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Datenleck mit Konzept

Ein Mal mehr ist es in aller Munde, das Portal, das Regierungen nervös macht. Wikileaks gefährdet angeblich die nationale Sicherheit von Staaten, während Freiheitsfanatiker die Betreiber feiern.


 

Es ist schon ein wenig beängstigend wenn man sich die Entwicklung des Journalismus in Zeiten des Web 2.0 betrachtet. Zeitungen müssen Redaktionen zusammen legen, jahrelang sprudelnde Einnahmen aus Werbung brechen weg und gefährden Existenzen. Dass darunter natürlich auch die Meinungsvielfalt leidet, liegt auf der Hand. Warum also verlegen sich die Autoren nicht mehr auf das Internet? Nun, dies ist schwierig, wie jüngst das Beispiel von "The Times" zeigte. Berichten zufolge brachen dem Online-Bereich des prominenten Blattes 90 Prozent der Leser weg, nachdem man diesen zum zahlungspflichtigen Bereich gemacht hatte. Die Büchse der Pandora – freie, kostenlose Inhalte im Netz – steht längst weit offen und der Anwender ist nur schwer davon zu überzeugen, Geld für Dinge auszugeben die er anderswo gratis erhält.

Und noch ein Problem eröffnet sich durch die ungezügelte Freizügigkeit des Internet-Journalismus. Barrack Obama hat es erst dieser Tage angeprangert: Die nationale Sicherheit werde aufs Spiel gesetzt. Diese drastische Kritik freilich richtete sich direkt an das mittlerweile weltweit bekannte Portal WikiLeaks, wo immer wieder dubiose Informationen auftauchen, die Regierungsangehörige lieber in sicheren Safes verschlossen sähen. Natürlich muss man Obama Recht geben, dass die Namen von Informanten in Afghanistan keinesfalls an die Öffentlichkeit geraten sollten, doch was ist mit Meldungen allgemeinen Interesses? Hat die Öffentlichkeit nicht ein Recht darauf, zu erfahren, wenn es im Konflikt mit den Taliban schlecht läuft? Wem nützt, es wenn der Krieg schön geredet wird? Das Web folgt, gerade was freie Meinungsäußerung angeht, seinen eigenen Regeln. Wikileaks ist Ausdruck für eine im Aufstieg befindliche neue Informationskultur, an die sich Staaten besser gewöhnen sollten; denn dies ist sicherlich erst der Anfang. Werbetreibenden, die aus den Printmedien herausgedrückt werden, ist derweil zu raten, sich an Bereiche wie Handywerbung und Apps zu halten, denn hiermit macht eine große deutsche Boulevard-Zeitung bereits einigen Reibach. Für neue, aufregende Inhalte zahlen die Nutzer nach wie vor gerne. Verbinden sie ihre Werbebotschaft mit Push-Nachrichten über Sport, Politik oder - falls nötig – über Promis. Journalismus und Werbung gehen traditionell Hand in Hand und dieses Bündnis wird sich auch in den neuen Medien fortsetzen. Wenn alte Strukturen wegfallen, muss rechzeitig der Absprung zu den Nachfolgern gefunden werden. Das 21. Jahrhundert ist schon jetzt eine Zeit neuartigen Ausmaßes an Informationsfülle und- freiheit.

29.07.2010