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Breitband erobert das Land

Autor: Dr. Jürgen Kaack  veröffentlicht am 03 Juli 2008  
 
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STZ-Consulting Group

In großen Ballungsgebieten sind schnelle Internet-Anschlüsse bereits eine Selbstverständlichkeit und auch ländliche Regionen erhalten langsam eine Verbindung zur breitbandigen Datenautobahn. Kommunen und Landkreise bilden Initiativen, um auch Usern in weniger dicht besiedelten Regionen des Landes die Möglichkeit zu bieten, Breitbandanschlüsse zu nutzen. Diese Entwicklung wird nicht nur kleinen und mittleren Unternehmen in solchen Regionen zugute kommen sondern auch dem ohnehin florierendem Breitbandmarkt einen weiteren Schub nach vorne geben.

Breitband ist das Wachstumssegment im Telekommunikationsmarkt

Der Telekommunikationsmarkt stagniert insgesamt nach Jahren starken Wachstums. Im Festnetzmarkt sind die Minutenvolumina in den letzten Jahren leicht rückläufig, da sich die Nutzung der Kunden in Richtung auf Mobilfunk und Voice-over-Internet-Potocoll (VoIP) verlagert. Auch der Mobilfunkmarkt wächst bei einer Penetrationsrate von derzeit 108 % an der Gesamtbevölkerung wesentlich langsamer als noch vor wenigen Jahren. Sowohl der Festnetztelefonie- als auch der Mobilfunkmarkt sind weitgehend in der Sättigung und beide durch Verdrängungswettbewerb gekennzeichnet.

Einzig der Breitbandmarkt gehört in Deutschland noch zu Marktsegmenten mit immer noch hohen Wachstumsraten. Dies ist bedingt durch einen im internationalen Vergleich immer noch gegebenen Rückstand, wie die folgende Graphik zum internationalen Vergleich zeigt. Eine Sättigung im Breitbandmarkt ist auch nach den Erfahrungen in Holland und den skandinavischen Märkten erst bei Erreichen einer Penetrationsrate von über 80 % zu erwarten. Mit einer Durchdringungsrate von ca. 50 % Anfang 2008 hat Deutschland in den nächsten Jahren noch erhebliches Wachstumspotenzial.

Dies wird von einer repräsentativen Befragung der IHK in der Region Bodensee-Oberschwaben bei Unternehmen von Ende 2007 deutlich. Die Breitbandversorgung ist aus Sicht der Unternehmen der drittwichtigste Standortfaktor nach dem Faktor Personalkosten und Straßenanbindung (diese beiden Faktoren sind aufgrund der Gegebenheiten in der Region sehr hoch bewertet. Das Ergebnis wird bestätigt durch Gespräche mit Vertretern von Kommunen aus anderen Regionen. So hat das z.B. Land Niedersachsen Anfang 2008 ein Breitband-Kompetenz-Zentrum geschaffen, das Kommunen bei der Sicherstellung der Breitbandversorgung beratend unterstützen soll. In NRW ist schon seit mehreren Jahren die Breitbandinitiative NRW im Auftrag der Landesregierung tätig.

Entsprechend sind die jährlichen Wachstumsraten bis 2007 sehr hoch gewesen, in den nächsten Jahren ist mit Bedienung der wichtigsten Regionen mit einem Absinken der Wachstumsrate auf immer noch beachtliche 16 % p.a. zu rechnen. Das Wachstum im Breitbandmarkt wird nach aktuellen Marktforschungsergebnissen nicht nur von der Präsenz der erforderlichen Breitbandnetze getrieben, durch ein verändertes Nutzungsverhalten steigt über die Nutzungszeit der Bedarf nach höheren Bandbreiten. Die für 2008 zu erwartenden Breitbandanschluss-Zahlen entsprechen einer Penetration in Höhe von fast 60 % aller Haushalte!

