen, zu erfahren wie die Partner denn den Anteil am Erfolg ermitteln, der Twitter zugeschrieben werden kann. Ob das Zwitscher-Portal für zustandene kommende Verkäufe entlohnt wird oder für die bloßen Rückmeldungen der Kunden, das bleibt vorerst jedoch ein Geheimnis. Die Geheimnisträger forderten die Profilinhaber auf, ihre Meinung zu äußern. Es scheint jedoch offensichtlich, dass man die Schnäppchenjäger unter den Nutzern ansprechen will, die dort laut Studien stark vertreten sind. Im Netz werden Surfer zu Jägern und durch kleine Vergünstigungen, die "early bird" bieten könnte, dürfte der Jagdtrieb stark aktiviert werden. Die Twitter-Betreiber träumen vom ganz großen Coup.
08.07.2010