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Fair Links: Zwischen Hype und Link-Alarm
20.02.2003 | Artikel drucken | Artikel empfehlen

Links sind eine feine Sache. Und auch der Umstand, dass andere Website-Betreiber mit dem Verweis auf die URL der eigenen Site mitunter zu größerer Popularität verhelfen, ist in der Regel begrüßenswert. Problematisch wird es erst, wenn z.B. sehr populäre Webanbieter mit ihrem schlichten Verweis den eigenen Webserver sprichwörtlich zum Erliegen bringen. Welche Probleme Linkverweise sonst noch mit sich bringen können, verrät Ihnen der aktuelle Artikel.

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1 Fair Links: Zwischen Hype und Link-Alarm
2 Herausforderungen und mögliche Entwicklungen

Die Grundlagen
Zweifellos sind Links das Grundkonzept des World Wide Web. Sie sind der Kleister zwischen den einzelnen Dokumenten. Und deshalb sind Links für das Web so notwendig wie die Luft zum Atmen für den Menschen. Es gäbe kein WWW ohne Links. Links beruhen darauf, dass jede Ressource eine weltweit eindeutige Adresse hat. So wie eine Telefon- bzw. Faxnummer oder eine Mailadresse eindeutig ist, so eindeutig ist eine URL für Elemente (Seiten, Bilder, Dateien, Verzeichnisse ...) im World Wide Web. Und das heißt auch, dass alles, was auf einem Server liegt, prinzipiell von überall her verlinkt werden kann. Genau darauf beruhen die Popularität und die Funktionalität des World Wide Web.

Was in der Regel gewünscht ist - nämlich dass nun möglichst viele Leute zu einer Information finden und dass diese möglichst oft verlinkt wird - kann in bestimmten Einzelfällen aber auch unerwünscht sein. In der Regel wird dann zu technischen Beschränkungen gegriffen: Man muss sich zunächst anmelden, der Zugriff ist nur von bestimmten Rechnern aus möglich, usw.

Gestern und heute
Auch wenn immer wieder der Satz "The web is for sharing - we share!" und die Historie des World Wide Web herangezogen werden, um zu belegen, dass solche Zugangs- oder Linkbeschränkungen wider die Natur des Mediums sind: Zugangsbeschränkungen sind völlig normal im World Wide Web, wenn auch manchmal störend und einschränkend. Das WWW begann als Medium für Forscher des CERN - es war zunächst gar nicht für die breite Öffentlichkeit bestimmt. Es ging darum, Wissenschaftlern den Zugriff und Austausch von Informationen zu ermöglichen. Und wer die Welt der Wissenschaft kennt, weiß auch, dass man seine Forschungen hütet wie seinen Augapfel. Immer schon gab es den Austausch öffentlicher Informationen ebenso wie die Diskussion in geschlossenen Benutzergruppen. Auch will niemand das Recht auf Austausch generell einschränken, aber Austausch und Teilen bedeuten immer ein Geben und Nehmen. Mancher Inhalte-Anbieter allerdings hat mittlerweile das Gefühl, mehr zu geben als zu bekommen.

Websites, die den Zugriff auf bestimmte Informationen derart beschränken, gibt es viel häufiger, als man denkt. Manchmal ist das ganz im Sinne der Nutzer (wenn man bei GMX nur dann seine Mails abrufen kann, wenn man sich vorher eingeloggt hat), manchmal steckt dahinter ein Geschäftsmodell (wie bei den "Plus"-Angeboten von DrWeb, für die man eine Zugangskennung bzw. ein Abo benötigt, oder den Tests der Stiftung Warentest, die nach dem Pay-per-View-Prinzip abgerechnet werden) und manchmal will man einfach nur eine bestimmte Zielgruppe zulassen (ein Händlernetzwerk beispielsweise). Es gibt sogar Situationen, bei denen vom Gesetzgeber vorgeschrieben wird, dass der Zugriff auf ein bestimmtes Angebot beschränkt werden muss. Dazu gehört "Adult-Content" ebenso wie medizinische Fachinformationen für Ärzte (hier gibt es mit DocCheck sogar ein übergreifendes Authorisierungssystem).

