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Google Scribe: Sätze richtig beend…

Überall hat Google mittlerweile die Finger im Spiel, möchte man meinen. Jetzt kommt ein Coup, der dem Nutzer im Web das Schreiben erleichtern soll – mit bislang bizarren Ergebnissen.


 

Ist der Nutzer darauf angewiesen online einen Text zu verfassen, so kann Google Scribe helfen. Das zumindest glauben seine Erfinder beim Web-Riesen. Gut, die Idee ist sicherlich aller Ehren wert, denn mit Hilfe statistischer Daten aus dem Web, werden Wörter und sogar angefangene Sätze sofort vervollständigt. Wenn so ein System ausgereift ist und nebenbei ein wenig Gedankenlesen gelernt hat, dann ist es eine durchaus sinnvolle und hilfreiche Sache. Wie immer so eine Sache bei Google: Daten. Diese kommen, wie sollte es anders sein, natürlich aus dem Internet und verraten der Anwendung, mit welcher Wahrscheinlichkeit, welche Ergänzung einer Formulierung gewählt werden wird. Die Vorschläge sind dann entsprechend sinnvoll.

Dass das Ganze bislang nur für englische Sätze funktioniert ist bei weitem nicht die groteskeste Eigenschaft von Google Scribe. So flattern bereits Berichte umher, in denen sich Nutzer beklagen, das Programm vertrete merkwürdige Ansichten. Das Wort Homosexualität werde mit Krankheit und Sünde assoziiert, der Begriff Sex einfach mal gar nicht in Sätzen berücksichtigt. „I want se..“ gab ein Anwender mutig ein und sah sich erstaunlichen Vorschlägen wie „see“, „serial“, oder auch „sell“ gegenüber. Verständliche Formulierungen sehen anders aus – von moderner Einstellung und Objektivität ganz zu schweigen. Die Frage ob Google spießig sei, wurde bei der „Zeit“ bereits gestellt und dieser kann man sich nicht nur anschließen, sondern sie auch – lehnt man sich mal etwas aus dem Fenster – mit einem recht sicheren ja beantworten. Schließlich liegt Kalifornien in den USA.

Doch selbst fernab von allen Klischees fallen negative Dinge ins Auge. Sprachliche Vielfalt dürfte bei Google Scribe, wenn sich nicht noch wirklich viel ändert, nämlich weitgehend auf der Strecke bleiben. Da Top-Listen von genutzten Worten erstellt werden, dürften bedrohte Begriffe aus Goethes Tagen hier akut vom Aussterben bedroht sein. Und was genau geschieht eigentlich, wenn die Deutschen viel mit Worten wie „Alter“ oder „boah ey“ um sich schmeißen? Schon sieht man Sätze wie „ich wohne in Bo….ah ey“ von Google Scribe vervollständigt - ein Traum. Achja: Zu langsam soll das Programm außerdem sein. Geübte Schreiberlinge werden somit schon längst beim nächsten – hoffentlich sinnvollen – Satz sein, bevor Vorschläge angezeigt werden. Im Zweifelsfall kann man das Ganze aber auch völlig deaktivieren. Glücklicherweise darf man nämlich, trotz Google, noch immer denken und schreiben was man will. Ob man beim Web-Konzern allen Ernstes der Ansicht ist, dass ein Programm die Vielfalt, Fantasie und Flexibilität des menschlichen Denkens ersetzen kann, darf man aber bezweifeln. Google hat bereits einige, viel diskutierte Experimente gewagt (aktuellstes Beispiel: Google Wave) und im Zweifelsfall wieder abgebrochen.

09.09.2010