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Fair Links: Zwischen Hype und Link-Alarm
Herausforderungen und mögliche Entwicklungen
20.02.2003 | Artikel drucken | Artikel empfehlen

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1 Fair Links: Zwischen Hype und Link-Alarm
2 Herausforderungen und mögliche Entwicklungen

Das Schwert des Damokles
Nun gibt es Stimmen, die all das als das normale Los eines Online-Anbieters ansehen und darauf verweisen, dass man stets vorbereitet sein muss. Das aber wiederum würde bedeuten, dass jeder, der eine Information online stellt, eine Serverfarm mit Lastbalancierung im Hintergrund haben muss, dass kleinere Sites ständig vom Goodwill aller anderen abhängen, und dass man immer befürchten muss, dass doch einmal der Super-GAU passiert.

Zugegeben: Diese Szenarien sind nicht alltäglich. Aber es gibt sie. Und ebenso gibt es Content-Anbieter, deren Geschäftsmodell z.B. auf Werbeeinnahmen beruht oder die bestimmte Inhalte nur für die nicht-kommerzielle Nutzung gratis anbieten und die verhindern wollen, dass die Konkurrenz bestimmte Inhalte, deren Erstellung aufwändig war, inkorporiert.

Verlinken bedeutet Wert-schätzen
Links sind eben immer mit Inhalten verbunden - und wer verlinkt, verspricht sich in der Regel auch einen eigenen Vorteil davon. Anders ausgedrückt: Ein Link bedeutet eine Wert-Schätzung. Und dieser Wert überträgt sich zu einem Teil auch auf denjenigen, der es verlinkt: das kann ein Imagegewinn sein, eine Steigerung der Zugriffszahlen, ein Mehrwertangebot für die Besucher, ... Versuchen Sie sich einmal einige Weblogs und Linklisten ohne Links vorzustellen - dann merken Sie wie viel Wert diese Links haben können!

Zumeist Win-Win-Situationen
In der Regel, vermutlich in 99,9 Prozent aller Fälle, profitieren beide Seiten von einer Verlinkung: Der Linkende wie auch der Verlinkte. Zumindest aber schadet niemand dem anderen. Es gibt allerdings, wie oben gezeigt, eben auch die (seltenen) Fälle, bei denen dieses Gleichgewicht in Schieflage gerät und in denen letztlich dem Anbieter sogar geschadet werden kann.

"Schicksal: Alles, was man online bereitstellt, das kann man auch jederzeit verlinken und jederzeit abrufen - ohne Einschränkungen!" - So oder so ähnlich lauteten daraufhin viele Kommentare auf meinen ursprünglichen Beitrag. Folgt man aber dieser Ansicht, dass jeder jeden jederzeit und überall verlinken kann, ggf. sogar in böswilliger und zerstörerischer Absicht, dann kann man gleich komplett auf SEO + BPO (Business Process Optimization) für Online-Aktivitäten verzichten. Die ganze Sache wird unberechenbar und ein Spiel mit dem Feuer - für ein Unternehmen im Grunde nicht akzeptabel. Selbst auf Messen gilt doch: die Werbegeschenke und Prospekte sind gratis, aber jeder bekommt nur eins und auch nur, wenn er ein echtes Interesse zeigt.

Im Einzelfall Analogien zu Spam
Im Grunde kann man den kleinen Anteil problematischer Verlinkungen (und der obige Fall des kleinen B2B-Anbieters ist ja am Anfang ganz harmlos, vielleicht sogar wohlwollend gemeint; aber es gibt durchaus auch böswillige Verlinkungen) ein wenig mit Spam oder Werbefaxen vergleichen - in allen Fällen wird die vom Betroffenen bezahlte (oder im Fall von Antville: die Community-) Infrastruktur in einer Weise benutzt, die er sich möglicherweise nicht gewünscht hat.

Bei Werbefaxen entscheidet die Rechtsprechung mittlerweile eindeutig zugunsten des Betroffenen: die Leitung, das Papier, Toner/Tinte, Arbeitszeit - alles zu Lasten des Betroffenen. Bei Spam ist zumindest auch klar, dass diese Methode "am Rand der Legalität" agiert und es in verschiedenen Staaten Gesetze dagegen gibt. Und bei Links? Da muss, vertritt man die Auffassung, dass ausnahmslos jeder Link erlaubt ist, jeder alles hinnehmen, selbst wenn er sich offen dagegen ausspricht und diese spezielle Nutzung untersagt?

