Prepaidkarten – Eine echte Alternative?

Autor: Redaktion ECIN  veröffentlicht am 12 Juli 2001  
 
0.0 (0)
Bewertung schreiben
0
Inhalt weiterempfehlen / teilen:

Was spricht nicht alles gegen das digitale Bezahlen beim Online-Shopping. Die Liste scheint endlos: Mangelndes Vertrauen in die Übertragung sensibler Kreditkartendaten, fehlende Anonymität beim Bezahlen, zu jung für eine eigene Kreditkarte etc. Die Verfechter des Prinzips „Vorabkasse“ versprechen jetzt Abhilfe.

Zunächst einmal besitzen Prepaidkarten deutliche Vorteile gegenüber anderen digitalen Zahlungssystemen wie beispielsweise Wallet-Lösungen (wie die inzwischen eingestellten Angebote eCash und CyberCoin). Sie sind nicht an Rechner gebunden und können so auch für den Online-Einkauf in Internet-Cafés, an Universitäten oder vom Arbeitsplatz aus genutzt werden.

Doch auch für Prepaidkarten gilt: Der Erfolg einer digitalen Payment-Lösung steht und fällt mit einer raschen Marktverbreitung des Systems. So mag der europäische Entrepreneur Paysafecard zwar voller Stolz auf einen Kundenstamm von ca. 150 angebundenen Online-Shops blicken, von denen auch etwa 60 eTailer bereits die Zahlung per Prepaid-Karte eingebunden haben, doch ob ihm dies schon zu einer echten Marktdurchdringung verhilft, muss bezweifelt werden. Denn die Referenzliste enthält zum Großteil eher kleinere und unbekanntere Anbieter und stellt bislang mitnichten ein „Who is Who“ des eCommerce dar. Online-Shopper werden sich jedoch nur dann zum Kauf einer Prepaidkarte bewegen lassen, wenn sie sicher sein können, dass diese Zahlungsvariante auch bei ihren Lieblingsshops auf Akzeptanz stößt.

Paysafecard
Seit Ende Mai bietet die österreichische Paysafecard AG ihre Dienste auch den deutschen Internet-Nutzern an. In Österreich ist das Verfahren der Wertkarten-Anbieter dagegen schon seit acht Monaten auf dem Markt. Nach eigenen Angaben ist die gleichnamige „paysafecard“ Europas erste Prepaidkarte fürs Online-Shopping. Mit ihr soll risikofrei und ohne Angabe von persönlichen Daten im Internet einkauft werden können und das auch noch vergleichsweise unkompliziert. Ebenso wie bei den im Voraus bezahlten Karten im Handy-Geschäft muss der Kunde einen PIN-Code freirubbeln, mit dem er dann in angeschlossenen Online-Shops auf Einkaufstour gehen kann. Um die Prepaid-Karte vor Missbrauch zu schützen, besteht die Möglichkeit vor dem ersten Gebrauch ein persönliches Passwort auf der Website von Paysafecard zu vergeben. Dadurch hat der Nutzer die Gewissheit, dass niemand ohne Kenntnis des Passworts mit der eigenen Karte einkaufen kann.

In Deutschland kann die Prepaid-Karte zurzeit in Filialen des Bertelsmann-Buchclubs sowie der Commerzbank erworben werden. Als nächstes sollen die Tankstellen-Ketten ESSO, Total, Fina, Elf und Avia sowie Internet-Cafés, Tabakhandlungen und Lotto-Toto-Annahmestellen folgen. Bis Ende 2001 will man es bundesweit auf 5000 Vertriebsstellen bringen.

Ein Schritt zur Vergrößerung des Mehrwerts der paysafecard ist die Integration der zusätzlichen Funktion als Prepaid-Telefonkarte, wie es bereits in Österreich seit April der Fall ist. Aber auch der stationäre Handel soll folgen. Wie Armin Sageder, Vorstandssprecher von Paysafe Deutschland, mitteilte, will man damit dem Umstand Rechnung tragen, dass viele erfolgreiche Online-Shops auch über Offline-Standbeine verfügen und der Kunde auch dort seine Prepaid-Karte einsetzen will bzw. soll.

Insbesondere die Gruppe der unter 18jährigen (Nicht-Kreditkartenbesitzer) soll für die Paysafecard begeistert werden. Extra für diese Gruppe wurden gleich zwei Varianten der paysafecard auf den Markt gebracht: eine rote < 18 Card für alle Jugendlichen sowie eine blaue Classic Card, die es erst ab 18 zu kaufen gibt.

