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Mobile Applications - Wo liegen die Chancen?
30.09.2004 |
Gegenwärtig gibt es ohne Zweifel eine neue Begeisterung für das mobile Business. Nach der Phase der Desillusionierung rund um mCommerce im Allgemeinen, WAP und iMode im Speziellen werden nun wieder die Chancen ins Visier genommen, die sich möglicherweise durch neue Netze - Stichworte UMTS, wLAN, WiMax - , neue Endgeräte - UMTS-Handys - und neue Geschäftsmodelle - mobile Services - realisieren lassen. Wegbereiter: SMS, MMS und Klingeltöne
Nach Angaben des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) ist die Zahl der Kunden im deutschen Mobilfunkmarkt im Jahr 2003 auf insgesamt 64,78 Millionen gestiegen. Das entspricht einer Zunahme von 8,49 Prozent um 5,5 Mio. gegenüber dem Vorjahr. Die Marktdurchdringung liegt damit aktuell bei über 80 Prozent. Von den Nutzern wurden im vergangenen Jahr 26 Mrd. SMS und immerhin bereits 95 Mio. MMS versandt.Auch das oft belächelte Geschäft mit den Klingeltönen kann sich sehen lassen: Im Jahr 2003 stiegen die Umsätze für den Download auf Mobiltelefone auf weltweit 3,5 Mrd. Dollar. Die Experten der Arc Group sprechen von 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dieses Marktvolumen entspricht ungefähr einem Zehntel des weltweiten Tonträgermarkts. Laut ARC-Analyst Richard Jesty ist das Klingeltongeschäft nicht nur umsatzstark, es wartet auch mit hohen Profiten auf. Und man rechne in diesem Bereich auch in den kommenden Jahren mit einem starken Wachstum.Jamba.de sieht sich nach eigenen Angaben als größten Online-Verkäufer von Klingeltönen. „Wir haben 2003 zehn Millionen Klingeltöne verkauft, dazu 4,3 Millionen Spiele“, sagt der Unternehmenssprecher Tilo Bonow. „Das war im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 300 Prozent bei Klingeltönen und 500 Prozent bei Spielen.“ Für 2004 erwartet Jamba eine weitere Steigerung des Umsatzes.Die Prognosen für die nächsten Jahre geben allerdings den Wachstumsraten einen Dämpfer - zumindest soweit es das Klingeltongeschäft im engeren Sinne betrifft. Paul Skelton von Juniper Research geht davon aus, dass der Höhepunkt bereits im vergangenen Jahr mit knapp einer Mrd. US$ erreicht wurde. Die Umsätze mit Klingeltönen werden seiner Einschätzung nach langsam zurückgehen und 2008 bei rund 490 Mio. US$ liegen. Der Musikmarkt werde dagegen in den kommenden Jahren weiterhin die Möglichkeiten mobiler Plattformen entdecken und adaptieren. Hier sollen nach einer konservativen Schätzung von Juniper 2008 dann immerhin 560 Mio. US$ umgesetzt werden.Nicht alles Gold: Gaming und Video auf dem "fourth screen"Die Marktforscher von IDC identifizieren neben den erwähnten Klingeltönen drei weitere mobile Umsatzbringer der Zukunft. Erstens wird sich das Potenzial rund um das Musikgeschäft weiterhin positiv entwickeln, schließlich sollen sich zukünftig ganze Lieder auf das Handy laden lassen und verwandeln es in einen mobilen MP3-Player. Zweitens wird das Online-Gaming immer stärker genutzt werden. Und nicht zuletzt ist mobiles Video ein spannendes Thema. Insgesamt läuft die Umsatzprognose von IDC für den Endkonsumenten-Markt dieser mobilen Applikationen auf knapp unter acht Mrd. US$ im Jahr 2008 hinaus - allerdings sind die Chancen nicht gleich verteilt.Von Wachstumsraten, die „explodieren“, wird für die kommenden Jahre hinsichtlich des Marktes für Mobile Gaming ausgegangen. Die Marktforscher von Frost & Sullivan prognostizieren, dass sich die Umsätze auf dem Europamarkt von 720 Millionen Euro im Jahr 2002 auf knapp 6,3 Milliarden Euro im Jahr 2006 fast verzehnfachen. Möglich werden soll dies durch die Erweiterung der Absatzkanäle, die zunehmende Bekanntheit mobiler Spiele sowie die fortschreitende