breitband 1

Vergleich der Breitband-Anschlusstechnologien

Bei einem Vergleich der verschiedenen Anschluss-Technologien zeigt sich in Deutschland im internationalen Vergleich eine Besonderheit. Ende 2007 waren nach einer Auswertung des Branchenverbandes Bitkom immer noch 96 % aller Breitbandanschlüsse in DSL-Technologie ausgebaut, knapp 4 % entfallen auf Kabelmodem der Kabelnetzbetreiber und eine sehr geringe Anzahl auf Satelliten-Technologie und andere Anschluss-Technologien. Mobile Breitbandanschlüsse spielen bei dieser Betrachtung noch keine Rolle. Zwar waren Ende 2007 bereits 10 Mio. UMTS-Anschlüsse registriert und bis Ende 2008 sollen es 16 Mio. Anschlüsse sein. Allerdings erfüllen erst Anschlüsse nach dem HSDPA-Standard die Anforderung nach Breitbandigkeit mit mehr als 1 MBit/s im Download. Trotzdem ist mittelfristig mit einer Konkurrenz durch schnelle Mobilfunkanschlüsse zu rechnen. Auf die Marktsituation wird dies kaum Einfluss nehmen, da die Mobilfunknetzbetreiber angekündigt haben, den HSDPA-Ausbau insbesondere in den Ballungsgebiete vor zu nehmen. Für ländliche Regionen ist der HSDPA-Ausbau in der Regel unwirtschaftlich, da der Zellenradius einer HSDPA-Basisstation nur ca. 1 km beträgt.

Die Deutsche Telekom hat im Jahr 2007 den neuen Breitbanddienst VDSL mit Bandbreiten von bis zu 50 MBit/s eingeführt. Die Netzinfrastrukturen wurden in Großstädten bereits weitgehend flächendeckend aufgebaut. Aufgrund regulatorischer Restriktionen wird dieser schnelle Breitband-Anschluss nur in Verbindung mit IP-TV ("Entertain") und ausschließlich an Privatkunden vermarktet. Über einen geplanten Netzausbau mit VDSL in ländlichen Regionen ist bislang nichts bekannt und es ist eher unwahrscheinlich, dass diese Technologie in einem mittelfristigen Zeitraum auch in der Fläche verfügbar sein wird. In vielen Regionen wird der Ausbau der bestehenden Telefonanschlüsse zu DSL-Anschlüssen duch die Deutsche Telekom oder einen alternativen Anbieter der schnellste und kostengünstigste Weg zur Schließung von Versorgungslücken sein. Aber auch für den Ausbau eines Hauptverteiler (HVT) fallen einmalige Investitionskosten in Höhe von ca. € 70.000 an, sowie Kosten für die Anbindung an ein Backbone. Auch für eine Kleinstadt müssen nicht selten mehrere HVT ausgebaut und angebunden werden. Ein alternativer Anbieter muss zudem die Portierungskosten in Höhe von € 39 je Kunde an die Deutsche Telekom zahlen (neben den Kosten für Marketing, Vertrieb, Billing, Kundenbetreuung etc.).

Als Alternative zu Leitungs-gebundenen Breitbandanschlüssen verspricht WiMAX als standardisierte Funklösung eine schnelle und kostengünstige Erschließung von insbesondere ländlichen Regionen. Auch bietet WiMAX die Möglichkeit, den Breitbandanschluss portabel und personenbezogen zu machen. In den letzten Monaten ist es allerdings sehr ruhig geworden um das Thema WiMAX. Nach der Versteigerung der Lizenzen vor fast 1,5 Jahren schien es zunächst neuen Schwung für WiMAX zu geben. Fünf Unternehmen haben damals Lizenzen für den Netzaufbau mit WiMAX erworben. Bei zwei dieser Unternehmen gab es in der Zwischenzeit Veränderungen in der Geschäftsführung und einer der Lizenzinhaber ist anscheinend immer noch nicht in Deutschland tätig geworden. Dabei ist der Lizenzerwerb verbunden mit der Verpflichtung zu einer Mindestversorgung in der erworbenen Lizenzregion. Aus Sicht des Autors ist es unwahrscheinlich, dass diese Verpflichtungen eingehalten werden können.

