Wenn der eShop zur Kasse bittet…

Autor: Marco Brandt  veröffentlicht am 07 August 2003  
 
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businessvillageDass beim Geld bekanntlich alle Freundschaft aufhört und durch erhöhtes Misstrauen ersetzt wird, beeinträchtigt die Entwicklungen im Bereich Payment bereits seit Jahren. Zahlungssysteme kommen und gehen und Bestand hat nur das, was auch sonst in aller Welt bereits hinreichend erprobt wurde. Dennoch verfügt die Zunft nach wie vor über beharrliche Vertreter, die dem Angebot von Rechnung, Nachnahme & Co. gerne eine wettbewerbsfähige Alternative an die Seite stellen würden. Wer dabei derzeit die besten Chancen hat, verrät Ihnen unser aktueller Artikel.

Die Wahl der Zahlungsart spielt aus Sicht der Unternehmen bei der Optimierung der Zahlungsabwicklung eine besondere Rolle. Die Zahlungsart ist die konkrete Ausgestaltung des Ablaufes des eigentlichen Geldtansfers und ist eng verknüpft mit dem gesamten Prozess der Zahlungsabwicklung. Je nach Zahlungsart müssen bestimmte Prozessbestandteile bei der Zahlungsabwicklung genutzt werden oder können bei Zahlungen mit dieser Zahlungsart entfallen. Die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Kosten des gesamten Prozesses der Zahlungsabwicklung werden den befragten Unternehmen durch die Angabe der „Einführung neuer Zahlungsarten“ als eine der wichtigsten Maßnahmen zur Senkung der Gesamtkosten der Zahlungsabwicklung bestätigt.

Dieser Beitrag stellt daher die aktuellen Zahlungsarten für Macropayment dar und untersucht auch die zu erwartende Entwicklung bei diesen Zahlungsarten. Weiterhin wurden die Anforderungen der befragten eCommerce Unternehmen an eine Zahlungsart zusammengestellt, um anschließend eine Bewertung aus Sicht der Unternehmen vorzunehmen. Es werden alle relevanten, derzeit in den befragten eCommerce Unternehmen praktizierten Zahlungsarten gegenüber gestellt, um möglichst alle Entwicklungspotenziale identifizieren und bewerten zu können.

Aktuelle Macropayment-Zahlungsarten

Nachfolgend ist der heutige und künftige Anteil der befragten eCommerce Unternehmen dargestellt, die eine bestimmte Zahlungsart bei ihrer Zahlungsabwicklung einsetzen. Diese Darstellung verdeutlicht dem Leser die vergangenen und gegenwärtigen Entscheidungen der befragten Unternehmen für oder gegen eine bestimmte Zahlungsart .Unter Micropayment wird in dieser Studie eine Zahlungsart verstanden, die für den Transfer von Klein- und Kleinstbeträgen, z.B. bis 5 EUR, unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten geeignet ist. Als Macropayment werden dementsprechend alle übrigen Zahlungsarten bezeichnet. Je niedriger der Zahlungsbetrag ist, umso unwirtschaftlicher wird in der Regel das Verhältnis zwischen den Kosten der Transaktion und dem erzielten Umsatz mit dieser Transaktion. Insbesondere bei Macropayment-Zahlungsarten beinhalten die Kosten des Geldtransfers von einem Kundenkonto bankbedingt fast immer fixe Komponenten pro einzelner Transaktion. Eine Micropayment-Zahlungsart bündelt daher üblicherweise mehrere Zahlungsbeträge, umgeht die Bankkosten oder senkt die Kosten pro Transaktion auf eine andere Art.

Als die am häufigsten von den befragten Unternehmen eingesetzte Macropayment-Zahlungsart ist in Abbildung 1 die Rechnung mit einem Anteil von knapp 70 Prozent zu erkennen. Obwohl die Rechnung wegen des hohen manuellen Anteils und der möglichen Zahlungsausfälle eine der höchsten Gesamtkosten der Zahlungsabwicklung pro Transaktion verursacht, ist sie gleichfalls die von den Kunden am ehesten akzeptierte Zahlungsart.

Grafik 1
Abbildung 1

Maßnahmen, die die Nutzung anderer Zahlungsarten durch den Kunden zum Ziel haben, dürften sich daher für fast alle befragten Unternehmen lohnen. Interessanterweise kommt nach der Rechnung die Kreditkarte mit 57 Prozent der Unternehmen noch vor der Nachnahme und der Lastschrift mit jeweils 52 Prozent sowie der Überweisung/Vorkasse mit 50 Prozent der befragten Unternehmen. Interessant deshalb, weil die Kreditkarte als Zahlungsart in der Kundenpräferenz weit hinter der Nachnahme liegt. Unterstellt man wieder das zuvor ermittelte Hauptmotiv „Reduktion der Transaktionskosten“ ist dies aus der Sicht der Unternehmen mit den hohen Nachnahme-Kosten der Paketzusteller zu erklären. Die regulären Nachnahmegebühren z.B. der Deutschen Post liegen zurzeit mit insgesamt etwa 5 EUR pro Transaktion erheblich über den Kosten der Kreditkarten-Zahlung, selbst wenn man eine durchschnittliche Transaktionshöhe von 100 EUR annimmt. Die hohen Kosten erklären auch die geringste künftige Zunahme der Nutzung der Nachnahme von den befragten Unternehmen.

