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Das Rad neu erfinden

Die Post wagt sich da an eine zunächst altbacken wirkende Geschäftsidee: elektronische Post per Internet verschicken.


 

Ok, das Rad haben sie damit nicht wirklich neu erfunden. Doch nervt es sie nicht auch, dass ihre eMails theoretisch von jedem mittelmäßig begabten Schüler per gehackt werden können? Nun, die Post sieht sich nach wie vor als altruistische Einrichtung des Gemeinwohls – oder so ähnlich – und ermöglicht es uns Anwendern fortan, Textdokumente, Bilder und vieles mehr verschlüsselt und uneinsehbar für Dritte zu versenden. Der Haken an der Sache ist natürlich, dass eine solche, harmlos als „ePostbrief“ bezeichnete Mail, mal eben 55 Cent kostet. Das erscheint nicht viel für einen Brief aus Papier, an dem der Empfänger noch die hunderte von Fingerabdrücken, hart arbeitender Postangestellter sehen kann, die allesamt ihre Kinder durch die Uni bringen müssen. Doch Werbetreibende, die täglich hunderttausende von eMails an ihre Kunden in das Web entlassen, sollten wohl besser vom ePostbrief als Medium absehen.

Zugegeben, dafür ist er auch nicht gedacht. Und nüchtern betrachtet war die Zeit wohl reif für ein vertrauenswürdiges Mittel, um Geschäftsberichte oder andere vertrauliche Informationen wirklich sicher durchs Netz schicken zu können. Für den Geschäftsbereich mag dies von Fall zu Fall interessant sein, wenn keine internen Absicherungsmechanismen vorhanden sind. Doch gerade in der deutschen Öffentlichkeit, gilt das Internet häufig noch als launenhaftes und unsicheres Spielzeug, dem man im Zweifelsfall besser nichts wirklich Wichtiges anvertrauen sollte; das Web vergisst nämlich leider nichts. „Wir bringen das Postgeheimnis“ ins Internet, bejubelte Jürgen Gerdes die Neuerrungenschaft. Eigentlich aber war das Ganze längst überfällig, oder liebe Post? Komplett auf einfach und unkompliziert, konnte man sich intern wohl doch nicht einigen, denn die Postfilialen stehen ja schließlich nicht umsonst in der Gegend herum. Um den ePostbrief zu nutzen muss man sich dort nämlich erst ein Mal anmelden; wer seinen Ausweis zu Hause gelassen hat, darf sich da gleich wieder hinten anstellen – nachdem er ihn geholt hat. Wer die entsprechenden Zugangsdaten ergattert, der kann sich auf dem eigens eingerichteten Portal der Post mit Benutzernamen und Passwort einloggen. Dies setzt, zumindest in der Anfangsphase voraus, dass man bereits den (echten) Brief mit dem Feischaltcode erhalten hat; alle Klarheiten beseitigt? Zum Glück fällt dieser Zwischenschritt bald weg – sagt die Post. Achja, wer den ePostbrief gerne nutzen möchte, aber den Empfänger trotzdem gern mit Papierkram quält, der kann auch in Auftrag geben, dass die versandten Dokumente ausgedruckt werden. Selbstverständlich gegen Aufpreis.

15.07.2010