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Ausversehen übermächtig

Google hat eine Menge Einfluss auf eCommerce und eBusiness. Der Riese braucht nur zu niesen und wendet das Blatt.


 

Da reibt man sich doch wirklich verwundert die Augen. Web-Gigant Google schraubt ein wenig an seinen Suchalgorithmen und schon tauchen ganz andere Namen vermehrt in den Suchergebnissen der Nutzer auf. So liest man derzeit auf verschiedenen Nachrichten-Plattformen, dass eine Veränderung des Google-Algorithmus im Juli zu deutlichen Verschiebungen in der Sichtbarkeit besuchsstarker Webseiten geführt habe. Na so was, wie konnte das denn passieren? Google werkelt ganz unschuldig an firmeninternen Prozessen und schon haben Dritte Grund zum Jubeln – oder zum Trauern, je nachdem welche Perspektive man einnehmen möchte. Es ist keine Kleinigkeit und auch kein kompliziertes Detail für IT-Spezialisten über das wir da reden. Denn wenn wir im digitalen Zeitalter eines gelernt haben, dann ist das: Wo Gewinner, da auch Verlierer. Und schon offenbart sich das Problem. Google ist dermaßen mächtig, dass es sogar andere „Große“ der Branche fördern oder in den Abgrund reißen kann. In Europa ist man größtenteils der Ansicht, dass dies ein Privileg sei, das nur souveränen Staaten zusteht, aber die Amerikaner sind ja seit jeher der Meinung, wir sähen so etwas immer zu eng.

Doch wer sagt uns denn, dass es nicht künftig – oder schon jetzt – dunkle Geldströme geben könnte, die bestimmte Online-Händler bei der Google-Suche plötzlich unerklärlich relevant machen? Da klagt man immer über Griechenland; Statistiker schmeißen grob mit dem geflügelten Wort der „greek statistics“, einem Inbegriff für Korruption, um sich, das schmerzt in der Fakelaki-Seele. Doch indes passt bei den Kaliforniern niemand so recht auf, was eigentlich mit dem unheimlichen Potenzial an Einfluss geschieht. Google könnte unliebsame Webseiten mit einem Fingerzucken in den Ruin treiben, indem man sie aus den Suchergebnissen verbannt. Falls sie sich fragen, wieso dieser Internet-Konzern so mächtig ist: Über Google laufen derzeit deutlich über 80 Prozent aller Suchanfragen im Netz – weltweit. Wenn man Einfluss darauf hat, wer, wann etwas, durch welchen Suchbegriff findet, dann ist das durchaus ein bedenkliches, wenn nicht gefährliches Ausmaß an Marktmacht. Ist China denn wirklich die einzige Instanz vor der diese Firma einknickt? Hier hat eine andere Suchmaschine die Stellung des Marktführers inne, nämlich das Eigengewächs Baidu. Bislang gibt es keine wirklich stichhaltigen Indizien dafür, dass Google seine Macht in irgendeiner Form missbraucht, um den Markt in korrupter Weise zu beeinflussen und wir wollen es am besten auch gar nicht beschwören. Dennoch sollten sich Politiker und Wirtschaftsgrößen ab und zu Gedanken darüber machen, was geschieht wenn der Gigant mal einen wirklichen Fehltritt landet. Kritiker gibt es freilich bereits zur Genüge, doch verhallen die Stimmen bislang weitestgehend ungehört von Entscheidern, in den Weiten des Internets.

05.08.2010