Gesichtskontrolle: Facebook Places
Offenbar sind es immer wieder dieselben Namen, die in der Datenwelt durch fragwürdigen Umgang mit der Privatsphäre der Anwender für Furore sorgen. Sozial verfolgbar sein soll cool werden.
Das Mega-Netzwerk Facebook ist kein unbeschriebenes Blatt in Sachen Datenschutz. Die Ängste der Anwender, dass private Informationen aus dem Portal heraussickern, wie Öl aus einer explodierten Bohrinsel, haben sich nicht unbedingt als grundlos erwiesen. Noch immer weiß niemand so recht, wie das nun eigentlich vonstatten geht mit dem Datenschutz des Zuckerberg-Imperiums. Nun macht eine Funktion von sich reden, die es anderen Nutzern erlaubt die eigene Position auf der Weltkarte einzusehen. Stolz verkündeten die Väter des sozialen Netzwerks, man könne nun mit dem Mobiltelefon mitteilen wo man, mit wem sei. Als wäre es absolut selbstverständlich, Dritten zu jeder Tages- und Nachtzeit preis zu geben, an welchem Ort der Erde man gerade sein Unwesen treibt. Erst letzte Woche wurde Street View von Google für eine an und für sich kaum kontrollierbare Überwachung angeprangert, bei Facebook möchte man wohl nicht nachstehen.
Das iPhone der vierten Generation ist dabei das wichtigste Gerät. Zwar können angeblich auch andere Smartphones für Facebook Places verwendet werden, doch nur das neueste Apple-Telefon funkte nach Verkaufsstart, meist unbemerkt vom Konsumenten, fleißig geografische Daten in alle Welt. Ein Versehen, wie man beim Hersteller versicherte. Doch die gesammelten – äußerst wertvollen – Informationen wurden freilich mitnichten gelöscht. Böse Zungen mögen diese Panne, die übrigens nicht das einzige technische Problem des iPhone 4 war, als erfolgreichen Testlauf für die GPS-Ortung durch das Gerät bezeichnen. Die schlauen Köpfe hinter dem neuen Ortungswahn wissen sicherlich, dass der durchschnittliche Anwender sich nicht mit komplexen Details seines Handys herumärgern möchte. Oder geht man etwa davon aus, dass die erste Handlung des Käufers die Überprüfung sein muss, ob das Gerät denn nicht standardmäßig die Position, die Bewegungsrichtung und –geschwindigkeit an den Hersteller übermittelt? Wenn dem so sein sollte, so muss man die Entscheider bei Apple wohl als realitätsfremd bezeichnen.
Für diejenigen, die sich als Technikfreaks bezeichnen oder Menschen, die häufig Attacken von Selbstvergessenheit anheim fallen und nicht mehr wissen wo sie sind, mag Facebook Places durchaus eine interessante Neuerung sein. Per GPS wird die eigene Position als sogenannter Post in das Netzwerk übertragen. Auf einer Karte können Freunde dann sehen, wo man sich gerade befindet. Auf diese Weise kann man gute Restaurants, die in der Nähe liegen ausmachen oder das nächste Schuhgeschäft ansteuern. Derartige Dienste werden künftig aus dem Boden schießen wie Pilze, denn es schlummern riesige monetäre Potenziale darin. Solange der Nutzer die Möglichkeit hat, genau einzusehen was gerade in seinem Netzwerk geschieht, was sein Handy tut und er derartige Funktionen ohne großen Aufwand deaktivieren kann, sollte man sie sicherlich nicht grundsätzlich verfluchen. Doch Facebook muss lückenlose Transparenz seiner Datenverwendung garantieren, um genug Vertrauen für ein lohnendes Geschäft zurückzugewinnen. Denn schließlich bestimmt die Nachfrage das Angebot und nicht umgekehrt – so ein Glück!
19.08.2010