Immer mehr Nutzungseinschränkungen
Es ist also ganz üblich, dass der Anbieter über bestimmte Inhalte auf einem Webserver die Kontrolle behalten will oder muss. Und wenn dies technisch gelöst wird, dann ist eine Verlinkung dieser Inhalte durch Dritte auch nicht möglich. In letzter Zeit aber gibt es auch immer mehr Anbieter, die in ihren Nutzungsbedingungen bestimmte Verlinkungsformen untersagen oder an Bedingungen knüpfen. Dazu gehören Fachinformationsdienste ebenso wie Banken, Pharmaunternehmen oder Anbieter digitaler Straßenkarten. Hier gibt es zum Teil keine technischen Vorrichtungen, um die Verlinkung von vornherein zu verhindern. Sammlungen solcher Fälle gibt es unter anderem auf dontlink.com und Links & Law. Das kann man blöd und unsinnig finden, aber es ist so - und die Zahl der so agierenden Anbieter steigt.

Häufig wollen die Anbieter damit vermeiden, dass Dritte von diesen Inhalten wirtschaftlich profitieren. Und manche Nutzungsbestimmung unterscheidet daher auch gezielt zwischen privater und kommerzieller Nutzung. Ob das jetzt rechtlich verbindlich ist oder nicht, steht in den Sternen. Ich kenne aber noch eine Handvoll weiterer Unternehmen, die solche Möglichkeiten derzeit diskutieren. Selbst der niedersächsische Staatsgerichtshof schränkt so die Nutzung mancher online angebotener Informationen ein.

Ein weiteres Beispiel: Die Verlinkung auf Inhalte von NetDoktor.de bzw. der Einbau von Inhalten in Frames ist lediglich Suchmaschinen, Webverzeichnissen und Non-Profit-Seiten, also z.B. Selbsthilfegruppen, akademischen Webseiten u.a., nach schriftlicher Genehmigung durch NetDoktor.de erlaubt (post@netdoktor.de). Dabei muss bereits auf der Seite mit dem Hyperlink erkenntlich sein, dass auf NetDoktor.de verlinkt wird, z.B. mit dem Hinweis www.netdoktor.de.

Verlinkung vs. Benutzung?
An dieser Stelle ist natürlich zu fragen, ob eine Verlinkung überhaupt etwas mit einer Benutzung zu tun hat. Vielfach findet man die Ansicht, dass ein Link ja nur einen Hinweis darstellt. Diese Ansicht ist allerdings umstritten und faktisch muss man wohl einräumen, dass man durch einen Hinweis nicht automatisch auch zum Ziel kommt, durch einen Link aber schon. Es entspricht also eher dem Bereitstellen eines Taxis, wenn man einen Link setzt. Während aber ein Taxi nur bis vor die Haustüre fährt, befördert uns ein Link mitten in ein beliebiges Zimmer. Also ist ein Link am ehesten mit dem Bereitstellen einer Beamvorrichtung zu vergleichen.

Leider nützt das nicht viel, da wir nicht wissen, wie bei Star Trek das unerwünschte Eindringen in einen Raum mittels Beamens rechtlich behandelt würde. Wir müssen also unsere eigenen Regeln erfinden.

Zugriffsbeschränkungen unzulässig?
Aber vielleicht ist es ja gar nicht zulässig, den Zugriff auf eine Ressource im Internet einschränken zu wollen? Nun, das kann eigentlich auch keiner wollen, denn dann wäre keine Mail mehr privat, Kreditkarteninformationen und Kontodaten ständen für alle offen und so weiter. Im Gegenteil: Der Gesetzgeber sagt ja sogar, dass bestimmte Informationen nicht öffentlich zugänglich sein dürfen - das geht bis hin zu umfangreichen Datenschutzgesetzen. Also muss es zumindest für bestimmte Informationen ein Schutzrecht geben - aber warum sollte das dann für andere nicht ebenfalls gelten?

Zugriffsschutz nur auf technischer Ebene?
Muss man dann also vielleicht alle Informationen mit gewaltigem technischem Aufwand schützen, wenn nicht jeder beliebig darauf zugreifen soll? Technische Lösungen sind leider immer mit einem Verlust an Bequemlichkeit für die regulären Nutzer verbunden, sie sind in vielen Fällen umgehbar (z.B. durch Bekanntgabe eines Passworts) und nicht in jedem Fall geeignet: Eine solche technische Lösung kann beispielsweise nicht automatisch zwischen erlaubter privater und untersagter kommerzieller Verlinkung unterscheiden. Und diese Unterscheidungen gibt es ja im Bereich der Software-Lizenzen auch ("Free for private, non-commercial use...") - niemand regt sich darüber auf.