Wohlgemerkt: Werbefaxe sind ein großes Übel, Spam auch. Bei Links liegt es insofern anders, als dass man zumeist einen Link tatsächlich wünscht oder nichts gegen ihn hat - in 99,9 Prozent der Fälle. Aber immer geht es darum, dass Kosten entstehen durch eine Aktion Dritter, die man als Betroffener nicht kontrollieren kann. Etwas nicht bereitzustellen, kein Faxgerät mehr zu betreiben und keine Mails mehr abzurufen, kann dabei keine erwünschte Lösung sein.

Informationen explizit zum Abruf bereitgestellt?
Nun meinen einige, dieser Vergleich sei deshalb unfair, weil bei Werbefaxen und Spam ja etwas von Dritten zugeschickt wird, was man nicht wünscht, während es sich bei Webseiten ja um Informationen handelt, die explizit zum Abruf dort auf dem Server hinterlegt wurden. Geschickt werden höchstens Besucher - und die will doch jeder!

Diese Sichtweise allerdings unterschlägt die Tatsache, dass jeder Anbieter, jedes Unternehmen und selbst jede private Website, eine bestimmte Zielgruppe anspricht und eine bestimmte Form der Nutzung vorsieht. Ob nun eine Verlinkung aber Mitglieder aus dieser Zielgruppe auf die Seite lockt oder vielleicht eine ganz andere Zielgruppe, das kann der Verlinkte nicht beeinflussen - er weiß ja zunächst nicht einmal von der Verlinkung.

Öffentlicher Platz oder Hausrecht?
Und genau deshalb habe ich auch in dem zweiten Beitrag den Begriff "Hausrecht" verwendet. Ein Server ist eben kein "öffentlicher Platz", sondern ein Platz, der von einer Person, einer Organisation oder einem Unternehmen mit einer bestimmten Zielsetzung für eine bestimmte Zielgruppe betrieben wird. Jedes Unternehmen, das sich bei der Erreichung dieses Ziels massiv behindert sieht, wird sich überlegen, wie es darauf reagieren kann.

Anbieter wollen Kontrolle behalten
In meiner täglichen Arbeit sehe ich, dass genau dies bei vielen Unternehmen passiert. Immer mehr Anbieter überlegen, wie sie tragfähige Geschäftsmodelle im Internet realisieren können. Sie sind nicht mehr bereit, die Kontrolle über die Nutzung und Verbreitung ihres Contents aus der Hand zu geben. Für sie ist Verlinkung eine Form des Inkorporierens der betroffenen Inhalte und eine gezielte Bereitstellung zur Nutzung. Im Zweifelfall wird nicht nach dem werbenden Charakter einer Verlinkung gefragt, sondern nach dem Nutzen, den der Verlinkende daraus zieht - und gegebenenfalls mit "Geschäftsschädigung" argumentiert.

Drei mögliche Entwicklungen
Nach den Diskussionen, die ich mit betroffenen Anbietern geführt habe, kann ich mir nur drei Varianten vorstellen, mit diesem mit diesen Fragestellungen umzugehen:

1. Die Anbieter müssen wirklich feststellen, dass man über die eigenen Ressourcen vollständig die Kontrolle verliert, wenn man sie ins Internet stellt. Fazit: Man stellt nichts mehr ins Netz bzw. schützt die entsprechenden Seiten durch Passwortabfragen und mehr. Das kann man derzeit an verschiedenen Beispielen feststellen, wo Archive registrierungs- oder sogar kostenpflichtig werden (z.B. TAZ und FAZ).

2. Es werden immer mehr Anbieter eigene Nutzungsregeln festlegen, doch die Verlinkenden bestehen auf ihrem Recht und ignorieren sie komplett. Dann wird es immer mehr Fälle geben, bei denen Abmahnungen und Gerichte eine Rolle spielen und man wird ständig im Unsicheren sein, wie wirklich die Rechtslage ist. Letztlich wird dies auch weitere Anbieter verunsichern und sie werden vermehrt zur ersten Variante tendieren.

3. Fair Use/Fair Link: Derjenige, der einen Link setzt, überprüft kurz, ob dies auch gewünscht ist bzw. mit der Nutzungsregel konform geht. Das bedeutet nicht unbedingt ständiges Nachfragen. Vielleicht gibt es zukünftig ein Logo, dass diese Informationen auf der Seite anzeigt (Creative Commons geht ja schon in diese Richtung), es steht dazu etwas im Impressum oder unter einer großen Animation/Datei steht: "Bitte nicht verlinken!". Denkbar wäre auch eine formalisierte Metainformation, wie sie mit der robots.txt für Suchmaschinen bereits lange existiert. Damit würden alle gut leben können, denn es gehört sowieso zu den Sorgfaltspflichten des Autors eines Beitrags, alle Eventualitäten abzuprüfen (es könnte sich ja auch um einen rechtlich bedenklichen Link z.B. auf illegale Inhalte handeln).