Ein möglicher Grund für den zurückhaltenden Netzaufbau liegt in der Verfügbarkeit von Netzinfrastruktur nach dem mobilen WiMAX-Standard. Die Hersteller werden voraussichtlich bis Ende 2008 entsprechende Infrastruktur-Komponenten in ausreichender Stückzahl verfügbar sein. Bis zu diesem Zeitpunkt geht der Ausbau der Breitbandnetze in Deutschland weiter, so dass auch die verbleibenden Lücken kleiner werden. Dabei ist es offensichtlich, dass zunächst die "attraktiveren" Regionen mit höherer Bevölkerungsdichte und leichterer Anschließbarkeit ausgebaut werden. Trotzdem bleibt eine Chance für WiMAX, wenn der Netzausbau bald und nachdrücklich erfolgt. Allerdings wird WiMAX auch mittelfristig ein Nischenprodukt bleiben. Es ist unwahrscheinlich, dass der Marktanteil der WiMAX-Anschlüsse an die Marke von 10 % an allen Breitbandanschlüssen (mit mehr als 1 MBit/s. Bandbreite) heran reichen wird. Je länger es mit dem Ausbau dauert, desto geringer wird der zu erzielende Marktanteil wohl liegen, da im Vergleich zu DSL-Anschlüssen kaum Preisvorteile möglich sein werden.

Die Investitionen für den Aufbau eines WiMAX-Netzes sind auch nicht unerheblich. Für eine Basisstation mit sechs Sektoren sind ca. € 100.000 zu veranschlagen, für einen Rundstrahler mit einem Sektor ca. € 20.000 und für die Anbindung an ein Backbone-Netz ca. € 25.000. Schließlich sind noch Kosten für Infrastrukturmaßnahmen (z.B. Mast) in Höhe von ca. € 5.000 zu rechnen. Nicht unerheblich sind auch die Funkmodems je Teilnehmer, die mit steigenden Teilnehmerzahlen bei ca. € 100 liegen werde.

Kleinere Ortschaften werden versuchsweise mit einer lizenzfreien WiFi / WLAN-Technologie versorgt. Dies kann grundsätzlich eine Alternative für eine leitungsgebundene Versorgung sein, bedeutet aber eine hohe Eigeninitiative in den Kommunen und das Vorhandensein von technischen Experten für Netzplanung und Aufbau. Ein wesentliches Problem dieser Art von Netzaufbau ist oft die Sicherstellung der notwendigen Anbindung an vorhandene Backbone-Netze sowie die Umsetzung hochwertiger Sprachdienste.

Nur in wenigen Fällen wird eine Entscheidung für eine einzelne Technologie ausreichen. Mithilfe von Funktechnologien lassen sich schnell Versorgungslücken schließen, über den Ausbau der Hauptverteiler (HVT) der Deutschen Telekom, um einen schnellen DSL-Anschluss zu realisieren bis hin zur Verlegung von Glasfasern bis zum Hausanschluss (FTTH). Mit einem Glasfasernetz können die bereits gegebenen Bandbreitenbedürfnisse vieler Unternehmen abgedeckt und zukünftige Anforderungen von Organisationen und Privathaushalten befriedigt werden.

Breitband-Anwendungen entwickeln den Markt

Die Entwicklung der Breitbandanschlüsse wird wesentlich getrieben von den hiermit möglichen Anwendungen. Es hat sich im Marktumfeld eine Industrie mit entsprechenden Informations- und Unterhaltungsangeboten herausgebildet, die international bereits heute signifikante Umsätze erzielt.. Ein zunehmend interessanteres Angebot an entsprechenden Diensten (Informationen, Musik, Videos, Spiele etc.) wird auch für eine weiter steigende Nachfrage nach zunehmend höheren Bandbreiten im Anschlussbereich sorgen.

Aber auch "ernsthafte" Anwendungen im Bereich der Gesundheitsversorgung mit Telemedizin, in der Bildung, für die Verkehrsleitung und in der Wirtschaft führen zu einem steigenden Bandbreitenbedarf. Während in Deutschland noch nicht mal jede Schule mit DSL versorgt ist, werden in den Niederlanden bereits viele Schulen mit Glasfaser-Anschlüssen versorgt, da der Bandbreitenbedarf bis auf 1 GBit/s gestiegen ist. Den Bereich der Wirtschaft hat die Breitbandnutzung schon längst erreicht, aber neue Anwendungen können zusätzlichen Nutzen schaffen. Schließlich gibt es auch im öffentlichen Verwaltungswesen eine Reihe von Anwendungen, die mittels Breitbandlösungen effizienter und schneller erledigt werden können. Im Rahmen von Initiativen und Feldversuchen werden neue Anwendungen im Hinblick auf Akzeptanz und Nutzen erprobt. Einer der umfassendsten Tests findet mit einer Laufzeit bis 2012 derzeit in Friedrichshafen mit dem T-City Projekt statt (www.t-city.de).