Weitere Zahlungsarten wie Online-Überweisung, Kreditkarten mit Authentifizierung oder Online-Kredite bzw. Online-Leasing werden heute von weniger als 15 Prozent der befragten Unternehmen eingesetzt, haben aber im Vergleich zu den anderen Zahlungsarten große Wachstumsaussichten. Der größte Zuwachs ist bei der Online-Überweisung zu erwarten. Bei der Online-Überweisung nutzt der Kunde das vorausgefüllte Überweisungsformular des Onlinebanking-Moduls seiner eigenen Bank. Da der Kunde eine Überweisung nicht rückgängig machen kann sinkt das Zahlungsausfallrisiko erheblich. Innerhalb von 12 Monaten werden bereits 35 Prozent der befragten Unternehmen diese Zahlungsart einsetzen. Das wäre ein Wachstum von mehr als 100 Prozent. Ein vergleichbar großes Wachstum ist bei den Kreditkarten mit Authentifizierung zu erwarten. Bei dieser Zahlungsart bestätigt der Kunde die Zahlung nochmals mit einer persönlichen PIN-Nummer. Da das Betrugsrisiko mit diesem Verfahren erheblich sinkt, übernehmen bei diesem Verfahren z.B. bei „verified by VISA“ die herausgebenden Banken unter bestimmten Voraussetzungen das Zahlungsausfallrisiko. Etwa 30 Prozent der befragten Unternehmen wollen diese Zahlungsart innerhalb von 12 Monaten integrieren. Trotz der bereits hohen Verbreitung der Lastschrift wird auch diese Zahlungsart künftig noch öfter von den befragten Unternehmen integriert und dann die zweithäufigste Zahlungsart sein. Knapp 70 Prozent der befragten Unternehmen werden die Zahlungsart Lastschrift innerhalb der nächsten 12 Monate in ihre Zahlungsabwicklung integrieren. Andere als die in der Abbildung 1 dargestellten Macropayment Zahlungsarten dürften auch in naher Zukunft keine nennenswerte Rolle spielen.

Anforderungen an Zahlungsarten

Abbildung 2 stellt die wichtigsten Anforderungen aller befragten Unternehmen an eine Zahlungsart dar. Hierfür wurde der Durchschnitt der Angaben pro Anforderung auf einer Skala von 1 – „sehr wichtig“ bis 6 – „unwichtig“ gebildet.

Grafik 2
Abbildung 2

Die wichtigste Anforderung aus Sicht der befragen Unternehmen ist der „Schutz vor dem Missbrauch der Zahlungsinformationen“. Die am stärksten wachsenden Macropayment-Zahlungsarten „Online-Überweisung“ und „Kreditkarte mit Authentifizierung“ (vgl. Abbildung 1) erfüllen diese Anforderung offenbar besser als die anderen Zahlungsarten. Weitere wichtige Anforderungen sind das „Vertrauen in den Abwickler der Zahlung“ eine „hohe Verbreitung der Zahlungsart unter den Nutzern“. Gemessen an diesen drei wichtigsten Anforderungen ergibt sich, dass die Zahlungsarten bekannter Dienstleister bzw. bekannter Marken bei den befragten eCommerce Unternehmen die besten Chancen auf Integration in deren Zahlungsabwicklung haben. Auch der empfundene Schutz der Zahlungsinformationen ist am ehesten bei einem vertrauten Anbieter oder vertrautem Verfahren gegeben. Die Zahlungsarten bekannter Dienstleister und die Zahlungsarten, die auf einfache und vertraute Verfahren setzen, haben damit die besten Voraussetzungen für eine häufigere Integration bei den Unternehmen. Diese Anforderungen sind offensichtlich wichtiger als funktionelle Anforderungen.

Es folgen „Nachvollziehbarkeit des Transaktionsablaufes“ und die „Usability des Zahlungsablaufes“. Die „Nachvollziehbarkeit des Transaktionsablaufes“ ist für das eCommerce Unternehmen besonders für die Kommunikation mit dem Käufer wichtig. Idealerweise sollten die Informationen über den Status aller bislang durchgeführten Teilschritte in einem CRM-System vorliegen, um dem Käufer jederzeit bestmögliche Transparenz des Zahlungsablaufs zu demonstrieren. Die Verfügbarkeit solcher Informationen stärkt das Vertrauen des Käufers gegenüber dem eCommerce Unternehmen und dessen Zahlungsabwicklung. Unter „Usability des Zahlungsablaufs“ ist die Einfachheit und Verständlichkeit der Kommunikations-Schnittstellen zwischen Verkäufer und Käufer, zwischen Zahlungsabwickler und Käufer und auch zwischen Verkäufer und Zahlungsabwickler bei der Abwicklung einer Zahlung zu verstehen. Das können Web-Oberflächen, Telefon-Gespräche, Softwaremodule usw. sein.

Die „Möglichkeit von Rückzahlungen“ ist zum Beispiel bei einer Abrechnung mittels Kreditkarte problemlos möglich. Für den Verkauf von Waren mit Lieferfristen ist ein „bestimmbarer Zeitpunkt der Abbuchung“ des Zahlbetrages vom Kundenkonto eine wichtige Anforderung. Im Vergleich zu anderen Anforderungen sind diese jedoch weniger wichtig.

Der vorliegende Beitrag ist ein Auszug aus der Publikation "Zahlungsabwicklung im E-Commerce" von Marco Brandt, erschienen im BusinessVillage Verlag.

 

 

 

 

 

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