Alternativen bei unerwünschten Links
Ich halte die dritte Variante für diejenige, die die wenigsten Probleme macht, die Vielfalt sichert und das Miteinander von Anbietern und Nutznießern erleichtert. Ist ein Link wirklich untersagt oder unerwünscht, so kann ich notfalls noch immer nur einfach einen echten Hinweistext verfassen: "xyz hat einen interessanten Artikel zum Thema. Leider ist die direkte Verlinkung nicht gewünscht, aber er befindet sich in der Rubrik 'Medien und Wirtschaft'." Ich verstehe daher auch den Aufschrei gegen Fair Link nicht: nur weil Antville, Blogger, Sunlog und Co. das Publizieren vereinfachen, bedeutet es ja nicht, dass man alles machen kann, was gefällt - ganz unabhängig von Links.

Zusammenfassend
Das Problem mit diesem Thema ist, dass eben nicht pauschalisiert werden kann:

• Wer generell der Gleichung "Link = Hinweis" folgt, der wird schwerlich ein Problem mit einer Verlinkung sehen.

• Wer hingegen "Link = zur Benutzung bereitstellen" definiert, muss sich immer auch Gedanken darum machen, was aus dieser Nutzung erwächst.

Rechtlich gäbe es viele Dinge, die man hinterfragen könnte - allerdings bin ich kein Rechtsanwalt. So wäre es interessant zu erfahren, welche Richtlinien eigentlich "offline" für öffentlich bekannt gegebene Hinweise gelten. Muss man generell zwischen Detailinformationen (= Deeplinks) und allgemeinen werbenden Hinweisen (= Surfacelinks) unterscheiden? Wer haftet beim Slashdot-Tod eines Servers, wenn man nachweisen könnte, dass dieser vom Verlinkenden billigend in Kauf genommen oder gar provoziert wurde? Was ist, wenn ich einen explizit geäußerten Wunsch (wie in dem Beispiel von Phil Price) nicht beachte? Und welche rechtliche Relevanz haben Nutzungsbedingungen von Unternehmen, die eine schriftliche Erlaubnis für eine Verlinkung zwingend vorschreiben oder zwischen privater und kommerzieller Nutzung unterscheiden? - Wie gesagt: Diese Fragen kann ich nicht beantworten.

Aus meiner Sicht gibt es allerdings verständliche, nachvollziehbare Gründe, warum Online-Anbieter sich nach Alternativen zur bestehenden Praxis umschauen. Längst sind einige Online-Angebote wieder verschwunden: Manche, weil sie nicht tragfähig waren, und andere, weil sie von einer Popularität überrollt wurden, die keine Gewinne abwarf (man denke nur an Freedrive, Travelmail, Napster, ...).

"Fair Link" statt "Verlink!"

Fair Link bedeutet nicht mehr, als bei Verlinken eines Angebotes kurz darüber nachzudenken, ob diese Verlinkung dem Anbieter schaden oder seinen Nutzungsbedingungen zuwider laufen könnte. Wer jetzt sagt, dass er das nicht beurteilen kann, der sollte lieber auf einen Link verzichten, denn er kennt das zugehörige Angebot und den Anbieter offenbar nicht wirklich.

Wer sich an dieses "Fair Link"-Prinzip hält, der hilft auch, die Vielfalt im Netz zu bewahren. Wer aber auf sein Recht pocht, auf Teufel komm raus zu verlinken, der wird vielleicht zum Sargnagel des einen oder anderen Angebots. Damit ist dann aber auch der Link nichts mehr wert.

Was ändert sich durch Fair Link statt blinder Verlinkung? Für die allermeisten Fälle gar nichts. Ich schätze, dass bei 1.000 oder 10.000 Links gerade mal ein problematischer Fall dabei sein kann - und der lässt sich zumeist durch eine kurze Mail rasch lösen. Wohl aber hilft Fair Link vielleicht, ein paar Abmahnwellen zu vermeiden, und sorgt für ein besseres Miteinander von Inhalte-Anbietern und Nutznießern. Und letztlich können Sie ruhiger schlafen, weil Sie etwas bewusster machen als bisher.

Bei Fragen zu diesem Thema wenden Sie sich bitte an:
Markus Stolpmann, Herausgeber von eDings

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Fair Links: Zwischen Hype und Link-Alarm Teil 1 Fair Links: Zwischen Hype und Link-Alarm
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