Kooperationsmodelle für Breitband-Anbieter

Nicht nur die großen national tätigen Netzbetreiber können dünnbesiedelte Regionen nur schwer wirtschaftlich ausbauen, auch alternative Anbieter mt flexiblen Strukturen und modernen Technologien kommen schnell an Grenzen. Erfolgversprechend sind daher Kooperationen zwischen verschiedenen Unternehmen. Kooperationsmodelle für die Schließung von Versorgungslücken im ländlichen Raum sollten sich an der Wertschöpfungskette im Breitbandmarkt orientieren. Diese unterscheidet sich kaum von derjenigen für andere Telekommunikations-Dienste und ist in erster Linie von der gewählten Anschlusstechnik abhängig.

Bei der Umsetzung der möglichen Lösungen bieten sich unterschiedliche Kooperationsmodelle an, die von der Art der Geschäftspartner und der angestrebten Anwendung abhängen. Zu den grundsätzlich möglichen Kooperationsmodellen (hier am Beispiel des Netzaufbaus mit WiMAX) gehören:
- die Vergabe einer Sublizenz und der eigenständige Netzaufbau durch den Geschäftspartner,

- ein Joint-Venture für das gesamte Geschäft vom Netzaufbau bis zur Vermarktung bei einer Aufteilung von Investitionen, Risiken und Erträgen,

- ein Netz-Joint-Venture nur für den Netzbetrieb und eine Vermarktung nur durch den Partner,

- Realisierung und Betrieb des Netzes durch den WiMAX-Lizenznehmer und Übergabe des Datenstroms an der Basisstation, Connectivity, Diensterealisation und Vermarktung durch den Partner,

- Aufbau und Betrieb des Netzes durch den WiMAX-Lizenznehmer und Vermarktung des fertigen Dienstes über Reseller (analog dem DSL-Geschäftsmodell der Deutschen Telekom),

- Sonderlösungen, die WiMAX-Betreiber für Großkunden erbringen.

Breitband 2

In der Arbeitsteilung übernimmt der WiMAX-Lizenznehmer bei allen Modellen außer der Vergabe von Sublizenzen den Aufbau und den Betrieb des funktechnischen Zugangsnetzes und die Kooperationspartner übernehmen fallweise die Ausgestaltung des Dienstes und die Vermarktung an die eigenen Zielgruppen. Ein interessierter Geschäftspartner kann dann das WiMAX-Netz als Übertragungsstrecke und Zugang zum Kunden nutzen, um die eigenen Dienste und Lösungen zu realisieren. Dies ist wichtig, weil es sich bei WiMAX um eine komplexe Funktechnik handelt, die nicht so problemlos aufgebaut werden kann wie z.B. WLAN-Zellen. Ohne eine sorgfältige Funknetzplanung, die sich an der Topografie der auszuleuchtenden Region orientiert, können keine gute Versorgung und insbesondere keine NLOS-Auslegung erreicht werden. Daher ist es von Vorteil, wenn die WiMAX-Lizenznehmer diese anspruchsvolle Aufgabe übernehmen.

Als Geschäftspartner kommen vermutlich in erster Linie regionale Netzbetreiber und Citycarrier in Betracht, für die die herkömmliche DSL-Versorgung abgelegener und ländlicher Gebiete aufgrund der Leitungsdämpfung unwirtschaftlich ist. Auch Industriebetriebe mit ausgedehntem Betriebsgelände oder Flughafenbetreiber kommen als Partner der WiMAX-Lizenznehmer in Betracht. Auf diesem Wege können bis auf den einen oder anderen Glücksritter viele der Lizenzanwärter aus der misslungenen Ausschreibung vom Februar doch noch bei der WiMAX-Nutzung zum Zuge kommen. Bei einem Geschäftsmodell als Reseller kommen natürlich auch andere Anbieter in Betracht wie z.B. MVNOs, Service Provider und Voice-Reseller, Anbieter von Calling Cards und Internet Service Provider (ISPs). Für VoIP-Anbieter kann die Zusammenarbeit mit WiMAX-Anbietern zur Schaffung eines Komplettangebotes beitragen. Aber auch für System- und Lösungsanbieter, die höherwertige Lösungen für Geschäftskunden realisieren (z.B. VPNs), kann eine Kooperation mit einem WiMAX-Netzbetreiber sinnvoll sein.

