Vergessene Technologie: RFID heute
Was konnte man noch vor ganz wenigen Jahren alles über RFID lesen. Es würde die Logistik revolutionieren und den Supermarkt der Zukunft ermöglichen und, und, und ...
Was ist geblieben vom einstigen Hype? Schaut man sich in der Industrie mal genauer um, so muss man feststellen: eine ganze Menge! Bisher hat es der kleine Ortungs-Chip noch nicht in die Wurstverpackung im Lebensmitteleinzelhandel geschafft, es ist also noch immer schnödes Kassengepiepse an der Tagesordnung; trotzdem bommt das Geschäft mit RFID mittlerweile ganz ordentlich. Wo früher der gestresste Lagerist schnell mal vergaß, wo er eigentlich die Palette mit hochsensiblen Ersatzteilen für die Industrieanlage gelassen hat, da hilft heute ein schneidiges, mobiles Gerät oder einfach der Computer.
RFID-Chips haben nämlich, relativ unbemerkt von Otto-Normalverbraucher, Einzug in die Lagerhaltung und Materialflüsse verschiedenster Branchen gehalten. Die kleinen Chips oder auch "Tags" speichern Informationen über Namen des Materials sowie seinen aktuellen, sagen wir mal "Aufenthaltsort" und helfen damit nicht nur dem schusseligen Lageristen, sondern tragen dazu bei, Prozessoptimierung auch für den Mittelstand zu ermöglichen. Produktionsabläufe, die nach dem "Just-in-Time"-Prinzip geplant werden, bei dem Lagerhaltung so gut wie unbedeutend ist, können präziser abgestimmt, Überversorgung oder Versorgungsenpässe vermieden werden. Selbst auf dem Schrottplatz ist demnach kein Herr Ludolf mehr vonnöten, um den Überblick zu behalten. Und so toll RFID an sich schon ist – es entwickelt sich weiter. Es gibt einen Ableger, einen Nachfolger sozusagen, der das Urmodell in den Schatten stellt. Unter dem Namen RTLS ist es mittlerweile bekannt, was soviel bedeutet wie "Real Time Localization System". Der Vorteil daran ist, dass es nicht nur den aktuellen Lagerungsort, der einmal eingespeichert wurde, aufzeigt, sondern ein Objekt sozusagen in Echtzeit verfolgt. Damit lässt sich feststellen, wo dieses in genau diesem Moment ist. Die Präzision des Materialflusses kann somit noch mehr gesteigert werden, da somit relativ genaue Antizipation möglich ist. Bewegt ein Bauteil sich unerwartet früh in Richtung Produktionshalle, so weiß der Monteur frühzeitig, dass er seinem Zeitplan nicht gerecht wird und nicht erst dann, wenn es die andere Seite des Bandes erreicht hat und dort unsanft Bekanntschaft mit dem Boden macht.
Wir Normalsterbliche warten indes auf das kassenfreie Einkaufen. Genug haben wir von gelangweilten Kassiererinnen. Das Pech, immer an der Kasse anzustehen, in der gerade der neue Mitarbeiter sitzt, der jeden Strichcode absurd schlecht findet, obwohl doch diese Verpackungen auch nur drei Dimensionen haben, soll uns nie wieder an den Fersen heften. Doch dies bleibt wohl vorerst ein Traum. Obwohl es bereits seit 2006 bei METRO entsprechende Versuche gab, hat sich der RFID-Chip im Supermarkt noch nicht etabliert. Ob er es noch tun wird, bleibt vorerst fraglich.
02.09.2010