Berechtigte Nutzungseinschränkungen auf Freiwilligkeit?
Auch gibt es Situationen, in denen man die "normale" Nutzung gar nicht einschränken will, sondern sich nur gegen unliebsame Überraschungen schützen möchte. So bittet Phil Price auf einer Seite, die eine weihnachtliche Flash-Animation enthält: "If you would like to mirror this - please mail me its using too much bandwidth - Phil", bewusst nicht verlinkt). Und das WAMPP-Projekt musste erleben, dass Strato den Account aufgrund übermäßiger Nutzung sperrte, man sich einen anderen Hoster suchen und das Projekt reduzieren musste: "Weil die Strato AG aufgrund der hohen Traffic Oswald und mir fristlos kündigte, hat der Hoster Alendo netter Weise spontan Platz auf seinem Server zur Verfügung gestellt. Natürlich wollen und können wir Alendo nicht mit zu hoher Traffic ruinieren, weshalb hier nur eine noch kleinere Version (aber keinesfalls schlechtere!) des small wampp zu finden ist. Ich hoffe hierfür um euer Verständnis; wir arbeiten an weiterführenden Lösungen. Hilfeangebote nehmen wir gerne entgegen und danken dabei gleich mal allen jenen, die uns schon mal Hilfe und Tips zukommen ließen." Es gibt zahlreiche solcher Beispiele.

Niemand ist vor solchen und ähnlichen Überraschungen sicher! Die User von Antville erleben immer wieder, wie es sich mit einem Server arbeitet, der ständig bis zur Grenze ausgelastet ist. Mittlerweile sammelt Antville.org für einen neuen, leistungsfähigeren Server - aber jeder, der mit seinem Antville-Blog mehr Last erzeugt als nötig, erzeugt auch Probleme für die gesamte Community.

Slashdotted und Heise-DDOS
Der Super-GAU ist jedoch manchmal die Erwähnung eines Angebots auf Slashdot oder auch im Heise Newsticker. Hier sind schon zahlreiche Server in die Knie gegangen, was für die Betreiber zum Teil Einnahmeausfälle und zusätzliche Ausgaben bedeutet. Wohlgemerkt: Eine Website wird in der Regel nicht in böswilliger Absicht ge-slashdoted, sondern die Erwähnung ist zumeist wohlwollend. In den Heise-Foren gibt es jedoch auch eine andere Bezeichnung für das Phänomen, dass ein Server nicht mehr erreichbar ist, nachdem er in einer Heise-Nachricht erwähnt wurde: Heise-DDOS. DDOS steht für distributed denial of service und bezeichnet in der Regel den gezielten Angriff auf einen Server.

Für ein kleines Online-Angebot ohne eigene redundante Server und Load-Balancing kann ein solches Szenario fatal enden. Die meisten Webhoster lassen sich den Traffic, der ein festgelegtes Limit überschreitet, zusätzlich vergüten. Häufig sind auch in den AGBs Klauseln enthalten, die die einseitige Vertragsauflösung durch den Provider bei übermäßiger Nutzung erlauben. All das ist für den Anbieter nicht vorherseh- und genauso wenig verhinderbar.

Suchmaschinen und robots.txt
Ein Argument wird jedoch immer wieder genannt, warum das Untersagen von Verlinkungen völliger Quatsch sei: Schließlich würden ja auch Google und andere Suchmaschinen alle Seiten verlinken dürfen. Und was Google recht ist, das kann uns doch nur billig sein. Dabei wird allerdings übersehen, dass es seit vielen Jahren einen Mechanismus gibt, um Suchmaschinen die Aufnahme aller oder bestimmter Seiten eines Webauftritts in den Index zu untersagen. Über die Datei robots.txt und entsprechende Metatags kann man Suchmaschinen anweisen, bestimmte Seiten zu ignorieren - allerdings halten sich nicht alle Spider daran ... es handelt sich um ein Prinzip, das auf der "Fair Use"-Idee beruht.