Vereinfachung des Herunterladens und Bezahlens mit dem Handy.Lediglich attraktiv, aber zumindest bis 2007 noch nicht überzeugend genug, sind dagegen die Umsatzchancen für mobile Videodienste (Telefonie, Messaging und Inhalte) in Westeuropa nach Einschätzung der Unternehmensberatung Frost & Sullivan. Laut ihrer Analyse im Mai 2004 dürfte der Markt zunächst ein eher ruhiges Wachstum verzeichnen. Im Jahr 2007 soll er ein Umsatzvolumen von knapp 1,6 Milliarden Euro erreichen. Mobile Videodienste dürften aber erst dann an Bedeutung gewinnen, wenn neue UMTS-Handys mit Farbdisplay weitere Verbreitung erlangen. Deren Penetrationsrate ist gegenwärtig noch sehr niedrig, wird aber allmählich zunehmen. Wenn sie im Jahr 2007 die kritische 30-Prozent-Marke überschreite und eine entsprechende Zahl von Handybesitzern regelmäßig Videodienste nutze, werde der Markt an Dynamik gewinnen, so die Experten von Frost.Eine Schlussfolgerung liegt schon heute auf der Hand: Es wird keine Killerapplikation für das mobile Business im B2C geben - zumindest soweit man heute sehen kann. Paolo Pescatore von IDC geht davon aus, dass es sich bei den vier durchaus viel versprechenden Applikationsbereichen Musik, Klingeltöne, Video und Gaming eher um eine Art „Cocktail“ handelt, der insgesamt die Nutzungsbereitschaft der schnelleren Netze (GPRS, Edge, UMTS und HSDPA) beflügeln wird: Alle vier werden zu gegebener Zeit ihren Platz auf dem Handy finden.3G: Langsames WachstumVier Jahre nach dem Start der GPRS-Services in Europa nutzen im Jahr 2004 nur etwa 17 Prozent der Mobilfunkkunden 3G-Dienste. Grund sei vor allem die langsame Verbreitung geeigneter Endgeräte und attraktiver Inhalte, so das einhellige Urteil der Experten. Weitere Hemmnisse liegen in der unterschiedlichen Displaygröße und den Darstellungsformaten der Endgeräte, den nach wie vor hohen Verbindungspreisen sowie der fehlenden Transparenz der Bepreisung der Inhalte. Peter Scheer, Manager Consultant bei der Metagroup, kommentiert: „Die Tarifgestaltung wird eine wesentliche Rolle spielen, ob UMTS in den Unternehmen ankommt.“Zwar liegt die Marktdurchdringung mit Handys insgesamt in Westeuropa heute schon bei mehr als 80 Prozent, neue UMTS-Handys mit Farbdisplay werden laut Frost & Sullivan aber erst im Jahr 2007 die kritische 30-Prozent-Marke überschreiten.
Ende 2003 lag die Zahl der „3G-Subscriber“ bei rund 600.000, so eine aktuelle Studie von Analysys. Bis zum Jahr 2005 soll eine beträchtliche Steigerung auf 27. Mio. Nutzer stattfinden und bis 2009 werden, wenn die Prognosen zutreffen, rund 70 Prozent der Mobilfunkkunden in Westeuropa ein 3G-fähiges Endgerät benutzen. Japan dominiert zurzeit den UMTS-Markt mit annähernd 1,9 Mio. von weltweit 2,4 Mio. Nutzern (TNS Infratest). In Europa weist Italien mit über 300.000 Nutzern derzeit die höchste Verbreitung auf.Nach Einschätzungen des Marktforschungsinstituts Forrester wird sich der monatliche Umsatz der Mobilfunkkunden durch UMTS nicht wesentlich erhöhen. Laut Bernd Ostergaard, Telekom Analyst bei Forrester wird die Nutzung zwar ansteigen, die Dienste werden aber im Gegenzug günstiger angeboten werden.
Die Verbindung zwischen mobilen Endgeräten und dem Internet ist längst Realität: Laut dem (N)onliner Atlas 2004 von Emnid nutzen mehr als die Hälfte aller Handybesitzer mobile Inhalte (z.B. über WAP) und ein Viertel aller Laptops nutzt einen mobilen Internetzugang. Dabei geht es durchaus auch um eine geschäftliche Nutzung. Das britische Marktforschungsinstitut Analysys rechnet damit, dass im Jahr 2008 rund 40 Prozent aller europäischen Mobilfunkkunden ihr Business-Handy beim Empfang und Versand von eMails einsetzen werden. Im vergangenen Jahr nutzte nach Angaben von Analysys lediglich knapp ein Prozent diese Möglichkeit.