Die Kooperationsbereitschaft wird wohl bei den drei deutschlandweit antretenden Lizenz-Anwärtern ausgeprägt sein und vermutlich alle möglichen Kooperationsvarianten beinhalten. Da diese Unternehmen noch keinen direkten Zugang zu den Zielgruppen und auch kein umfassendes Diensteangebot haben, ist eine schnelle Marktdurchdringung ohne hohe Vermarktungskosten nur auf dem Wege einer flexiblen Kooperation mit möglichst vielen kundennah agierenden Partnerunternehmen möglich. Allerdings hat Clearwire in den anderen Märkten eine Politik verfolgt, die auf weitergehende Kooperationen verzichtet hat. Dies kann aber in Deutschland natürlich auch wieder anders aussehen.

Bei den drei an regionalen Lizenzen interessierten Unternehmen ist eine Kooperationsbereitschaft sicherlich gegeben, da hier durchaus auch zu erwarten ist, dass WiMAX schwerpunktmäßig als Übertragungstechnik genutzt wird, um die eigene Wertschöpfung zu vertiefen und das bestehende Angebotsportfolio zur Verbesserung der Wettbewerbsposition zu verbreitern. Grundsätzlich spricht für diese Unternehmen nichts gegen Geschäftspartnerschaften. Allerdings werden sich Kooperationen wohl weniger auf der Ebene von Sublizenzen abspielen als eher bei Reseller-Modellen zur Erhöhung der vertrieblichen Reichweite. Auf diesem Wege erleben wir möglicherweise in Deutschland auch einen Wettbewerb der unterschiedlichen Geschäfts- und Kooperationsmodelle.

Chancen für kleinere Carrier mit regionalem Bezug

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass zwar die Zahl alternativer Breitband-Anschlusstechniken steigt, aber für Regionen außerhalb der Ballungsgebiete bleibt es auf absehbare Zeit bei DSL als der dominierenden Technologie. Die großen Netzbetreiber, einschließlich der Deutsche Telekom nehmen den Netzausbau unter wirtschaftlichen Kriterien vor, so dass kleinere Städte und Kommunen auch in den nächsten Jahren Probleme haben werden, die Nachfrage nach Breitbandanschlüssen zu befriedigen bzw. das Entstehen von Standortnachteilen zu verhindern. Dies schafft Marktchancen für kleinere und Anbieter, die mit flexiblem Vorgehen und unter Einsatz der optimalen Infrastruktur Wettbewerbsvorteile erzielen können. Im Vorteil sind dabei solche Anbieter, die über vorhandene Kontakte und Netzwerke in den jeweiligen Regionen verfügen, so dass der Vertriebsaufbau schnell und mit niedrigen Kosten von statten gehen kann.

Die Erfolgsfaktoren für das Geschäft als kleiner Netzbetreiber mit regionalem Fokus sind:
- Carrier-Management

- Kunden- / Marktnähe (Kenntnisse über Zielgruppen und Vertriebspartner)

- Systemführerschaft im Technikumfeld und bei der Systemauswahl

- Bonitätsprüfung für Neukunden

- Forderungsmanagement

- Automation des Workflows und der Prozesse

Werden diese Erfolgsfaktoren nicht erfüllt, erhöhen sich die Risiken. Insbesondere das Carrier-Management und die Systemkompetenz sind ohne Erfahrungen in dem spezifischen Telekommunikationsgeschäft kaum auf zu bauen.

Kommunen müssen Eigeninitiative entwickeln

Da die Versorgung mit Breitbandanschlüssen nicht zur Grundversorgung gehört, werden insbesondere ländliche Regionen nicht mehr aus Eigenantrieb der Netzbetreiber ausgebaut. Daher verbleibt es entweder dem Zufall oder der Eigeninitiative der Kommune, ob und wann Breitbandanschlüsse bereitgestellt werden können. In einigen Bundesländern gibt es Organisationen, die die Kommunen bei der Konzeption und der Auswahl der Anbieter unterstützen.