Auf nicht jugendfreien Seiten können mit der „Junior-Karte“ keine Waren und Dienstleistungen erworben werden. Dabei ist in Österreich etwa jede dritte verkaufte paysafecard eine „U18 Prepaid-Karte“.

Nichts ist bekanntlich für die Ewigkeit bestimmt, so auch nicht das Guthaben auf der paysafecard. Zwar ist die paysafecard so lange gültig, wie es ein Guthaben gibt, doch...und hier folgen wir der offiziellen Verlautbarung der Betreiber „...wird mit dem Beginn des ersten Kalendermonats im dritten Jahr nach erstmaliger Verwendung der paysafecard bzw. mit dem Beginn des ersten Kalendermonats im vierten Jahr ab der Produktion der Karte eine Verwaltungsgebühr von 2 Euro pro angefangenem Kalendermonat erhoben.“ Oder einfacher ausgedrückt: Wer länger als zwei Jahre keinen Gebrauch von seiner paysafecard macht, muss damit rechnen, vom Betreiber eine „Verwaltungsgebühr“ in Höhe von 2 Euro pro Monat aufgebrummt zu bekommen. In Anbetracht des jüngsten Urteils des Bundesverfassungsgericht zur Gültigkeit von Telefonkarten dürfte diese Regelung zumindest für etwas Verwirrung beim Kunden sorgen.

Für Online-Händler verursacht die Implementierung der paysafecard-Funktion erst einmal keine weiteren direkten Kosten. Im Gegensatz zu vielen anderen Zahlungsmittelanbietern erhalten die Shop-Betreiber die benötigte paysafecard Applikation kostenlos. Auch der technische Telefonsupport zur Integration durch geschulte Techniker ist für die Webshop-Partner kostenfrei. Darüber hinaus fallen keinerlei Aktivierungskosten, Jahresgebühren oder ähnliche Kosten an. Der Händler wird erst zur Kasse gebeten, wenn auch Waren und Dienstleistungen mit der paysafecard bezahlt werden. Dann wird ein Disagio in Höhe von 5,5 Prozent bei „tangible“ Goods, 12 Prozent bei „intangible“ Goods sowie bis zu 35 Prozent bei Micropayment-Transaktionen (0,01 – 5 Euro) fällig.


MicroMoney
Auch wenn sich paysafecard derzeit noch mit Stolz als der erste und einzige Anbieter von Prepaidkarten für den Online-Einkauf in Europa bezeichnet, so wird sich diese Situation voraussichtlich bereits im 4. Quartal ändern. Für diesem Zeitraum hat nämlich die DeTe CardService GmbH, ein 100%iges Tochterunternehmen der Deutschen Telekom, die Markteinführung einer eigenen Prepaidkarte namens „MicroMoney“ angekündigt. Während Paysafecard bis Jahresende über 5000 Verkaufsstellen verfügen will, kann MicroMoney vom Start weg mit 80.000 Verkaufsstellen (T-Punkte, Tabak- und Zeitschriftenhandel, Kioske, Tankstellen, Post-Filialen oder Automaten) aufwarten. Dabei scheint MicroMoney vor allem die Content-Anbieter als Zielgruppe im Visier zu haben. Hochwertige Artikel, Bilder, Musik und Software sollen mit der Prepaidkarte bezahlt werden. Für Händler soll das Disagio 20 Prozent betragen. Als Partner konnte man bereits vor dem eigentlichen Start u.a. die „Genios-Datenbank“, „Spiegel-Online“ sowie das „manager-magazin“ gewinnen. Als zusätzliches Feature soll die MicroMoney-Karte auch eine CallingCard-Funktion beinhalten. Hierfür muss der Kunde beim Telefonieren die freigerubbelte 12-stellige PAN (Personal Account Number) vorauswählen.

Bei der Guthabenverwaltung gibt es einige Unterschiede zum Verfahren des Branchen-Primus. So wird bei MicroMoney das Guthaben auf der eigenen Systemplattform verwaltet. Diese Plattform ist auf einer betrugssicheren Systemarchitektur aufgebaut, integriert in die technische Infrastruktur der DeTeCardService. Bei Paysafecard werden hingegen alle Guthaben auf einem eigenen Treuhandkonto beim Partner Commerzbank gesammelt. Dort bleibt das Geld, bis es verwendet wird.