Dementsprechend werden auch die Umsätze steigen: Analysys geht davon aus, dass mit der zunehmenden geschäftlichen Nutzung von Mobile Data Services die im Jahr 2003 erzielten 1,8 Mrd. Euro 2008 mit 8,1 Mrd. Euro bei weitem übertroffen werden. Wachstumstreiber ist in dieser Zeit unangefochten der mobile Zugriff auf eMail, sowie der Zugang zu Kalender- und Kontaktinformationen.mCommerce - Was ist das überhaupt?
Die Begriffe eCommerce und mCommerce sind häufig in der Betrachtung nicht eindeutig getrennt. EITO (das European Information Technology Observatory) zählt dazu jede Art von mobilem Umsatz, also den Wert aller über mobile Endgeräte getätigten elektronischen Kaufvorgänge im B2B und B2C zum mCommerce. EITO geht davon aus, dass mCommerce in den nächsten Jahren deutlich an Volumen zulegen wird. Der aktuellen Studie vom März 2004 zufolge lagen diese mobilfunkbasierten MCommerce- Umsätze in Westeuropa 2003 bei rund 1,1 Mrd. Euro. Verglichen damit beliefen sich die gesamten eCommerce-Umsätze (B2C) des Jahres 2003 auf 63,1 Mrd. Euro. Bis zum Jahr 2007 wird mit einem Anstieg der mCommerce Umsätze auf 24,7 Mrd. Euro gerechnet. Das entspräche einer jährlichen Wachstumsrate von über 100 Prozent.Deutschland nimmt bei der mCommerce Nutzung in Europa die Spitzenposition ein. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz des mobilen Handels in Deutschland bei 280 Mio., in Großbritannien bei 212 Mio. und Frankreich bei 127 Mio. Euro. Aktuell bremsen laut Umfrage Sicherheitsbedenken, hohe Transaktionskosten und langsame Geschwindigkeiten noch ein größeres Wachstum.Mobile Business: Steigen Unternehmen ein?Langfristig, nämlich bis 2008 erwarten Unternehmen einen bedeutenden positiven Brancheneinfluss durch mobile Applikationen. Wie die Ergebnisse einer Umfrage von Arthur D. Little (Mobile Economy 2004) zeigen, sehen 41 Prozent der Unternehmen sogar bereits kurzfristig Umsatzsteigerungen durch mobile Dienste, vor allem bei MCommerce- Anbietern (64%), Anwendungsentwicklern (52%) und Endgeräteherstellern (50%). Hauptgewinner werden nach Einschätzung von 68 Prozent der teilnehmenden Unternehmen vor allem die Netzbetreiber sein.Jedoch sind derzeit nur wenige Unternehmen bereit eine aggressive Pionierstrategie zu fahren. Die knappe Mehrheit von 55 Prozent verfolgt nach eigenen Angaben eher eine „Fast-Follower-Strategie“ oder eine Differenzierungs- und Nischenstrategie mit Premium-Angeboten und speziellen Zielgruppen. Innovation wird von 2/3 als bedeutendster Faktor für den Erfolg mobiler Dienste gesehen, wobei reinen Zahlungs- und Transaktionsdiensten (39%) geringere Chancen als mobilen Inhalten (48%) eingeräumt werden.In Westeuropa sind gegenwärtig die Telekommunikations- und Medienunternehmen führend, wenn es um den Einsatz mobiler Lösungen geht. Allerdings erwarten die Experten von IDC nach einer Befragung von 353 Unternehmen in Frankreich, Spanien, Italien, Großbritannien und Deutschland, dass insbesondere das Transportgewerbe und die Versorger noch in diesem Jahr den Anschluss schaffen. Auch im B2B-Bereich soll einer Prognose von Detecon zufolge bis 2005 zunächst der größte Umsatz mit internen Prozessen getätigt werden. Geschätzte 55 Prozent des gesamten B2B-Umsatzes werde auf mobile Applikationen wie Groupware, Flottenmanagement und Portallösungen entfallen. Besondere Nutzenpotenziale stecken vor allem in der Telearbeit, dem mobilen Zugriff aufs Unternehmen und der Neugestaltung von Außendienstsystemen.Diesen Trend bestätigt eine aktuelle Studie der META-Group, wonach der Schwerpunkt mobiler Unternehmensanwendungen im Personal Information Management (PIM) wie Termin- und Kontaktorganisation, dem Senden und Empfangen von eMails sowie dem Abrufen von aktuellen Informationen und Nachrichten (Verkehr, Reise, Fahrplan, Stau..etc) im klassischen B2E-Bereich liegt.
Betrachtet man die große Bedeutung von Flexibilität, Geschwindigkeit (Time-to- Market), Zuverlässigkeit und Datenqualität, fällt es nicht schwer mobile Anwendungen als Erfolg versprechende Antwort auf diese Herausforderungen zu sehen.
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