Typischerweise gibt es in vielen Kommunen keine ausgewiesenen Kompetenzen im Breitbandbereich und keine eindeutigen Zuständigkeiten. Daher fällt schon die grundsätzliche Bearbeitung von Fragestellungen rund um die Breitbandversorgung nicht selten schwer. Oft müssen Kommunen alleine, oder vertreten durch die Wirtschaftsförderungs-Gesellschaften, auf die Suche nach dem richtigen Anbieter gehen und nach einer Vorauswahl erste Gespräche führen. Dabei hat es sich bewährt, wenn schon im Vorfeld Information über Marktpotenziale und konkrete Nachfrage gesammelt werden. Auch ist es hilfreich, einen Kriterienkatalog für die Auswahl zu erstellen. Auf jeden Fall sollten mehrere Anbieter zu einem Termin eingeladen werden, um die unterschiedlichen Konzepte vergleichen zu können. Für die Erhebung von Marktinformationen ist eine aktive Öffentlichkeitsarbeit hilfreich und notwendig. Die Koordination der unterschiedlichen beteiligten Ämter, Organisationen und Unternehmen ist schon für sich gesehen eine anspruchsvolle Aufgabe.

Für die Projektarbeiten von den Voranalysen über die Anbieterauswahl bis zur eigentlichen Umsetzung kann die Gründung einer Breitbandinitiative sinnvoll sein, in der Mitarbeiter sich schwerpunktmäßig nur diesem Thema widmen. Damit dies erfolgreich sein kann, muss ein Budget bereitgestellt werden und möglichst alle betroffenen Gruppen frühzeitig eingebunden werden. Der Erfolg hängt nicht unwesentlich an der Motivation und Erfahrung des Leiters der Breitbandinitiative. Auf Landesebene kann die Schaffung eines Breitbandkompetenz-Zentrums vorteilhaft sein, um die Kommunen bei der Bearbeitung von Fragestellungen rund um die Breitbandversorgung zu beraten und zu unterstützen. Ein wichtiges Element der Unterstützung wird die Beratung bei der Finanzierung sein. Für die Projektarbeit kann neben öffentlichen Budgets die Nutzung von Fördermitteln in Betracht kommen.

Es lässt sich nicht vorhersagen, ob im Einzelfall einer der nationalen Anbieter besser geeignet ist als ein kleinerer, regional tätiger Carrier. Bei letzterem sollte geprüft werden, ob er die technische Kompetenz und eine ausreichende Kapitaldecke hat, um den Netzausbau zu stemmen. Bei den nationalen Anbietern stellen sich diese Fragen nicht. Dafür kann hier entscheidend sein, wer das wirtschaftliche Risiko trägt und wer Vorleistungen zahlt. Vor dem Hintergrund der Haushaltssituation vieler Kommunen kann dies das Ende entsprechender Pläne sein.

Nicht in jedem Fall wird es gelingen, einen Anbieter für die Schließung der Versorgungslücken zu gewinnen, da die Analyse unterschiedliche Technologien zur Umsetzung erfordert. Auch ist gerade in Dünnbesiedelten Regionen das wirtschaftliche Risiko u.U. höher als in Dichtbesiedelten Regionen. In diesen Fällen kann der Aufbau einer eigenen Betreibergesellschaft sinnvoll sein, um so für die Anbieter von Diensten das Investitionsrisiko zu reduzieren und die optimalen Anschlusstechnologien zu nutzen. Eine solche Betreibergesellschaft soll z.B. im Hochsauerlandkreis gegründet werden, um die bestehenden Versorgungslücken schnell und zukunftssicher zu schließen.

In welcher Form eine regionale Betreibergesellschaft gegründet werden sollte, hängt von den jeweiligen Gegebenheiten ab. Fallweise kann eine Public-Private-Partnership mit kommunalen Einrichtungen (z.B. den Stadtwerken) für die Umsetzung hilfreich sein. Auf diesem Wege kann eine engere Bindung der Kommune erreicht werden, sowie eine Differenzierung gegenüber anderen (insbesondere überregional tätigen) Anbietern. Die Kommune kann z.B. Eigenleistungen einbringen, die nicht unmittelbar mit finanziellen Belastungen verbunden sind, die Kosten für den Netzbetreiber aber senken. Hierbei kann es sich u.a. um die Nutzung von Leerrohren und Gebäuden handeln, Serverleistungen und die Unterstützung bei der Vermarktung durch Informationsveranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit.

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