Alternative Zahlungssysteme fürs Internet Hot

Autor: Ansgar Hein  veröffentlicht am 12 April 2004  

liberECO_logoVon der Kreditkarte bis zur Premium-SMS: Die Palette der Bezahlmöglichkeiten im Netz ist heute fast ebenso vielfältig wie unübersichtlich. Was für höhere Beträge sinnvoll erscheint, kann bei der Begleichung von Kleinstbeträgen zum Renditekiller werden. Eine aktuelle Übersicht, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Eigentlich hatten sich viele vom 14. Dezember 2003 einen Ruck im Markt der Zahlungssysteme erhofft. Zu genau jenem Zeitpunkt trat eine weitere Stufe zur Regulierung des Missbrauches von Webdialern in Kraft, wonach dann nur noch die Vorwahl 0900 - 9 für Dialer genutzt werden darf. Der Vorteil dieser Aktion liegt auf der Hand: diese so genannte „Dialer Gasse“ ließe sich gezielt als Rufnummern-Block sperren und somit wären Verbraucher besser vor Missbrauch von Dialern geschützt.

Leider fällt mit dem Webdialer ein weiteres anonymes Zahlungssystem aus der Palette der bisherigen Abrechnungssysteme - zumindest für die meisten seriösen Anbieter -weg. Die Hoffnung der Anbieter verschiedener Lösungen war groß, dass die "Dialer-Lücke" durch ein anderes System gefüllt würde. Aussichtsreichste Kandidaten hierfür sind jene Zahlungssysteme, die mit Hilfe von mobilen Mehrwertdiensten die Bezahlung von Inhalten oder Produkten ermöglichen. Bekannt geworden ist das Bezahlen mit dem Mobiltelefon in Deutschland durch den Anbieter Paybox, der aber leider im Januar 2003 gescheitert war. Die Idee hinter Paybox war so einfach wie genial und zudem nicht nur auf das Bezahlen im Internet beschränkt. Kein Wunder also, dass es mit Moxmo seit kurzem einen Anbieter gibt, der in die Fußstapfen von Paybox tritt und damit die Tradition des Handy-Bezahlsystems fortführt. Um mobiles Geld fließen zu lassen, muss man sich als Benutzer bei Moxmo anmelden. Gegen Entrichtung einer Jahresgebühr erhält man eine PIN, mit deren Hilfe man dann im Internet einkaufen kann. Zumindest dort, wo Moxmo als Bezahlvariante genutzt wird. Nutzer, die bereits über eine Paybox-PIN-Nummer verfügen, können diese auch bei Moxmo nutzen.

Doch nicht nur Moxmo ist im mobilen Bezahlsektor tätig. Auch Kim Schmitz, vielen besser als Kimble bekannt, hat vor einigen Jahren mit monkeybank auf sich aufmerksam gemacht. Das monkeybank-Prinzip beruht auf ähnlichen Verfahren, wie das Moxmo-Konzept, allerdings gibt es außer zwei Hinweisen auf Patente keine Informationen zu Kunden oder der praktischen Anwendung. Ein Papiertiger also. Während man bei Moxmo alle Mobilfunkkunden erreichen kann, gibt es beispielsweise mit Vodafone m-pay ein System, mit dem lediglich Vodafone-Kunden bezahlen können. Eine ähnliche Version, wenngleich nicht mobil, offeriert die Deutsche Telekom mit T-Pay Pay-by-Call, einem dem Dialer nicht unähnlichen Konzept, allerdings mit Medienbruch, denn man muss die Leitung kappen, wenn man nicht über ISDN verfügt.

Die Beliebtheit von SMS in Deutschland ist ungebrochen. Diesen Trend haben sich die Mobilfunkunternehmen und Anbieter von mobilen Dienstleistungen zunutze gemacht und mit Premium SMS eine Bezahlvariante entwickelt, die für Kleinstbeträge hervorragend geeignet ist und Bezahlungen von Beträgen bis zu 10 EUR auf anonyme Art und Weise ermöglicht. Auch Fernsehstationen haben diese Möglichkeit des Bezahlens entdeckt und seriöse Sendungen, wie „Wer wird Millionär?“ auf RTL beweisen, dass in dieser Bezahlvariante eine Menge Potential steckt.

Kleinstbeträge, auch Micropayment genannt, sind bereits seit mehreren Jahren das Hauptanliegen vieler Anbieter von Zahlungssystemen. In der Vergangenheit gab es nur wenige Systeme, die sich um die Abrechnung von Kleinstbeträgen bemüht haben – zu hoch waren zumeist die Transaktionsgebühren für einen einzelnen Kauf. Dadurch wurden viele Systeme für Webmaster und Shopanbieter unwirtschaftlich, kamen demzufolge gar nicht erst für die Abrechnung in Frage. Mit Firstgate click&buy gibt es jedoch auch in diesem Bereich eine gute Alternative und auch Web.Cent von Web.de bietet ein ähnliches System. Völlig neue Wege geht hingegen Peppercoin, allerdings ist die Entwicklung hier noch im Beta-Stadium. Alle hier beschriebenen Micropayment-Systeme funktionieren in etwa gleich. Entweder man zahlt ein Guthaben ein oder man erhält zum Monatsende eine Abrechnung als Endkunde.

