Online Werbung: Bunter, häufiger - störender?
Eigentlich sollte es ja eine gute Nachricht sein: Online Werbung legt wieder einmal zu. In der Rückschau auf das Jahr 2004 kommen Internet Advertising Bureau UK und PricewaterhouseCoopers zu einer Erfolgsmeldung für die Internet Ads. Aber ganz ungetrübt ist die Freude nicht.
Zum ersten Mal übertreffen die Ausgaben für Online Ads die Budgets der Radiowerber. Zwar nur um 0,1 Prozent, aber immerhin, ein Kopf-an-Kopf-Rennen hat es im Ranking der Werbeausgaben bislang auch noch nicht gegeben. Im vergangenen Jahr wurden in Großbritannien 3,9 Prozent der Aufwendungen für Werbung ins Internet „investiert“. In US-Dollar macht das rund 1,2 Milliarden; im vereinigten Königreich rechnet man mit 653,3 Millionen British Pounds. Das ist eben mehr als die 3,8 Prozent, die für Werbung im Radio ausgegeben wurden. Aber wichtiger noch: Der Zuwachs lag gegenüber 2003 bei sage und schreibe 60 Prozent.
Den Grund für das Wachstum hat man in Great Britain auch schon gefunden: Das Breitband ist schuld. Die Marketer folgten nur ihrem Zielpublikum, erläuterte Guy Phillipson vom IAB UK. Und die sollen möglicherweise weniger Zeit mit dem Fernsehen verbringen und mehr beim breitbandigen Surfen.
Aber es sind nicht die Verluste bei den Werbeeinnahmen fürs Radio, die die Freude angesichts des Anstiegs bei der Online-Werbung ein wenig trüben (Obwohl, wenn ich es genau bedenke, wünsche ich zumindest meinen Lieblingsradiosendern auf unbestimmte Zeit ein ausreichendes Budget und würde sie nur äußerst ungern gefährdet sehen). Nein, was mir wirklich Sorgen macht, sind eher die hohen Zuwächse bei den Rich Media Werbeformen.
Letztes Jahr sollen schon 24 Prozent der Online-Werbebudgets auf Rich Media Anwendungen entfallen sein, haben die Experten von Jupiter Research neulich herausgefunden. Bis 2009 sollen es 56 Prozent sein. Das so genannte „Eyeblaster Format“, das in Form einer „floating ad“ den Bildschirm eines Nutzers im wahrsten Sinne des Wortes besetzt, hat schließlich bereits zwischen 2002 und 2004 gute 73 Prozent zugelegt.
Nicht nur ich empfinde diese Art der Werbung häufig als störend und suche des Öfteren zunächst vergeblich nach dem kleinen Kreuz zum Schließen – es ist wohl nicht ohne Grund recht gut versteckt. Nein, auch viele andere Internet Nutzer lieben diese Form der Werbung nicht, was ihr auch das gebräuchliche Attribut „invasiv“ einbrachte.
Wenn auch aus anderen Gründen, raten die Experten von Jupiter zur Vorsicht: Es bestehe große Gefahr der Übersättigung. Sie empfehlen jetzt schon Schritte einzuleiten, um die Frequenz, mit der Nutzer in Kontakt mit diesem Werbeformat treten, zu reduzieren. Damit soll auf längere Sicht die Effektivität dieser Online-Werbeform gesichert werden.
Nun denn, für besuchenswerte Angebote im Internet braucht man Geld. Das weiß ich nur zu gut. Dennoch hoffe ich ganz heimlich immer darauf, dass sich noch ein anderer Weg finden ließe - ECIN zum Beispiel könnte doch gute finanzkräftige Sponsoren vertragen, die auch mit dezenter Platzierung ihren guten Namen unterstreichen.
Und schließlich muss es wirklich nicht immer die Werbung mit dem Holzhammer sein. In dieser Woche haben wir über mindestens zwei ganz interessante werbende Angebote berichtet: www.date-a-dog.de und www.kelloggs.de sind doch ganz pfiffig…
07.04.2005 | Monika Gatzke