Visa Buxx
In den USA bietet das Kreditkartenunternehmen Visa bereits seit Mitte letzten Jahres eine speziell für die jugendliche Kundschaft zugeschnittene Prepaidkarte in Kreditkarten-Manier an. Mit Visa Buxx soll vor allem minderjährigen Shoppern die Möglichkeit gegeben werden im Internet auf Einkaufstour zu gehen.
Eltern, die ihre eigenen Kreditkarten nicht gern aus der Hand geben, können Geldbeträge auf die Karte laden, mit der die Teens dann (fast) nach Herzenslust on- und offline einkaufen können. Eltern können über die Website von Visa Buxx das Einkaufsverhalten ihrer Kinder verfolgen und durch Sperrung bestimmter Einkaufsquellen auch beeinflussen. Durch spezielle Sonderangebote für die jugendlichen Karteninhaber bei verschiedenen Shops will Visa für weitere Attraktivität seines neuen Produktes sorgen. So funktioniert Visa Buxx wie eine Prepaidkarte (die von den Eltern wieder aufgeladen wird) mit der Akzeptanz einer Kreditkarte.

GeldKarte
Derzeit gibt es in Deutschland ca. 50 Millionen GeldKarten, die sich zumeist auf EC-Karten befinden. So verfügt diese Form der Mehrweg-Prepaidkarte zweifelsohne über die größte Verbreitung hierzulande. Dabei verhindert jedoch ein anderes Problem eine schnelle Online-Verbreitung: Für den Einsatz der GeldKarte im Internet sind so genannte Klasse 3 Kartenleser notwendig. Diese wurden zwar auf der diesjährigen CeBIT in Hannover vorgestellt, doch bei Preisen um die 200 DM kann der Kunde momentan nur schwerlich davon überzeugt werden, sich ein solches Gerät anzuschaffen, zumal Kunden zurzeit nur äußerst schwierig Online-Händler finden, die eine Zahlung per GeldKarte erlauben. Und dies, obwohl das Pricing bei einer Zahlung per Geldkarte unschlagbar günstig ist.

Wie bei vielen neuen Zahlungsmitteln fürs Internet, so krankt auch die GeldKarte an der vielbeklagten Henne-Ei-Problematik: Solange nicht genügend Online-Händler die GeldKarte als Zahlungsmittel akzeptieren, werden Internet-Nutzer schon gar nicht einsehen, warum sie sich ein derartig kostspieliges Lesegerät als Voraussetzung für einen Online-Einkauf überhaupt anschaffen sollten. Solange allerdings andererseits nicht genügend Kunden über ein Geldkartenlesegerät verfügen, werden Internet-Händler wiederum keine Veranlassung verspüren, noch ein weiteres Zahlungssystem zu implementieren.

Ausblick
Insbesondere im Micropayment-Bereich könnten sich Prepaidkarten zu einer echten Alternative zu den bestehenden Systemen entwickeln. Der Einsatz für den Kunden ist in der Regel einfach und gleichzeitig anonym, was sich insbesondere in sensibleren Sparten als Erfolgsfaktor entpuppen könnte. Nicht umsonst finden sich unter den bisherigen Paysafecard-Akzeptanzstellen zahlreiche Erotik-Angebote. Aber auch für die attraktive Zielgruppe der Teens bietet sich der Einsatz von Prepaidkarten dort an, wo Bankeinzug und Kreditkarte bisher das Knock-out Kriterium beim Online-Shopping bedeuteten. Ob Prepaid-Systeme sich jedoch auch jenseits der „Kleinstbeträge“ durchsetzen können, bleibt indes fraglich.

Thema des Eintrags (Marketing, eCommerce)
  • E-Commerce
  • E-Payment
Inhalt weiterempfehlen / teilen:

Benutzerkommentare

Für diesen Eintrag gibt es noch keine Bewertung.
Haben Sie schon ein Konto?
Hinweis: Sie können auch als Gast einen Kommentar schreiben / eine Bewertung abgeben, starten Sie dazu direkt mit der Bewertung ohne die Felder Name, Benutzername, eMail auszufüllen!
Bewertung (je höher desto besser)
Bewerten Sie den Artikel:
Fachartikel
Für die Bewertung des Fachartikels, wie ist Ihr Status zum Thema oder wie schätzen Sie sich ein?
Kommentare