Email-Marketing - Beziehungspflege oder Werbemüll?
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Email-Marketing - Beziehungspflege oder Werbemüll?
02.12.1999 |
Mit dem wahllosem Versand von Werbung über das Internet lassen sich keine Kundenbeziehungen aufbauen. Dabei ist Email ein hervorragendes Mittel für das Beziehungsmarketing - wenn es richtig eingesetzt wird.
Mit dem Satz "Dies ist keine Spam-Email...." fangen unzählige der Nachrichten an, die ich täglich erhalte. Dennoch gehören tatsächlich 70% der bei mir eingegangenen Emails zur Kategorie "Junk-Mail" oder "Spam". Ihr Schicksal wird von meiner "Löschen"-Taste besiegelt und sie enden als Werbemüll in meinem Papierkorb. Meistens kann ich schon anhand der Betreffzeile der Email erkennen, ob mich der Inhalt interessiert. Nachfolgend nur ein Auszug der heutigen Emails, die dem "Exekutionskommando" gegenüber standen:
• $200-$300 pro Tag! $10,000!
• Sind Sie ein Verkaufsprofi?
• Kostenloser Urlaub und dafür auch noch Geld bekommen!
• Werden Sie Ihre Schulden los!
Fällt Ihnen auf, wieviele dieser Mails das "schnell Reichwerden"-Prinzip ansprechen? Diese Art von Email kommt allerdings häufig von Absendern, die selbst einen schnellen Weg zum Reichtum suchen. Klar, einige dieser Personen werden auch durch die Versendung von Spam-Email reich, jedoch ist das eher die Minderheit. Die meisten "Spammer" verderben sich selbst das Geschäft. Denn für den Aufbau langfristiger Kundenbeziehungen ist Email ein hervorragendes Medium, aber schnelle Profite lassen sich damit nicht realisieren. Ich möchte Ihnen das gerne erläutern und einige häufig verwendete Begriffe klären.
Spam, d. h. die Massen-Sendungen von Email, die ich nicht angefordert habe und für die ich mich auch nicht registriert habe, sind mir wirklich mehr als lästig. Es kostet immer wieder Zeit, sich durch diese Emails zu wühlen und Zeit ist für mich ein wertvolles Gut. Aber natürlich öffne und lese ich Email mit großem Interesse, wenn ich sie zuvor von einzelnen Personen oder Firmen angefordert habe. Sie haben mein Vertrauen erworben und einen interessierten Leser gefunden. Hier ein Beispiel: "MCP`s Hotlist August 1999". Macmillian Computer Publishing fragte mich, ob ich die monatliche Veröffentlichungsliste erhalten möchte, und ich willigte ein. Jetzt lese ich sie aufmerksam, wenn sie bei mir eintrifft. Sie sollten daher Spam-Email nicht mit Massen-Email verwechseln. Ich bin sicher, dass MCP zigtausende von Emails versendet und dabei die Techniken zur einfachen Massenversendung nutzt, jedoch wird die Email mit meiner Zustimmung versendet und dem Inhalt sehe ich mit großem Interesse entgegen. Die Frage der Zustimmung ist wichtig, nicht die der Versendungstechnik.
Weitere Unterscheidungsmerkmale:
• Ungezielte Email-Versendung
(untargeted email)- Absoluter Spam, hunderttausende Emails werden an Adressen gesendet, die der Versender entweder käuflich erworben hat oder die durch spezielle Softwareprogramme im Internet nahezu kostenlos "geerntet" wurden. Dabei macht sich niemand die geringste Mühe, mir eine Nachricht zu schicken, die meinen Interessen entsprechen könnte.
• Gezielte Email-Versendung
(targeted Email)- häufig auch Spam, aber wenigstens intelligent gemacht. Die Email-Adressen wurden wahrscheinlich auf Webseiten oder in Newsgroups "recherchiert", die ein allgemeines Interesse an dem beworbenen Produkt oder Service belegen.
• Email-Versendung mit Zustimmung
(Opt-in Email)- Versendung von Email an Listen von Empfängern, die dem Erhalt von Informationen und Angeboten bestimmter Firmen zugestimmt haben. Auch manche dieser Listen haben jedoch einen zweifelhaften Ruf, da die Zustimmung der Personen nicht wirklich bewußt gewährt wurde (z.B. durch eine sehr, sehr "kleingedruckte" Zustimmung). Andere Listen sind jedoch seriös und bekommen daher auch nur wenige verärgerte Antworten von den Empfängern. Ich habe einige Firmen, die Opt-in Listen zur Nutzung anbieten, auf der folgenden Internetseite aufgelistet: http://wilsonweb.com/webmarket/lists.htm.
• In-House-Email-Listen
- Listen, die durch das einzelne Unternehmen selbst erstellt wurden. Hier werden z.B. Adressen von den Besuchern einer Webseite gesammelt, die ein Formular mit der Zustimmung zum Erhalt von Information ausgefüllt oder sich in eine Newsletter-Mailingliste eingetragen haben. Oder es sind bereits Kunden Ihres Unternehmens, die sich Ihrer Meinung nach über weitere Informationen freuen. In-House-Email-Listen bieten bei weitem die besten Möglichkeiten. Und da sie auf der Zustimmung der betreffenden Personen beruhen, lassen sich mit ihrer Hilfe gute Geschäftsbeziehungen aufbauen.
Versenden Sie keine Spam-Email!
Sie sollten NIEMALS Massen-Emails ohne Zustimmung der Empfänger versenden. Aus fünf Gründen:
• Ihr Unternehmen baut auf Vertrauen. Alles, was als Vertrauensbruch empfunden wird, schadet Ihnen.
• Nach dem Versand von Spam werden Sie mit zahlreichen "bösen" Antworten überschwemmt und Sie riskieren Ärger mit Ihrem Internet Service Provider, da er die Spamsendung als Vertragsbruch ansehen könnte.
• Spam kann schnell dazu führen, dass Anti-Spammer (und die gibt es zahlreich) "ihre Hunde auf Sie hetzen" und Email-Bomben, Beschimpfungen und andere Drohungen ablassen.
• Immer mehr Staats- und Bundesgesetzes sehen bestimmte Spamming-Praktiken als illegal an.
• Bei bestimmten Arten von Spamming können Sie zivilrechtlich zur Verantwortung gezogen werden.
Es gibt zwar Unternehmen, die über Email neue Kontakte gewinnen müssen, besonders wenn nach ihnen oder ihren Produkten noch nicht gesucht wird. Aber ich empfehle dringend, auch in diesen Fällen nur Opt-in-Listen zu verwenden. Das Internet, wie jede andere Kultur auch, hat ungeschriebene Gesetze. Wenn Sie sie brechen, gehen Sie ein hohes Risiko ein.