Suchmaschinenoptimierung und Deeplinks
Damit wird auch das zweite Argument hinfällig, das da lautet: Die Betreiber unternehmen doch eh alles, um Besucher zu bekommen, und sollen für jeden Link dankbar sein. Doch ist Suchmaschinenoptimierung (SEO) wirklich eine Methode zur Traffic-Maximierung, die durch externe Links nur unterstützt wird? Mitnichten! Mittlerweile sind sich viele Betreiber im Klaren darüber, dass sie die Besucherströme eben nicht maximieren sondern optimieren wollen. Suchmaschinenoptimierung bedeutet daher, möglichst nur qualifizierte Interessenten zu einem bestimmten Angebot zu führen. Und genau dazu nutzen Suchmaschinenoptimierer zahlreiche Tricks, um eben nicht alle Seiten wahllos in einer Suchmaschine zu platzieren. Vielmehr werden nur bestimmte Doorway-Pages eingetragen, die bei den relevanten Schlüsselworten idealerweise ein besonders hohes Ranking haben. Der Besucherstrom wird also sehr gezielt gelenkt - und die ganze Mühe kann umsonst sein, wenn plötzlich Deeplinks von anderen Seiten gesetzt werden.

Dazu ein Beispiel:
Nehmen wir an, Sie haben einen kleinen Internet-Auftritt samt Online-Shop für Befestigungsmaterialien - ein typisches B2B-Projekt. Für den durchschnittlichen Surfer ist Ihre Präsenz uninteressant, nur für Spezialisten informativ. Nun versuchen Sie naturgemäß, alles so zu trimmen, dass auch nur Mitglieder Ihrer Zielgruppe zu Ihnen finden - für alle anderen haben Sie ja eh nichts zu bieten und sie würden Ihnen nur Ihren Server verstopfen. Durch geschickte SEO, Doorway-Pages und Tricks schaffen Sie es auch, nur die Startseite bei Google & Co. anzumelden und sogar ein hohes Ranking für relevante Keywords zu bekommen. Für den Rest der Site sperren Sie Suchmaschinen mittels robots.txt aus. Nun wollen Sie aber auch weiterempfohlen werden. Dazu bauen Sie eine Weiterempfehlungsfunktion für einzelne Produkte, die auf die Detailseiten dieser Produkte verweisen soll - daher können Sie Ihre Site nicht generell mit einem Zugangsschutz versehen. Und dann starten Sie auch noch ein Gewinnspiel für Kunden und Interessenten um Profildaten zu sammeln. Über Google findet man das Gewinnspiel oder einen Hinweis darauf allerdings nicht, und das ist auch so gewollt: qualifizierte Fachbesucher sind das oberste Ziel all dieser Maßnahmen. Und alles läuft wirklich gut.

Dann aber passiert es: Jemand verweist direkt auf die Gewinnspiel-Seite - vielleicht ein Blogger. Andere finden das auch toll und tun das Gleiche. Kurze Zeit später findet sich Ihr Gewinnspiel nicht nur in Google (denn die verlinkenden Seiten werden ja ebenfalls von Google indexiert), sondern auch auf einschlägigen Gewinnspiel-Seiten.

Fazit: Es kommen immer mehr Besucher, denen Sie nie im Leben etwas verkaufen können. Diese verursachen Traffic, Ihre Seiten sind nicht mehr so schnell wie gewohnt und der Aufwand, das Gewinnspiel durchzuführen, steigt, während die Qualität der gewonnenen Profildaten sinkt.

Schicksal? Das Problem ist: diese Folgen kann man nie wieder rückgängig machen. Sie können das Gewinnspiel einstampfen - aber Ihre mühsam erarbeitete SEO-Strategie ist dahin. Die Links bekommen Sie aus den Suchmaschinen so schnell nicht wieder raus. Und alles kostet wieder Zeit und Geld (für den SEO-Prozess hatten Sie schon mal in die Tasche gegriffen).

Lesen Sie im 2. Teil mehr zu den Herausforderungen und möglichen Entwicklungen

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Inhalt:
ECIN Solutions - Webpromotion Teil 1 Fair Links: Zwischen Hype und Link-Alarm
Herausforderungen und mögliche Entwicklungen Teil 2 Herausforderungen und mögliche Entwicklungen


 

 

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