Als Micropayment-System war ursprünglich auch PayPal ausgelegt. Durch den Aufkauf von PayPal durch eBay wurde das System für Millionen von eBay-Kunden zugänglich und verbreitete sich rasend schnell im Internet. Mit PayPal lassen sich nicht nur Beträge bezahlen, sondern auch auf andere PayPal-Konten überweisen. Das Prinzip hinter PayPal sieht vor, dass man ein virtuelles Konto führt, auf das man Beträge von seinem echten Konto überweisen kann, aber auch von seinem PayPal-Konto wiederum zurück auf sein reales Konto transferieren kann. Das Prinzip funktioniert sowohl für Kleinstbeträge, als auch für normale Käufe im Internet, wie zum Beispiel auf eBay.

Hinter den Kulissen von PayPal wirken aber dennoch die gleichen Zahlungssysteme, wie sie schon zu Beginn des eCommerce zur Verfügung standen: Abrechnung via Kreditkarte oder die Bezahlung per elektronischem Lastschriftverfahren. Sind diese Bezahlverfahren nun die großen Gewinner? Aktuellen Studien zufolge haben weit mehr als die Hälfte aller Online-Einkäufer Vertrauen in diese Systeme, denn sowohl die Bezahlung per Kreditkarte als auch das Bezahlen per Lastschrifteinzugsverfahren ist den Konsumenten aus dem Leben abseits des Computers geläufig. Inzwischen hat die Kreditkarte in Deutschland auch eine angemessene Verbreitung, Tendenz deutlich steigend. Gut möglich also, dass sich die Kreditkarte also behaupten kann. Dagegen spricht allerdings eine restriktive Entwicklung bei den Big-Playern im Kreditkartengeschäft, wie beispielsweise VISA oder MasterCard. Als Clearingstelle für Kreditkarten sind seit Anfang des Jahres noch strengere Auflagen in Kraft getreten und das so genannte Third-Party-Clearing, also Clearing mit einem eigenen Merchant-Account (Kreditkarten-Akzeptanz-Vertrag), wird somit wohl der Geschichte angehören, da von den Kreditkarten-Gesellschaften immer mehr Risiken auf die Clearing-Unternehmen abgewälzt werden. Das Lastschriftverfahren hingegen leidet unter dem Nachteil, dass Shopbetreiber bis zu 6 Wochen damit rechnen müssen, dass die Lastschrift retourniert wird. Manche Anbieter von Zahlungssystemen haben daher hohe Holdbacks, was häufig dazu führt, dass sich Webmaster gegen die Lastschriftabrechnung entscheiden.

Als hoffnungsvolles und extrem sicheres Zahlungssystem für das Web galt lange Zeit die GeldKarte. Durch den wiederaufladbaren Chip auf der EC-Karte können Beträge nicht nur online, sondern auch offline ausgegeben werden. Leider sind dazu teure Klasse-3-Lesegeräte auf Anwenderseite notwendig, die zudem zertifiziert sein müssen. Weiterhin ist zusätzliche Software notwendig, um den Bezahlvorgang im Shop einzuleiten und nicht zuletzt muss der Shop diese Art der Bezahlung unterstützen. Kein Wunder also, dass es eine gegen Null strebende Verbreitung dieses Systems gibt.

Die meisten Verfahren leiden unter der fehlenden Authentifizierung des Benutzers, also der eindeutigen und ausdrücklichen Bestätigung, dass ein Bezahlvorgang durch eine bestimmte Person eingeleitet wurde. Im Gespräch ist hierzu seit langem bereits die digitale Signatur, die aber immer noch auf sich warten lässt. Und so zahlen die meisten Internetkäufer weiterhin am liebsten per Vorkasse, Nachnahme oder Rechnung. A propos Rechnung: den Betrag online zu überweisen ist für die meisten Internet-Einkäufer schon zur Selbstverständlichkeit geworden. Ein neuartiger Ansatz, der das Bezahlen via Überweisung direkt vom Shop aus ermöglicht, ist seit kurzem im Einsatz. liberECO bietet mit ECObanking ein Verfahren, das auf einem Java-Servlet basiert und mit starken Verschlüsselungsmechanismen arbeitet, um höchstmögliche Sicherheit nach dem Banken-Standard zu garantieren. Der Vorgang ist denkbar einfach: der Endkunde legt im Applet sein eigenes Profil an, er wird nach seiner Bankleitzahl und seiner Kontonummer gefragt und kann dann aus einer Liste seine Bank auswählen. Dieses kann er dann später bei Bedarf wieder aufrufen.

Mit einer PIN-Nummer, die der Kunde für das Online-Banking mit seiner Bank benötigt, bestätigt er nun die Auswahl der Bankverbindung und erhält vom Applet ein vorausgefülltes Bankformular zurückgeliefert. Hier sind bereits alle Daten vom Shop und vom Kunden eingetragen und der Kunde kann nun bequem durch Eingabe einer gültigen TAN-Nummer die Transaktion bestätigen. Auf diese Weise wird eine für alle Beteiligten sichere und schnelle Bezahlvariante geboten, die zudem die Authentizität der Bezahlung garantiert.

Zurück in die Zukunft könnte demzufolge der Trend für erfolgreiche Zahlungssysteme im Internet heißen. Bezahlung per Überweisung für Einkäufe mit höheren Beträgen, Abrechnung via Premium SMS für Kleinstbeträge und die klassischen Verfahren, wie Lastschrift oder Kreditkarte als Ergänzung für Shopbetreiber. Wie bei vielen Dienstleistungen wird es wohl auf den richtigen Mix ankommen, um dem Endverbraucher das für ihn passende Zahlungssystem anzubieten.

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